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Westafrika: Ebola-Impfversuche starten im Dezember

Vertreter von Gesundheitsbehörden erklärten am 24. Oktober, dass in Westafrika bereits im Dezember und April im Rahmen von Studien mit Ebolavirus-Vakzinationen begonnen werden könnte. Damit soll erhoben werden, ob ob die Impfstoffe für Massenvakzinationen geeignet sind. Die EU erklärt sich bereits, den Kampf gegen Ebola mit einer Milliarde Euro zu unterstützen.

Dr. Marie-Paule Kieny von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wies bei einer Pressekonferenz in Genf darauf hin, dass ein Ebola-Impfstoff zwar kein Allheilmittel sei, ein solcher aber dennochdazu beitragen könne, die Flut der Ebola-Epidemie aufzuhalten.

Dalila Martínez, Lehrkrankenschwester des medizinischen Personals, das Kuba nach Sierra Leone entsandt hat. Foto: Dalila Martínez, Lehrkrankenschwester des medizinischen Personals, das Kuba nacFoto: Ladyrene Perez, Cubadebate

kubanische Lehrkrankenschwester in Sierra Leone

Die stellvertretende Generaldirektorin für Gesundheitssysteme und Innovation der WHO berichtete Pressevertretern am Freitag von den Ergebnissen eines Meetings, an dem am Donnerstag Regierungsbeamte aus Kanada, China, der Europäischen Union, Frankreich, Deutschland, Guinea, Italien, Japan, Liberia, Mali, Nigeria, Norwegen, der Russischen Föderation, Sierra Leone, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den USA neben Vertretern von Pharmaunternehmen (GlaxoSmithKline (GSK), Johnson & Johnson, Merck Vaccines und New Link Genetics) sowie Repräsentanten von SAGE, der African Development Bank, der Bill and Melinda Gates Foundation, der European Federation of Pharmaceutical Industries, der European Investment Bank, der European Medicines Agency, der GAVI Alliance, der London School of Hygiene and Tropical Medicine, von Ärzte ohne Grenzen, dem Paul Erlich Institut, den U.S. Centers for Disease Control and Prevention, der U.S. Food and Drug Administration, des Wellcome Trust sowie der Weltbank teilgenommen hatten.

WHO High-level meeting on Ebola vaccines access and financing

WHO High-level meeting on Ebola vaccines access and financing

Beim “WHO High-level meeting on Ebola vaccines access and financing” hatten sich die Vetreter dieser Institutionen darüber ausgetauscht, wie man Impfstoffe testen und möglicherweise am effektivsten entwickeln könne.

>> Full report: WHO high-level meeting on Ebola vaccines access and financing (PDF)

Anfang dieser Woche hatte Kieny noch angegeben, dass die Versuche im Dezember starten würden, am Freitag erklärte sie, dass es nun schon im November soweit sei. Die Hersteller der Impfstoffe hätten sich verpflichtet, im kommenden Jahr Dosen in Millionenhöhe zu produzieren, hunderttausende davon sollen bis zur Jahresmitte verfügbar sein.

Prognosen ändern sich wöchentlich

Kieny zufolge würden die Angaben von Woche zu Woche variieren, da alle Seiten Bemühungen zeigen würden, Impfstoffe schneller verfügbar zu machen. Die WHO-Vertreterin betonte, dass der Zeitpunkt, wann mit Massenimpfungen begonnen werden könne, vor allem davon abhänge, dass die Sicherhheit und Effektivität eines oder mehrere Impfstoffe bewiesen sei.

Zwei experimentelle Impfstoffe werden bereits in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern außerhalb des Ausbruchs-Bereichs an gesunden Freiwilligen erprobt. Einer davon wird von den National Institutes of Health und GlaxoSmithKline entwickelt (rVSV), der zweite von der kanadischen Regierung und NewLink Genetics (ChAd3). Anfang 2015 werde dann mit der Testung fünf weiterer Impfstoffe begonnen, so Kieny.

Würden sich die beiden fortgeschrittenen Impfstoffe in ersten Tests als sicher erweisen, könne man mit Studien in Liberia und Sierra Leone beginnen, um zu sehen, ob die Impfstoffe tatsächlich Menschen davor bewahren, sich mit dem Ebolavirus zu infizieren. Die Test werde man an Mitarbeitern des Gesundheitswesens mit einem hohen Ansteckungsrisiko vornehmen. Eine in Liberia durchgeführte Studie werde auch Personen mit einem hohen Ansteckungsrisiko einschließen, die außerhalb des Gesundheitsbereichs tätig seien – beispielsweise Menschen aus dem Bestattungswesen und Verwandte von Erkrankten.

