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Primärversorgung: Hausärzte haben weiterhin das Sagen

Der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Johannes Steinhart, beurteilt die am Dienstag vom Gesundheitsministerium übermittelte neue Version des Konzepts zur Primärversorgung in Österreich mit vorsichtigem Optimismus.

Dr. Johannes Steinhart

Dr. Johannes Steinhart

Im Zuge der jüngst beschlossenen Gesundheitsreform soll die Primärversorgung in Österreich gestärkt werden. Nach Beratungen von Bund, Ländern, Sozialversicherungen und verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitsbereich soll am Montag ein entsprechendes Konzept beschlossen werden.

Am 24. Juni übermittelte das Gesundheitsministerium die Textversion des Arbeitspapiers „Das Team rund um den Hausarzt – Konzept zu multiprofessionellen und interdisziplinären Primärversorgung in Österreich“ und trug mit dem Papier zu einer massiven Beruhigung der Hausärzte bei.

Team rund um den Hausarzt statt multi-disziplinärer Teams

Im heutigen Ö1 Morgenjournal war zu erfahren, dass die Ärzte – allen voran die Hausärzte – auch weiterhin die zentrale Rolle im System der Primärversorgung haben werden. Im Konzept für eine medizinische Primärversorgung werde nun nicht mehr von “multi-disziplinären Teams” gesprochen, sondern von einem “Team rund um den Hausarzt”, der auch künftig das Sagen haben werde.

Gesundheitsminister Alois Stöger zufolge solle das Konzept der Primärversorgung die Allgemeinmediziner, die Hausärzte, in ihrer Rolle stärken.

Primärversorgungseinrichtungen sollen künftig als erste medizinische Kontaktstellen für alle Menschen mit gesundheitlichen Anliegen und Problemen dienen. Damit sollen aber keineswegs niedergelassene Allgemeinmediziner abgeschafft werden, sondern in einem ersten Schritt bestehende Strukturen vernetzt werden. Daneben sind aber auch neue Organisationsformen geplant – mit allen Gesundheitsberufen in einem Haus.

Die Teams sollen aus einem Hausarzt, Pflegepersonal und Ordinationsassistenten bestehen und von Spezialisten für die Versorgung von Kindern, alten Patienten oder Menschen mit psychosozialen Problemen ergänzt werden. Bei Bedarf können weitere Berufsgruppen wie Ergotherapeuten, Hebammen, Sozialarbeiter und Einrichtungen wie Apotheken, Krankenanstalten oder Schulen hinzugezogen werden.

So sollen jederzeit leicht zugängliche Kontaktstellen und Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Neben der Primärversorgung ist auch die Koordination für die weitere Behandlung vorgesehen. Lange Öffnungszeiten sollen einen Zusatznutzen für die Patienten bringen, die multiprofessionelle Zusammenarbeit soll eine leichtere Terminvereinbarung, die Vermeidung unnötiger Arztwege und kürzere Wartezeiten bewirken. Vor allem chronisch Kranke sollen von der neuen Primärversorgung profitieren. Als Ziel wird zudem die Attraktivierung der Gesundheitsberufe hervorgestrichen.

Hausarzt wird nicht abgeschafft

Die neuen Primärversorgungseinrichtungen sollen den Hausarzt nicht ersetzen, versucht man die Ärztekammer zu beruhigen. Diese sollen weiter als Vertragsärzte uneingeschränkt tätig sein.

Die Ärztekammer scheint nun etwas gelassener auf das Papier zu reagieren. Ärztekammer-Vizepräsident Steinhart beurteilt das Konzept sogar “vorsichtig optimistisch”. Steinhart zufolge sei es der Ärztekammer in den letzten Verhandlungsrunden gelungen, die größten Zumutungen für die Versorgung im niedergelassenen Bereich aus dem Arbeitspapier herauszuverhandeln. Die Inhalte bewegten sich nun insgesamt in die richtige Richtung, so Steinhart. Jetzt gehe es darum, das Arbeitspapier im Detail zu prüfen, eventuell problematische Passagen zu identifizieren und zu thematisieren, und sich mit dem Ministerium entsprechend abzustimmen.

Protest abgesagt

Da nun der neue Entwurf zur künftigen Primärversorgung in Österreich vorliege, sagte die Ärztekammer ihre für morgen anberaumte Pressekonferenz kurzfristig ab. Man werde über das Konzept am Ärztetag in den zuständigen Gremien eingehenden beraten. Dieser findet am 27. und 28. Juni in Loipersdorf statt.

“Die Bundeskurie Niedergelassene Ärzte wird sich bei ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag ihr Urteil über dieses Arbeitspapier bilden, bei dem es immerhin um die Zukunft der Primärversorgung geht”, so Steinhart.

>> Interdependenzen in der ambulanten medizinischen Versorgung in Österreich

Quelle: APA, Österr. Ärztekammer, Ö1 Morgenjournal