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Gerangel um die Pflegekompetenzen

Die Novellierung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes stößt auf zum Teil massive Kritik. Dabei geht es unter anderem um die Kompetenzen und die Ausbildung der vorgesehenen drei Pflegeberufe.

Die Zukunft der Ausbildung und damit der Kompetenzen der Pflege stehen derzeit zur Diskussion. Viele fürchten eine Nivellierung nach unten.

Die Zukunft der Ausbildung und damit der Kompetenzen der Pflege stehen derzeit zur Diskussion. Viele fürchten eine Nivellierung nach unten.

Die Dreiteilung der Pflegeberufe ist ein Kernpunkt der geplanten Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG). Demnach soll der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege ein neues, praxisorientiertes Berufsbild und zusätzliche Kompetenzen erhalten, die Ausbildung soll endgültig in den tertiären Bereich, das heißt in die Fachhochschulen, überführt werden. Neu eingeführt wird der Beruf der Pflegefachassistenz mit einer zweijährigen Grundausbildung. Statt der Pflegehilfe soll es künftig eine Pflegeassistenz mit einer einjährigen Ausbildung geben. Diese Vorhaben jedoch stießen in der Begutachtung der Gesetzesnovelle auf massive Kritik.

Rezeptierrecht gefordert

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) begrüßt die Novelle grundsätzlich, stößt sich aber vor allem daran, dass Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege nach wie vor kein Recht haben sollen, pflegespezifische Medizinprodukte, Heilmittel und Heilbehelfe zu verordnen. Ebenso fordert der ÖGKV, dass Angehörige des gehobenen Dienstes unter gewissen Umständen zur Weiterverordnung von ärztlich verordneten Arzneimitteln und Medizinprodukten berechtigt sein sollten. Konkret geht es dem ÖGKV um Medizinprodukte und pflegerelevante Arzneimittel in den Bereichen Nahrungsaufnahme, Lagerungsbehelfe, Körperpflege, Inkontinenzversorgung, Mobilisation und Gehhilfen, Verbandsmaterialien, prophylaktische Hilfsmittel und Messgeräte.

In dieselbe Kerbe schlagen die Gesellschaft Pflegewissenschaften im ÖGKV (GesPW) und die Austrian Association of Advanced Nursing Practice (AAANP): Die Verschreibung von Medizinprodukten und Arzneimitteln sollte zu den Kompetenzen des gehobenen Dienstes gehören, auch um künftigen pflegerischen Aufgabenfeldern wie Advanced Nursing Practice, Community Nursing oder Public Health Nursing gerecht werden zu können. Die AAANP nennt explizit Inkontinenzprodukte, Hautpflegesalben und Lagerungsbehelfe: „Unserer Meinung nach ist eine ärztliche Anordnung in diesem Bereich überflüssig.“

Nivellierung nach unten

Eine ganze Reihe von Verbänden befürchtet, dass die neue Dreiteilung dazu führt, dass bei der Pflege eine Nivellierung nach unten stattfindet. Die Austrian Nurse Directors Association (ANDA) etwa bemängelt die in ihren Augen zu kurze Ausbildungszeit für die Pflegeassistenz und befürchtet eine „massive qualitative Überforderung“, wenn die Ausbildungsdauer nicht auf mindestens eineinhalb Jahre erhöht wird. Ähnlich sieht das die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), die für die Pflegeassistenz sogar eine Ausbildungsdauer von zwei Jahren fordert.

Die AAANP weist auch darauf hin, dass sich die Kompetenzbereiche der Pflegefachassistenz und des gehobenen Dienstes zum Teil überschneiden: „Hier sehen wir die Gefahr, dass vor allem im Bereich der primären Gesundheitsversorgung – etwa in Primary-­Health-Care-Versorgungszentren – die Pflege(fach)assistenz als billigere Arbeitskraft dem gehobenen Dienst vorgezogen wird.“ Ähnliche Befürchtungen hegt die GesPW: Die Pflegefach­assistenz könne beinahe die gleichen Tätigkeiten ausführen wie der gehobene Dienst. „Es ist zu erwarten, dass die Krankenanstalten aus Spargründen zunehmend Pflegepersonen des gehobenen Dienstes durch Pflegeassistenzberufe ersetzen“, heißt es.

Das sieht auch der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger so: „Die nur zweijährige Ausbildung der Pflegefachassistenz wird dazu führen, dass künftig weniger qualifiziertes Pflegepersonal in der direkten Patientenpflege tätig sein wird.“ Die GÖD befürchtet, dass sich das derzeitige Verhältnis von 70 Prozent diplomierte Kräfte und 30 Prozent Hilfskräfte künftig umkehren werde. „Die Arbeit am Krankenbett bliebe dann bei den Assistenzberufen, die nur ein oder zwei Jahre ausgebildet werden sollen, statt der derzeitigen drei Jahre für die diplomierten Kräfte“, heißt es. Nach Ansicht der Gewerkschaft würde das nicht nur Einsparungen, sondern auch eine Verschlechterung der Qualität für Mitarbeiter und Patienten bedeuten.

Diese Befürchtungen beziehen sich nicht nur auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, sondern auch auf die Pflege zu Hause. In diesem Sinne interpretiert der ÖGKV die geplante Regelung, dass Pflegefach­assistenten auch freiberuflich tätig werden können. „Die logische Schlussfolgerung könnte sein, dass künftig auch für Pflegefachassistenten Verträge mit Krankenversicherungsträgern denkbar sind. Das ist kategorisch abzulehnen“, heißt es in einer Stellungnahme. Dazu fehle der Pflegefachassistenz die Befugnis. Der Gesetzesentwurf liegt derzeit wieder im Gesundheitsministerium zur Überarbeitung, wann die Novelle dann dem Ministerrat vorgelegt werden soll, ist noch unklar.

Autor: Mag. Michael Krassnitzer