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Anorexie-Kranke nehmen durch atypische Antipsychotika nicht zu

Stark untergewichtige Patientinnen und Patienten mit Anorexia nervosa nehmen auch durch die Einnahme von Antipsychotika der zweiten Generation (SGAs) nicht zu.

Foto: BilderBox.com

Die Anorexie weist eine der höchsten Mortalitätsraten aller psychiatrischen Erkrankungen auf. Die Hoffnung, dass neue Antipsychotika zu einer Gewichtszunahme führen, konnten Wiener Forscher leider nicht bestätigen.

Wissenschaftler der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien veröffentlichten im Fachmagazin Psychotherapy and Psychosomatics die Resultate einer Metaanalyse, mit der sie versucht hatten, herauszufinden, ob mit atypischen Antipsychotika eine Gewichtszunahme anorektischer Probanden erreicht werden kann. Das Ziel war es festzustellen, ob Beweise für diese Behandlungsoption aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) abgeleitet werden können.

Einige Antipsychotika der zweiten Generation können bei Patienten, die an anderen psychiatrischen Krankheitsbildern als Anorexie leiden, als Nebenwirkung zu einer Gewichtszunahme führen. Daher versuchten Forscher um Siegfried Kasper in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Tulln, der Stanford University und dem King‘s College London herauszufinden, ob eine Pharmakotherapie mit atypischen Antipsychotika auch bei Anorexie-Patienten zu einer Gewichtszunahme führt, da die Nebenwirkung in diesem Falle möglicherweise therapeutisch bei Anorektikern eingesetzt werden könnte, um eine Gewichtsnormalisierung zu erreichen. Pharmakoepidemiologischen Studien zufolge stiegen nämlich aufgrund dieser Vermutung die Verschreibungen von Antipsychotika der zweiten Generation bei Anorexie über die letzten Jahre kontinuierlich an.

Die Wissenschaftler fanden in ihrer Arbeit allerdings keine Beweise, dass eine solche Pharmakotherapie in einer signifikanten Gewichtszunahme resultiert. Darüber hinaus gab es auch keine positiven Effekte auf die Essstörungssymptomatik, die mittels des Yale-Brown-Cornell Eating Disorders Scale (YBC-EDS) total score und des Eating Disorders Inventory (EDI) gemessen wurde.

Der Atypika-Einsatz kann demzufolge bei Anorexia nervosa kann nicht als evidenzbasiert angesehen werden, wenngleich einige Patientengruppen, etwa solche mit schizophrenen Komorbiditäten, dennoch von dieser pharmakologischen Option profitieren können.

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Dold M, Aigner M, Klabunde M, Treasure J, Kasper S.
Second-Generation Antipsychotic Drugs in Anorexia Nervosa:
A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
Psychotherapy and Psychosomatics 2015 Feb 21;84(2):110-116. [Epub ahead of print]

Quelle: MedUni Wien

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