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Hauptverband: Keine Probleme durch Ärzte-Arbeitszeitgesetz

Peter McDonald, Vorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, geht davon aus, dass die Krankenkassen im heurigen und nächsten Jahr wieder ins Minus rutschen werden. Langfristig sieht er jedoch eine Erholung der Finanzen. Durch das neue Ärzte-Arbeitszeitgesetz, das die Länder den Spitalärzten zum Teil mit höheren Grundgehältern abgelten, sieht er jedenfalls keine finanziellen Probleme auf die Kassen zukommen.

Peter McDonald

Peter McDonald

Durch eine Steigerung der Medikamentenkosten, geringes Wirtschaftswachstum und die zunehmende Arbeitslosigkeit erwartet der Hauptverbands-Chef für die Jahre 2015 und 2016  geringere Beitragseinnahmen als zuletzt. Es ist durchaus zu erwarten, dass die Krankenkassen wieder rote Zahlen schreiben werden. Allerdings könne sich der Finanzhaushalt über den Konjunkturzyklus wieder ausgleichen, hofft McDonald. Die von der Regierung angekündigte Steuerreform könnte zu Mehreinnahmen für die Kassen führen, wenn die Reform wie erwartet einen Impuls für die Beschäftigung und den Standort bringt.

Keine finanziellen Probleme durch neues Ärzte-Arbeitszeitgesetz

Durch die Reform des Ärzte-Arbeitszeitgesetzes entstehende Mehrkosten betreffen die Länder. Da die Sozialversicherung ein Drittel ihrer Beitragseinnahmen der Spitalsfinanzierung zur Verfügung stellt, kommen laut McDonald keine Zusatzkosten auf die Kassen zu – auch wenn Spitalsärzte künftig maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten werden. Obwohl in Ländern wie Kärnten und Oberösterreich noch keine Einigung erzielt wurde, geht McDonald davon aus, dass die Ärzte “verantwortungsvoll agieren” und die notwendige medizinische Versorgung garantieren werden. Er möchten den Medizinern jedoch “nichts ausrichten”, schließlich seien die Verhandlungen noch im Gange.

Hoffnungsträger Primärversorgung

Auf die Vernetzung von Gesundheitsberufen und eine dadurch erwartete Entlastung der Spitäler durch die neue Primärversorgung setzt der Hauptverbands-Chef große Hoffnungen. In Wien starten entsprechende Projekte bereits im Frühling, bis 2016 beginnen dann in allen Bundesländern Pilotprojekte. Die telefonische Erstberatung als erste Anlaufstelle für Patienten wird ab 2016 in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg eingeführt. Allerdings müssen entsprechende Finanzierungsregelungen noch ausverhandelt werden. Auf jeden Fall sollen der Bund, die Länder und die Sozialversicherung an einem Strang ziehen und sich nicht wie bisher gegenseitig die Kosten in die Schuhe schieben.

Kein Änderungsbedarf bei Gruppenpraxen

Die derzeit 222 Gruppenpraxen mit 501 beteiligten Ärzten verdeutlichen laut McDonald, dass diese Form der Zusammenarbeit von den Ärzten ganz gut angenommen werde. Er stehe jedoch auch allen Ärzten für Gespräche über attraktivere Arbeitsbedingungen zur Verfügung, um etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.
Obwohl es “in Einzelfällen” Probleme bei der Nachbesetzung von Stellen gebe, kann McDonald den von der Ärztekammer beklagten Ärztemangel nicht erkennen. Er betont, dass Österreich nach wie vor zu den Ländern mit der höchsten Ärztedichte gehöre.

Jahr der Kinder- und Jugendgesundheit

Das Jahr 2015 steht im Zeichen der Kinder- und Jugendgesundheit. Damit bereits von Kindesbeinen an mit der Gesundheitsförderung begonnen wird, möchte sich der Hauptverbands-Chef noch Anfang dieses Jahres mit Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser zu diesem Thema beraten. Bislang gebe es Pilotversuche für einen Gesundheitscheck oder ein Gesundheitscoaching für Kinder. McDonald verweist in diesem Zusammenhang auf die frühkindliche Erstberatung beim Zahnarzt sowie die Gratis-Zahnspange für Kinder und Jugendliche mit schweren Fehlstellungen. Darüber hinaus sollen bis zum Ende des Jahres auch 300 zusätzliche Betten für Kinder-Rehabilitation ermöglicht werden. Da die Finanzierung schon gesichert ist, müsse nur noch mit den Anbietern verhandelt werden.

Oberhauser: Entwicklung der Kassen noch nicht abschätzbar

Auf McDonalds Ankündigung, dass die Kassen in diesem und nächstem Jahr ein Minus erwarte, reagierte die Gesundheitsministerin am Montag zurückhaltend. Man könne die wirtschaftliche Entwicklung jetzt noch nicht abschätzen, da die finanzielle Entwicklung der Krankenkassen einerseits von den Einnahmen abhänge, die wiederum von der Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft in Österreich abhängen. Wie auch der Hauptverbands-Chef erhofft sich Oberhauser Impulse durch die geplante Steuerreform.

Quelle: APA