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Turnusevaluierung in ganz Österreich

WIEN – Die aktuelle Auswertung der kontinuierlichen Befragung der Turnusärzte durch die Ärztekammer liegt nun vor. Das erreichte „Befriedigend“ zeigt zwar eine leichte Verbesserung gegenüber dem Jahr 2012, für Dr. Karlheinz Kornhäusl, ist die Situation aber noch immer „unbefriedigend!“.

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Ob sich Ärzte nach dem Turnus fit für die Praxis fühlen, hängt stark davon ab, wie praxisorientiert die Ausbildung in den einzelnen Abteilungen war.

Durchgeführt wird die Turnusärztebefragung anonym und kontinuierlich durch das Ärztliche Qualitätszentrum in Linz. An der Online-Befragung haben in der nun ausgewerteten Periode von August 2011 bis August 2014 immerhin 46 Prozent aller Turnusärzte teilgenommen, ein Wert auf den Dr. Karlheinz Kornhäusl, Stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und für die Turnusärzte in der Ärztekammer zuständig, „schon ein bisserl stolz“, ist. Insgesamt flossen 9256 Bewertungen von 546 Abteilungen ein. Ausgewiesen werden allerdings nur Abteilungen, für die mindestens fünf Bewertungen eingegangen sind.

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Priorität haben, junge Kollegen im Land zu halten.“
Dr. Karlheinz Kornhäusl

Mit einer Durchschnittsnote von 2,72 auf der Schulnotenskala erreicht man „ein glattes Befriedigend, das aber für uns nur unbefriedigend sein kann“, so Dr. Kornhäusl. Die Bewertungsbandbreite lag dabei zwischen 1 und 4,44. Gegenüber der ersten Auswertung 2012 mit einer Durchschnittsnote von 2,79 sei eine leichte Verbesserung zu verzeichnen, die Dr. Kornhäusl auch auf die Evaluierung selbst zurückführt.

Nach wie vor werden die Ergebnisse der einzelnen Abteilungen zwar nicht veröffentlicht, der Weg der „freundschaftlichen Gespräche“ mit den Ausbildungsverantwortlichen habe sich aber bewährt, so Dr. Kornhäusl. Man wolle mit der Umfrage ja niemanden „an den Pranger stellen“, sondern Verbesserungen für die jungen Kollegen erreichen. Er berichtet über „wunderschöne Beispiele einzelner Abteilungen“, die zunächst unterdurchschnittlich bewertet wurden, und sich dann zu Vorreitern entwickelt hätten. Bei 34 Abteilungen wurden signifikante Verbesserungen festgestellt.

Unterschiede zwischen Bundesländern

Die Bundesländer bzw. Krankenanstaltenträger hätten bisher unterschiedlich auf den Turnusärztemangel reagiert, das spiegle sich auch in den Bewertungen wieder. Verbessert haben sich gegenüber 2012 das Burgenland, Tirol, Oberösterreich und Wien. Vor allem das Burgenland hätte sich „am Riemen gerissen und etwas für die jungen Kollegen getan“, so Dr. Kornhäusl. Fiel die Beurteilung 2012 mit 3,07 noch eher schlecht aus, liegt das Burgenland nun mit einem Durchschnittswert von 2,47 deutlich über den Bundesdurchschnitt.

Unter den Disziplinen haben die Abteilungen für Anästhesie (2,11), Kinder- und Jugendheilkunde (2,4) und Unfallchirurgie (2,46) besonders gut abgeschnitten. Die Bewertungen für die Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Nuklearmedizin liegen dagegen unter dem Durchschnitt. Am schlechtesten wird der Lernerfolg in der Gynäkologie und Geburtshilfe (3,38) beurteilt. Wobei Dr. Kornhäusl zu bedenken gibt, dass in manchen Fällen, die Gesamtbeurteilung einer Abteilung eher schlecht ausfällt, die jungen Kollegen aber durchaus angeben, dort fachlich viel gelernt zu haben.

Spitzenreiter Lehrpraxis

Absoluter Spitzenreiter bei den Beurteilungen sind allerdings die Lehrpraxen. Sie schneiden mit Bewertungen zwischen 1,23 und 1,76 deutlich besser ab als die besten Spitalsabteilungen. Dementsprechend groß ist die Freude bei Dr. Kornhäusl über die Aufnahme der Lehrpraxis in die neue Ärzteausbildung. „Der Wermutstropfen ist, dass die öffentliche Finanzierung der Lehrpraxis noch nicht gesichert ist.“ Hier setze er aber auf Bundesministerin Oberhauser. Aus der Evaluierung ergeben sich eine Reihe von Faktoren, die für eine gute Qualität in der Ausbildung essentiell sind:

  • Jede Abteilung braucht ein Ausbildungskonzept, das auch umgesetzt wird.
  • Der Ausbildungsverantwortliche der Abteilung ist um die Ausbildung der Turnusärzte bemüht.
  • Für die Turnusärzte sind die Erreichbarkeit und Unterstützung durch die Stammärzte besonders wichtig.
  • Turnusärzte sollten möglichst wenig Zeit für nicht-ärztliche Tätigkeiten verwenden müssen.
  • Die aktive Teilnahme an Abteilungsbesprechungen sollte den Turnusärzten ermöglicht werden.
  • Das selbstständige Durchführen von Untersuchungen und Feedback eines erfahrenen Kollegen wird besonders geschätzt.
  • Die Turnusärzte können ärztliche Gespräche mit Patienten führen.
  • Ambulanztätigkeit unter Aufsicht wird ermöglicht.
  • Bedside-Teaching ist den Turnusärzten ein besonderes Anliegen, dazu gehört auch die Möglichkeit, über einige Tage selbst ein Bett zu führen.
  • Die Durchführung abteilungsspezifischer Untersuchungen gehört natürlich zum Anforderungsprofil an eine gute Ausbildung.

Dr. Kornhäusl nimmt zur Verbesserung der Turnusärzteausbildung alle Beteiligten in die Pflicht: zunächst die Ärzte selbst – v.a. Ärztekammer und Primarärzte, aber auch alle anderen Kollegen – und dann die Gesundheitspolitik. „Es muss die höchste Priorität haben, junge Kollegen im Land zu halten.“

PK der Wiener Ärztekammer, Oktober 2014

Autor: Mag. Silvia Jirsa