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Schmutz, Hautschuppen und Keime schützen vor Allergien und Asthma

Kinder, die Schmutz, Hautschuppen und Keimen ausgesetzt werden, haben ein niedrigeres Allergie- und Asthmarisiko als jene, die in einer sauberereren Umgebung aufwachsen.

Foto: Erdmännchen / Fotolia.com

Kleinkinder, die während ihres ersten Lebensjahres einem breiten Spektrum von Bakterienarten im Hausstaub ausgesetzt sind, scheinen weniger wahrscheinlich in der frühen Kindheit Asthma zu entwickeln.

Kleinkinder, die im ersten Lebensjahr Kontakt mit Tierharen und Nagetieren, Schaben-Allergenen und einer Vielzahl von Haushaltsbakterien haben, scheinen seltener an Allergien, Wheezing und Asthma zu leiden als Kinder aus Familien, bei denen die Kinder dem nicht ausgesetzt sind, lauten die Ergebnisse einer am 6. Juni im Fachmagazin “Journal of Allergy & Clinical Immunology” online publizierten Studie.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, niedrige Allergie- und Asthma-Raten haben. Dieses Phänomen wird der regulären Exposition gegenüber den auf dem Boden von Bauernhöfen vorkommenden Mikroorganismen zugeschrieben. Andere Studien haben wiederum ein erhöhtes Asthma-Risiko bei Innenstadtbewohnern nachgewiesen, die Allergenen von Schaben und Mäusen ausgesetzt sind.

Die neue Studie bestätigt, dass Kinder, die in solchen Häusern leben, höhere Gesamt-Allergie-und Asthma-Raten haben. Die Arbeit deckte aber einen weiteren Aspekt auf: Bei jenen, die solchen Stoffen vor ihrem ersten Geburtstag begegnen, scheinen Allergien nicht häufiger zu entstehen, sondern – im Gegenteil – sie scheinen von der Exposition zu profitieren.

Die Schutzwirkungen durch die beiden Allerge und eine hohe Keimbelastung wurde allerdings bei Kindern, die erst nach ihrem ersten Lebensjahr mit diesen Substanzen Kontakt hatten, nicht gesehen.

Die Autoren der multi-institutionellen Studie fanden heraus, dass Kinder, die als drei-Jährige weder allergisch noch anfällig für Keuchen waren, zu einem hohen Prozentsatz einer hohen Zahl an  Bakterien ausgesetzt warden – und paradoxerweise einem hohen Maß an weit verbreiteten Allergenen. In der Tat seien einige der schützenden Bakterien reichlich in Schaben und Mäusen enthalten, so Dr. Susan Lynch von der UCSF School of Medicine in San Francisco.

Lynch und ihre Co-Autoren konnten auch feststellen, dass eine Hausstaub-Exposition während des ersten Lebensjahres mit Bacteriodes firmicutes bei der Analyse der Daten von 104 Säuglingen aus urbanen Gebieten von vier Städten mit einem geringeren Asthma-Risiko assoziiert waren. Lynch zufolge könne kein offensichtlicher Mechanismus diese Assoziation erklären, die Evidenz würde aber frühere Untersuchungen, die einen starken Einfluss von Mikrobenarten bei der Gestaltung der Immunreaktionen zeigten, untermauern.

Die neue mikrobielle Forschungsarbeit, die von Lynch und dem Pulmologen Prof. Dr. Homer Boushey geleitet wurde, ist Teil der “Urban Environment and Childhood Asthma (URECA) study”, die von Prof. Dr. James Gern von der University of Wisconsin School of Medicine und Public Health in Madison und Dr. Robert Wood vom Johns-Hopkins-Kinderzentrum geleitet wird. Wood ist auch einer der Hauptautoren der neuen Studie. Das Ziel der URECA-Forscher ist es, den Grund herauszufinden, weshalb Asthma bei Kindern aus finanziell benachteiligten Innenstadtgebieten häufiger und schwerer auftritt.

“Unsere Studie zeigt, dass der Zeitpunkt der ersten Exposition entscheidend sein kann”, erklärt Wood. “Das sagt uns, dass nicht nur viele unserer Immunreaktionen in den ersten Lebensjahres geprägt werden, sondern auch, dass bestimmte Bakterien und Allergene eine wichtige Rolle bei der Förderung und Ausbildung des Immunsystems spielen.”

Susan V. Lynch, Robert A. Wood, Homer Boushey, Leonard B. Bacharier, et al.
Effects of early-life exposure to allergens and bacteria on recurrent wheeze and atopy in urban children
The Journal of Allergy and Clinical Immunology, published online 06 June 2014

Quelle: Johns Hopkins Medicine, UCSF School of Medicine