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Strahlentherapie: Forderung nach Bedarfsstudie

Wien, Niederösterreich und das Burgenland werden mit dem Sprecher der Patientenanwälte, Dr Gerald Bachinger, Ende Juni bei der Bundesgesundheitskommission einen Antrag auf eine österreichweite Bedarfsstudie für die Strahlentherapie einbringen.

Der NÖ Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka und der NÖ Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger fordern eine österreichweite Bedarfsstudie zur Strahlentherapie

Der NÖ Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka und der NÖ Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger fordern eine österreichweite Bedarfsstudie zur Strahlentherapie.

Die strahlentherapeutische Versorgung in Niederösterreich war Thema eines Pressegesprächs, das heute in St. Pölten stattfand. Bei der Veranstaltung wurde der Ruf nach einer österreichweiten Bedarfsstudie für die Strahlentherapie laut.

Die Richtwerte des Österreichischen Strukturplanes Gesundheit liegen der Österreichischen Ärztekammer zufolge bei einem strahlentherapeutischen Großgerät pro 100.000 bis 140.000 Einwohner. Die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Radio-Onkologie, Karin Kapp von der MedUni Graz, hatte beim Europäischen Radio-Onkologie-Kongress in Wien bereits kritisiert, dass in Österreich für eine Million Einwohner durchschnittlich fünf Linearbeschleuniger zur Verfügung stünden, in Westeuropa seien es sieben. Besonders schlimm sei der Mangel in Ostösterreich. Laut einer Erhebung für das dritte und vierte Quartal 2013 aus sieben Krankenhäusern in Wien und Niederösterreich müssen Patienten zum Teil mehr als zwei Monate auf eine Therapie warten.

Der niederösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka wies darauf hin, dass Niederösterreich mit sechs Strahlentherapie-Geräten den Bedarf gemäß dem Österreichischen Strukturplan Gesundheit erfülle, Patienten würden in den Landeskliniken Krems und Wiener Neustadt behandelt. “Insgesamt stehen hierfür sechs Strahlentherapie-Geräte zur Verfügung, das dritte Großgerät in Krems wird im September in Betrieb genommen”, erklärte Sobotka Mit MedAustron, das Ende 2015 in Betrieb geht, werde die hochwertige strahlentherapeutische Versorgung der Patienten weiter ausgebaut. Um eine fundierte Gesamt-Planung in der Strahlentherapie zu ermöglichen, sei aber eine österreichweit wissenschaftlich ausreichend abgesicherte Bedarfsstudie und eine österreichweit einheitliche Erhebung der Wartezeiten notwendig.

Die Bundesländer Niederösterreich, Wien und Burgenland sowie Dr. Gerald Bachinger als Sprecher der Patientenanwälte werden nun in der nächsten Sitzung der Bundesgesundheitskommission, dem Organ der Bundesgesundheitsagentur zur Planung, Steuerung und Finanzierung des Gesundheitswesens auf Bundesebene,  einen Antrag für eine österreichweite Bedarfsstudie zur Strahlentherapie stellen, wobei die Bundesgesundheitskommission die Gesundheit Österreich GmbH mit der Durchführung dieser Studie beauftragen solle. “Dabei ist es für uns ganz entscheidend, nicht mit einer Panikmache oder Hysterie die Menschen zu verunsichern”, sind sich Sobotka und Bachinger einig. “Wir haben in Niederösterreich eine gute Ausgangslage. Vor allem bei der Wartezeitenerhebung muss eine differenzierte Betrachtung von Diagnostikablauf und Therapieablauf in Abhängigkeit der Tumor-Art erfolgen. So können sich längere Wartezeiten beispielsweise wegen notwendiger postoperativer Therapien ergeben”, so Bachinger.

Bachinger verwies darauf, dass die bisherige Untersuchung der Wartezeiten in der Radio-Onkologie mit Vorsicht zu interpretieren sei. Man müsse Diagnostik- und Therapieabläufe bei den verschiedenen Krebserkrankungen in Betracht ziehen. Es sollte österreichweit erhoben werden, wie viele Geräte, welcher Art vorhanden seien und wie viele Patienten an welchen Standorten behandelt werden. Auch die tatsächliche Geräteauslastung sei nicht bekannt.

Quelle: APA, Niederösterreichische Landesregierung