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Geschlechtsidentität im Gehirn nachweisbar

A_TransGender-Symbol_Plain3.svg: User:ParaDox derivative work: Xavax - Diese Datei wurde von diesen Werken abgeleitet:A_TransGender-Symbol_Plain3.svg. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_TransGender-Symbol_black-and-white.svg#mediaviewer/File:A_TransGender-Symbol_black-and-white.svgGeorg S. Kranz von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien legt in einer aktuellen Studie dar, dass sich die Geschlechtsidentität in der Vernetzung zwischen Hirnregionen widerspiegelt und nachweisbar ist. Die Arbeit ist im Journal of Neuroscience erschienen.

Biologische Ursachen, die bekannte Geschlechter-Dimorphismen bezüglich menschlichem Verhalten, Kognition und Emotion untermauern, haben in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erfahren. Weltweit untersuchen mehrere Forschungsinstitutionen die neuronale Repräsentation der individuellen Geschlechtsidentität, die primär in der Psyche des Menschen verankert ist. Da die Mikrostruktur der Gehirnverbindungen mit der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomographie (MRT) mit bisher unerreichter Genauigkeit untersucht werden, setzen Forscher große Hoffnungen auf diese Methode.

Georg S. Kranz

Georg S. Kranz

Der Wiener Forscher Georg S. Kranz versuchte mit Kollegen unter der Leitung von Rupert Lanzenberger mittels dieser Methode die möglichen Einflüsse von biologischem Geschlecht, Geschlechtsidentität, Geschlechtshormonen und der sexuellen Ausrichtung auf die Mikrostruktur der Gehirnverbindungen durch die Untersuchung von Transgenderpersonen sowie weiblicher und männlicher Kontrollprobanden mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) zu studieren. An der Studie unterzogen sich 23 weiblich-zu-männliche und 21 männlich-zu-weibliche Transgenderpersonen sowie 23 weibliche und 22 männliche Probanden einer DTI mit einem 3 Tesla.

Die Forscher konnten neuronale Korrelate des Identitätsempfindens in der Vernetzung des Gehirns nachweisen und fanden eine signifikante Korrelation zwischen der Mikrostrukturverbindungen dieser Netzwerke untereinander und dem Testosteronspiegel. Lanzenberger zufolge legen diese Ergebnisse nahe, dass sich die Geschlechtsidentität in der Struktur von Hirnnetzwerken widerspiegelt, die sich im Laufe der Entwicklung des Nervensystems unter dem modulierenden Einfluss von Geschlechtshormonen bilden. Die Daten harmonisieren mit der Hypothese, dass die Entwicklung der Faserbahnen durch das hormonelle Milieu während der späten pränatalen und frühen postnatalen Entwicklung des Gehirns beeinflusst wird.

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Internationales und translationales Kooperationsprojekt

Die vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Studie wurde im Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen verschiedenen Kliniken und Zentren der MedUni Wien sowie Dick F. Swaab vom Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam durchgeführt. Auf Seiten der MedUni Wien waren Forschende der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, des Exzellenzzentrums für Hochfeldmagnetresonanz und der Universitätsklinik für Frauenheilkunde beteiligt.

Kranz GS, Hahn A, Kaufmann U, Küblböck M, Hummer A, Ganger S, Seiger R, Winkler D, Swaab DF, Windischberger C, Kasper S, Lanzenberger R.
White matter microstructure in transsexuals and controls investigated by diffusion tensor imaging
Journal of Neuroscience 2014 Nov 12;34(46):15466-75, doi: 10.1523/JNEUROSCI.2488-14.2014

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