27.000 Probanden in Liberia

Im Rahmen der in Liberia durchgeführten Studie werden zufällig ausgewählte Freiwillige den GSK-Impfstoff oder ein Serum gegen eine andere Erkrankung beziehungsweise ein Placebo erhalten. An jedem der drei Studienarme werden rund 9.00 Probanden teilnehmen.

Sierra Leone Trial

In Sierra Leone werde man interessierten Personen die Möglichkeit offerieren, sich impfen zu lassen. Die verschiedenen Centers werden die Impfstoffe aber zu unterschiedlichen Zeiten erhalten. Im Rahmen dieser Studie werden keine Placebos verabreicht. Dieses Trial wird von den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention geplant. Es wird zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass die Versuche mit dem Impfstoff von GlaxoSmithKline starten, es ist aber möglich, dass auch Seren anderer Hersteller in die Studie eingeschlossen werden.

Kieny erklärte, dass man zu einem späteren Zeitpunkt auch in Guinea mit einer Studie starten werde.

Placebos im Kreuzfeuer der Kritik

In letzter Zeit wurden etliche Kritikerstimmen laut, die es unethisch finden, gefährdeten Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen Placebos zu verabreichen. Andere wiederum argumentieren, dass man schließlich gar nicht wisse, ob die Impfstoffe auch ihre Wirkung zeigen würden und somit derzeit gar nicht gesagt werden könne, ob die Geimpften überhaupt einen Vorteil aus der Impfung ziehen würden. Somit sei die Verabreichung von Placebos durchaus legitim.

GSK beruhigt

Dr. W. Ripley Ballou, der bei GlaxoSmithKline für den Ebola-Impfstoff verantwortlich ist, meinte, dass ein randomisiertes Trial so rasch wie möglich zeigen werde, ob der Impfstoff effektiv sei oder nicht.

Wer finanziert Impfstoff-Studien?

Bei dem Meeting am Donnerstag wurde auch erörtert, wie die Impfstoff-Studien und die Bereitstellung der Seren finanziert werden sollen. Kieny hofft auf Finanzspritzen von Geberländern wie den Vereinigten Staaten und Großbritannien, von der Weltbank und anderen Institutionen. Sie fügte hinzu, dass Geld bei der Ebola-Epidemie nicht das Hauptproblem sei.

EU-Ratspräsident Herman van Rompuy kündigte beim EU-Gipfel in Brüssel an, dass die EU ihre Mittel auf eine Milliarde Euro erhöhen werde. Deutschland wird 107 Millionen Euro bereitstellen, auch Großbritannien erhöht seinen Beitrag auf 256 Millionen Euro.

Von der Afrikanischen Union (AU) war am Freitag zu vernehmen, dass Äthiopien 200 professionelle Helfer in die betroffenen westafrikanischen Staaten senden werde.

Auch Kuba sandte mittlerweile mehr als 200 Gesundheitsexperten nach Westafrika (siehe NYT-Artikel “Cuba’s Impressive Role on Ebola“.)

Das Flugzeug mit kubanischen Ärzten und Krankenpflegern für die Behandlung der Opfer von Ebola traf in Liberia ein, berichtete Reuters. Es landete auf dem internationalen Flughafen Roberts in Monrovia. Eine weitere Gruppe von Ärzten der Insel kam im benachbarten Guinea an.

Das Flugzeug mit kubanischen Ärzten und Krankenpflegern für die Behandlung der Opfer von Ebola traf in Liberia ein, berichtete Reuters. Es landete auf dem internationalen Flughafen Roberts in Monrovia. Eine weitere Gruppe von Ärzten der Insel kam im benachbarten Guinea an.

 

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Das Blut der Überlebenden nützen

Nachdem bereits intensiv an experimentellen Behandlungen gearbeitet wird, um die Ebolavirus-Erkrankung einzudämmen, zieht die WHO nun auch in Erwägung, bereits innerhalb der nächsten Wochen in Sierra Leone, Guinea und Liberia das Blut von Überlebenden an aktuell erkrankte Patienten zu verabreichen. Dabei müsse aber besonders darauf geachtet werden, dass das Blut frei von Infektionserregern wie HIV oder Hepatitis sei.

Etliche Gesundheitsexperten verweisen darauf, dass es vor allem nötig sei, in den betroffenen Ländern neue Behandlungszentren zu errichten, um mehr Patienten behandeln zu können.

>> Centers of Disease Control and Prevention: Ebola Virus Disease)

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Quelle: Pressemitteilung WHO High-level meeting on Ebola vaccines access and financing, New York Times, Granma