Menü Logo medONLINE.at

Stöger: Neues Modell für ärztliche Primärversorgung

Heute diskutierte der Gesundheitsausschuss im Parlament über Oppositionsanträge, die schließlich ablehnt bzw. vertagt wurden. Gesundheitsminister Alois Stöger zeigte sich zuversichtlich, dass bereits am kommenden Montag bei der Sitzung der Bundeszielsteuerungskommission das neue Konzept für die ärztliche Primärversorgung besiegelt werden kann.

© Parlamentsdirektion / Peter Korrak

Durch eine Stärkung der Hausärzte, vermehrte Gruppenpraxen mit längeren Öffnungszeiten, eine engere Zusammenarbeit zwischen ärztlichem und nichtärztlichem Personal und andere Maßnahmen sollen Patienten künftig besser ambulant versorgt und die Krankenhaus-Ambulatorien gleichzeitig entlastet werden. Auch bei der Kinderrehabilitation sind sich Länder und Sozialversicherungen Stöger zufolge schon sehr nahe gekommen, auch hier könnte eventuell schon am Montag eine Lösung am Tisch liegen. Zur Forderung von Team Stronach, FPÖ und NEOS, Ärzten eine Anstellung von Ärzten abseits der bestehenden Ambulatorienregelung zu ermöglichen, äußerte sich der Gesundheitsminister skeptisch.

Zum Thema ärztliche Versorgung lagen dem Ausschuss Entschließungsanträge des Team Stronach, der FPÖ und der Grünen vor. Das Team Stronach tritt für eine umfassende Reform des österreichischen Gesundheitssystems mit einer bundesweit einheitlichen Organisation und Finanzierung ein und spricht sich dafür aus, Ärzten zu gestatten, in ihrer Praxis andere Ärzte anzustellen.

Die FPÖ will Landärzte gezielt fördern, um dem ihrer Meinung nach drohenden Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken und auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige flächendeckende medizinische Versorgung der österreichischen Bevölkerung sicherzustellen.

In der Debatte bekräftigte Abgeordneter Marcus Franz (T) die Notwendigkeit, das österreichische Gesundheitssystem auf ein einheitliches System umzustellen. Ohne Reform werde das System an die Wand gefahren, prophezeite er. Österreich sei auf dem Weg in ein Systemversagen. Als konkrete Anliegen nannte Franz unter anderem gleiche Tarife und gleiche Behandlungsmöglichkeiten für alle Patienten. Absurd ist für ihn der Umstand, dass ein Arzt keinen anderen Arzt anstellen dürfe.

Die Forderung nach einer kompletten Umkrempelung des österreichischen Gesundheitssystems stieß bei den Koalitionsparteien allerdings auf Ablehnung. Er sehe diese Notwendigkeit nicht, sagte etwa ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger. Vielmehr solle man das bestehende System laufend evaluieren und verbessern. Er wolle jedenfalls kein ökonomisiertes Gesundheitssystem, wo Ärzte unter Druck kommen, wenn sie teure Mittel verwenden oder teure Patienten wie chronisch kranke alte Menschen behandeln.

Die SPÖ-Abgeordneten Markus Vogl, Wolfgang Knes und Erwin Spindelberger hoben hervor, dass Österreich ein funktionierendes Sozialversicherungssystem habe. Das, was das Team Stronach wolle, sei ein zentraler Moloch, kritisierte Vogl. Dabei funktionierten die bestehenden dezentralen schlanken Struktur und die Selbstverwaltung klaglos. Es gebe keine Organisation weltweit, die mit Verwaltungskosten von nur 2% auskomme, hielt Spindelberger ergänzend fest. Für ihn ist es wesentlich, dass die Bedürfnisse der Patienten im Vordergrund stehen.

Auch zur Forderung nach einer Anstellungsmöglichkeit von Ärzten bei Ärzten äußerten sich SPÖ und ÖVP skeptisch. Man könne darüber diskutieren, sagte Rasinger, müsse sich aber genau überlegen, wie man das System ausgestalte und missbrauchssicher mache. Was er nicht wolle, sei, dass ein Primar andere Ärzte zu einem “Lehrlingsgehalt” anstelle und sich selbst auf seine Jacht verfüge, während diese für ihr arbeiten, spitzte Abgeordneter Spindelberger zu.

Die FPÖ und die NEOS unterstützten die Forderung nach einer Anstellungsmöglichkeit von Ärzten bei Ärzten. Abgeordneter Gerald Loacker (N) glaubt, dass dies dazu beitragen könnte, den Arztberuf zu attraktiveren. Abgeordneter Rupert Doppler (F) meinte, er verstehe nicht, warum das nicht möglich sein solle.

Gesundheitsminister Alois Stöger hielt fest, einfache Lösungen, die lauten, einer schafft an und alle anderen führen aus, seien nicht immer die besten. Österreich habe ein komplexes Gesundheitssystem, es habe sich aber bewährt. Der Zugang der Menschen zum Gesundheitssystem sei ausgezeichnet. Er habe zudem begonnen die einzelnen Player besser miteinander zu vernetzen, zuletzt seien insgesamt 10 gemeinsame Ziele festgelegt worden.

Stöger hofft, das neue Modell der ärztlichen Primärversorgung bereits kommenden Montag in einer Sitzung der Bundeszielsteuerungskommission besiegeln zu können. Die PatientInnen wollen wissen, wo sie sich mit welchen gesundheitlichen Problemen hinwenden können, sie wollen nicht warten müssen, sie wollen adäquate Öffnungszeiten haben und sie wollen eine qualitative Behandlung, sagte er. Das solle mit dem neuen Konzept gewährleistet werden. Auch im Bereich Kinderrehabilitation könnte es Stöger zufolge am Montag eine Lösung geben, die Länder und die Sozialversicherungen seien sich schon sehr nahe gekommen.

Zur Forderung nach einer Anstellungsmöglichkeit für Ärzte bei anderen Ärzten stellte Stöger klar, formal könne jeder Arzt einen Arzt anstellen. Die Ordination werde dann aber zu einem Ambulatorium. Er sei durchaus für buntere Zusammenarbeitsformen, erklärte Stöger, für ihn sei der Arztberuf aber ein klassischer Selbstständigenberuf.

Anträge zum Maßnahmen- und Förderprogramm zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum und zum Ausbau der Kinderrehabilitation wurden vertagt, die anderen Anträge mit unterschiedlichen Mehrheiten abgelehnt.

Quelle: Parlamentskorrespondenz