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Einigung für Wiener KAV-Ärzte

Die Turbulenzen an den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), die durch das Ärztearbeitsgesetz entstanden sind, dürften sich nun endlich beruhigen. Ein Verhandlungsmarathon brachte folgende Ergebnisse: 25-Stunden-Dienste können unter klar definierten Rahmenbedingungen weiterhin geleistet werden. Zu den Rahmenbedingungen gehören: keine Erhöhung des Personalbedarfs, Genehmigung des Dienstmodells durch die Generaldirektion, jederzeitiger Widerruf des Dienstgebers.

copyright: PID - Christian JobstIn der Nacht von 28. auf 29. Jänner einigten sich die Vertreter der Mediziner, der Stadt Wien und der Gewerkschaft auf neue Arbeitszeit- und Gehaltsmodelle. Der Wiener Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres, die Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Christian Meidlinger gaben im Rahmen einer Pressekonferenz die Eckpunkte des Übereinkommens bekannt.

An der langen Verhandlungnacht waren die Stadt Wien, der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten – Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (GdG-KMSfB), der Personalgruppenausschuss für Ärzte sowie die Hauptgruppe II und die Wiener Ärztekammer beteiligt.

Den Kern der getroffenen Vereinbarung bildet ein neues Arbeitszeitmodell: Der Schwerpunkt der ärztlichen Tätigkeit liegt zukünftig überwiegend in der Zeit von 7:00 bis 19:00 Uhr, wobei die einzelnen Abteilungen angeblich ein Mitspracherecht haben. Die Anzahl der Nachtdienste wird dadurch schrittweise um ein Drittel reduziert. Darüber hinaus wurden Begleitmaßnahmen zur besseren Organisation der nächtlichen Spitalsabläufe, etwa eine fachliche Schwerpunktsetzung in der Akutversorgung, festgelegt.

Die Verlagerung der Dienstzeiten soll für eine Veränderung der Gehaltsstrukturen genützt werden, weshalb der bisher stark nachtdienstorientierte Personaleinsatz in die Tageszeit verlegt wird.

Die damit verbundenen Gehaltserhöhungen reichen bei Turnus- und Fachärzten von 19 bis 29 Prozent. Bei Turnusärzten beträgt die Bandbreite des Gehaltes 3.400 bis 4.000 Euro. Die Gehaltsanpassung erfolgt mit 1. Juli 2015. Die Bandbreite bei Fachärzten ist mit rund 5.200 bis rund 7.900 Euro festgelegt.

Die erste Etappe der Gehaltsanpassung erfolgt am 1. Juli 2015 (70 Prozent), die zweite am 1. Jänner 2017 (30 Prozent).

Benefits für junge Mediziner

Um Jungärzte von einer Abwanderung abzuhalten, wurden eine Gehaltsanpassung zwischen 24 und 29 Prozent vereinbart und ein eigenes Gehaltsschema für Turnusärzte geschaffen. Weiters erhalten Ärzte in Ausbildung Prüfungsurlaub für die Ärze- beziehungsweise Fachärzte-Prüfung.

Fortbildungspaket

Im Rahmen des Fortbildungspaket, das im Laufe der Verhandlungen beschlossen wurde, haben Fachärzte unter anderem Anspruch auf 6,5 Tage pro Person und Kalenderjahr zur Erfüllung der gesetzlichen Fortbildungsverpflichtung.

Vieles ist KAV-Medizinern noch unklar

Angeblich kann jede Abteilung gemeinsam mit der Personalvertretung hinsichtlich einer Kern-Arbeitszeit von 5 bis 12,5 Stunden entscheiden. Wenn das Arbeitszeitmodell tatsächlich von den Abteilungen frei gewählt werden kann, wird es allerdings wohl meist beim beliebten bisherigen Modell bleiben. Davon gehen zumindest kritische Spitalsmediziner aus. Sie vermuten, dass eine Umstellung auf “überwiegend 7:00 bis 19:00 Uhr” nur dann erfolgen wird, wenn die Generaldirektion Druck ausübt.

Quelle: wien.at