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Multivitaminpräparate in der Schwangerschaft

In Bangladesch bringen Kinder von Frauen, die in der Schwangerschaft Multivitaminpräparate eingenommen haben, nach der Geburt mehr Gewicht auf die Waage als der Nachwuchs von Frauen, die nur Eisen und Folsäure substituierten. Die Substitution führt zu einer statistisch nicht signifikanten Reduktion der Totgeburten und einer signifikanten Reduktion von Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht.

Credit: Asian Development Bank/Flickr, Photo: Abir Abdullah/ADB

Bangladesch: Mütter, die in der Schwangerschaft Multivitaminpräparate einnehmen, bekommen schwerere Kinder als jene, die nur Eisen und Folsäure einnehmen.

In Bangladesch wurden im Rahmen der Untersuchung JiVitA-3: Impact of antenatal multiple micronutrient supplementation on infant mortality in einem ländlichen Gebiet 44.567 Schwangerschaften ab Jänner 2008 überwacht. 22.405 Frauen wurden einer Mikronährstoffgruppe zugeteilt und erhielten ein Ergänzungsmittel mit 15 Mikronährstoffen. 22.162 Schwangere bekamen Eisen und Folsäure verabreicht.

Sechs Monate nach der Geburt wurde in der Mikronährstoffgruppe keine signifikante Reduktion der Kindersterblichkeit verzeichnet. So kam es in der Eisen-Folsäure-Gruppe zu 54,0 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten und in der Mehrfachmikronährstoffgruppe zu 51,6 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten.

Die Verabreichung der Mikronährstoffen führte zu einer statistisch nicht signifikanten Reduktion der Totgeburten (43,1 vs 48,2 pro 1.000 Geburten) und einer signifikanten Reduktion der Frühgeburten (18,6 vs 21,8 pro 100 Lebendgeburten) und einem niedrigen Geburtsgewicht (40,2 vs 45,7 pro 100 Lebendgeburten).

Keith P. West Jr, Abu Ahmed Shamim, Sucheta Mehra, Alain B. Labrique, Hasmot Ali, Saijuddin Shaikh, Rolf D. W. Klemm, Lee S-F. Wu, Maithilee Mitra, Rezwanul Haque, Abu A. M. Hanif, Allan B. Massie, Rebecca Day Merrill, Kerry J. Schulze, Parul Christian
Effect of Maternal Multiple Micronutrient vs Iron–Folic Acid Supplementation on Infant Mortality and Adverse Birth Outcomes in Rural Bangladesh. The JiVitA-3 Randomized Trial
Journal of the American Medical Association, December 24/31, 2014, doi:10.1001/jama.2014.16819

Fehlgeburten durch niedrigen Tocopherol-Spiegel

Schwangere, die einen erheblichen Mangel an Tocopherol, der häufigsten Vitamin E-Form, aufweisen, haben laut einer im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten Studie ein doppelt so häufiges Fehlgeburtsrisiko wie Frauen mit einem adäqauten Vitamin E-Spiegel.

Tocopherole sind für ihre Rolle in der Reproduktion von Tieren bekannt. Bereits im Jahr 1922 wiesen Herbert M. Evans und Katherine S. Bishop auf einen bis dahin unbekannten fettlöslichen Faktor hin, der für die Reproduktion von Ratten notwendig war.

Forscher der Johns Hopkins University versuchten im Rahmen des JiVitA Project in Bangladesch, in dem in den Jahren 2001 bis 2007 die Gesundheit von Müttern und deren Kindern sowie das Thema Ernährung erforscht werden, dahinterzukommen, welchen Einfluss ein Mangel an Vitamin E hinsichtlich menschlicher Aborte hat. Es dürfte sich um die erste Studie handeln, welche eine Verbindung zwischen Vitamin E und Fehlgeburten untersuchte.

Im Rahmen der placebokontrollierten Studie mit 1.605 Probandinnen aus Bangladesch, die sich in der 8. bis 13. Schwangerschaftswoche befanden, eruierten die Wissenschaftler, ob höhere Konzentrationen von α-Tocopherol und γ-Tocopherol im ersten Trimester einer Schwangerschaft mit geringeren Chancen für eine Fehlgeburt vor der 24. Schwangerschaftswoche einhergehen. Anhand von Blutproben, die den Frauen im ersten Trimester entnommen worden waren, sowie Aufzeichnungen über Fehlgeburten, eruierten die Forscher etwaige Zusammenänge. Von den 1.605 Frauen in der Studie erlitten 141 (8,8 Prozent) eine Fehlgeburt.

Knapp drei von vier Probandinnen wiesen mangelhafte Vitamin E-Werte auf, vor allem das α-Tocopherol war in geringem Ausmaß vorhanden. Etwa 5,2 Prozent der ausreichender α-Tocopherol versorgten Frauen verloren ihren Nachwuchs im ersten oder zweiten Trimester – verglichen mit 10,2 Prozent jener Frauen mit einem niedrigen Niveau.

Die Beziehung zwischen γ-Tocopherol und Fehlgeburten ging in die entgegengesetzte Richtung: Höhere Levels gingen mit einer erhöhten Zahl an Fehlgeburten einher, wenn auch in geringerem Maße.

Vitamin E-Substitution ratsam

Studienautor Abu Ahmed Shamim zufolge zeigen die neuen Ergebnisse, dass die Versorgung schwangerer Frauen mit Vitamin E von Vorteil sein könnte. Da Fehlgeburten früh im Verlauf einer Schwangerschaft auftreten, empfiehlt Shamim eine abwechslungsreiche Ernährung, die im Idealfall reich an Vitamin E ist. Um gut versorgt schwanger zu werden, sollten Frauen bereits vor der Empfängnis einen guten Vitamin E-Status aufweisen, rät Kerry Schulze von der Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health. Der Experte für internationale Gesundheit schränkt ein, dass sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres Frauen in Ländern mit höheren Einkommen übertragen lassen, da sich diese im gebärfähigen Alter tendenziell in einem besseren Ernährungszustand befinden.

Abu Ahmed Shamim, Kerry Schulze, Rebecca D Merrill, Alamgir Kabir, Parul Christian, Saijuddin Shaikh, Lee Wu, Hasmot Ali, Alain B Labrique, Sucheta Mehra, Rolf DW Klemm, Mahbubur Rashid, Pongtorn Sungpuag, Emorn Udomkesmalee, Keith P West Jr.
First trimester plasma tocopherols are associated with risk of miscarriage in rural Bangladesh
American Journal of Clinical Nutrition February 2015, First published November 26, 2014

Quelle: Johns Hopkins University