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Fall der Woche: Schwindel nach dem Stromschlag

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Ihr nächster Patient (Mitte 40) kommt direkt in Arbeitskleidung in Ihre Ordination. „Mir ist heute beim Arbeiten leider ein Missgeschick passiert: Ich bin für Sekunden mit beiden Händen in den Haushaltsstrom an der Baustelle geraten. So weit geht’s mir gut, aber seitdem habe ich immer wieder so ein Schwindelgefühl“, erläutert er sein Problem. „Kann das mit dem Stromschlag zusammenhängen?“ Die klinische Untersuchung ergibt keine gröberen Auffälligkeiten. Es zeigen sich keine Strommarken an den Händen. Pulmo: VA bds, keine RGs. Labor: unauffällig. EKG: HF 94/min, VHF, inkompl. LSB, im Rhythmusstreifen zeigen sich immer wieder Pausen von ca. 5sec. Der Patient ist währenddessen völlig asymptomatisch. Vorerkrankungen sind keine bekannt, keine Dauermedikation. Was antworten Sie Ihrem Patienten und welche weiteren Maßnahmen ergreifen Sie?

„Eine kontinuierliche EKG-Überwachung am Monitor ist erforderlich“

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Univ.-Prof. Dr. Heinz S. Weber
Facharzt f. Innere Medizin, Kardiologie, Wien
Dieser Patient ist nach einem klassischen Niederspannungs- Unfall bei 220 V und 50 Hz Wechselstrom von der Ordination aus mit der Rettung an eine Herzüberwachungsstation einzuliefern, vor allem wegen der symptomatischen (Schwindel) und im Rhythmusstreifen dokumentierten Pausen. Der typische (inkompl.) LSB bildet sich üblicherweise innerhalb von Stunden zurück1). Fehlende Strommarken lassen an eine kurze Exposition denken. Bei vorsichtiger Interpretation weist das auch bei der späteren Kontrolle unauffällige Labor (incl. CK-MB und Troponin) auf das Fehlen einer Myokardschädigung hin2). Hinsichtlich der dokumentierten 5-sec- Pausen besteht eine Diskrepanz zwischen der Angabe des Patienten, „immer wieder so ein Schwindelgefühl“ seit dem Unfall zu haben, und der Feststellung, dass der Patient „währenddessen völlig asymptomatisch“ ist.

Mögliche Erklärung: bei der EKG-Aufzeichnung im Liegen keine Orthostase. Jedenfalls ist eine kontinuierliche EKGÜberwachung am Monitor erforderlich. Ein Echo empfiehlt sich mit den Fragestellungen nach der Links-Ventrikel-Funktion bzw. dem Ausschluss von Wandbewegungsstörungen, eventuell auch nach der Größe der Vorhöfe (Durchmesser, Volumen) im Hinblick auf das „extrem selten“ bei Stromunfällen auftretende VH-Flimmern2). Als Therapie der Arrhythmien ist primär ein „whatchful waiting“ angezeigt, da sich erfahrungsgemäß diese innerhalb von Stunden rückbilden. Bei VH-Flimmern wird in einer der seltenen Fallstudien eine elektrische Kardioversion durchgeführt3), wobei ein Abwarten bei hämodynamischer Stabilität bis zu 48 Stunden entsprechend den üblichen VH-Flimmer-Leitlinien vertretbar ist.

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