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Therapeutischer Einsatz von Cannabinoiden

Die Kontroverse um die Legalisierung von Marihuana bzw. Cannabis rückt auch die therapeutische Gabe von Cannabinoiden in der Schmerz- und Palliativmedizin in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und polarisiert nach wie vor.

© iStockphoto, CapturedNuance

Cannabis ist nach Alkohol und Tabak weltweit die am dritthäufigsten konsumierte Droge. Univ.-Prof. Prim. Dr. Rudolf Likar von der Österreichischen Schmerzgesellschaft wies anlässlich der 14. Österreichischen Schmerzwochen darauf hin, dass die aktuelle, durchaus emotional geführte Diskussion über eine Legalisierung von Cannabis keine ungünstigen Auswirkungen auf den Einsatz wirksamer, standardisierter Cannabinoide in der Schmerz- und Palliativmedizin haben sollte.

In einer aktuellen Veröffentlichung der International Association for the Study of Pain, die der Diskussion über den Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden in der Schmerztherapie gewidmet ist, wird auf die viel versprechenden Ergebnisse verschiedener Cannabinoide für eine Reihe von Schmerzzuständen eingegangen.

Chronischer Schmerz ist der häufigste Grund für die Verschreibung von Cannabinoiden. Bevölkerungsbezogene Studien beschreiben vor allem eine schmerzlindernde Wirkung von Cannabis bei Patienten mit Fibromyalgie, Arthritis, Rückenmarksverletzungen und Multipler Sklerose. Besonders die antiemeteische, appetitsteigerende und krampflösende Wirkung von Cannabinoiden konnte in den vergangenen Jahren in klinischen Studien zu verschiedenen Indikationen bestätigt werden.

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In Österreich stehen zur therapeutischen Anwendung die Cannabinoid-Präparate Dronabinol, Nabilone und Sativex zur Verfügung.

Da Cannabinoide bei vielen Patienten die Lebensqualität erhöhen, lassen sich diese gut in multimodale Behandlungskonzepte integrieren. Besonders mit der Kombination von THC mit einer klassischen Opioid-Therapie lassen sich gute Effekte erzielen. Im Gegensatz zu Opioiden haben Cannabinoide zudem den Vorteil, dass sie im Fall einer Überdosierung zu keiner Atemdepression oder Immunsuppression führen.

Likar wünscht sich eine Vereinfachung der Erstattung von Cannabinoiden durch die Krankenkassen und dass zur Verschreibung kein Suchtgiftrezept mehr erforderlich ist. Somit könnten Hemmungen seitens der Ärzte abgebaut und die Präparate mehr Menschen zugänglich gemacht werden.

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>> CAM – Initiative Cannabis als Medizin

>> Canadian Consortium for the Investigation of Cannabinoids

Michael C. Lee, Markus Ploner, Katja Wiech, Ulrike Bingel, Vishvarani Wanigasekera, Jonathan Brooks, David K. Menon, Irene Tracey
Amygdala activity contributes to the dissociative effect of cannabis on pain perception
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The prevalence and incidence of medicinal cannabis on prescription in The Netherlands
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Medical Cannabis and Pain
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Quelle: Österreichische Schmerzgesellschaft