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Oxytocin lässt Angstreize abklingen

Oxytocin kann bei der Bewältigung von Ängsten helfen. Mit dieser Erkennstnis wird womöglich eine neue Ära in der Therapie von Angststörungen eingeleitet.

Oxytocin hilft, Ängste besser zu bewältigen.

Forscher um Rene Hurlemann, der sich vor allem mit der Neuromodulation von Emotion beschäftigt, publizierten im Fachmagazin “Biological Psychiatry” eine Arbeit, der zufolge unter Oxytocin die Erwartung eines erneuten Angstereignisses im Verlauf stärker abklingt als ohne diesen Botenstoff.

Bonner Forscher hatten bereits im Dezember 2013 in den “Proceedings of the National Academy of Sciences” eine Studie veröffentlicht, die ergeben hatte, dass Oxytocin zu Monogamie führt, weil es den Partner attraktiver erscheinen lässt. Oxytoxin hat aber nicht nur bei Sexualpartnern eine bindungsfördernde Wirkung, sondern beeinflusst bekanntlichist maßgeblich die Mutter-Kind-Beziehung.

Durch Extinktion, die häufig in der Therapie von Angststörungen eingesetzt wird, werden ursprüngliche Gedächtnisinhalte nicht ausradiert, sondern durch positivere Erfahrungen überlagert. Kommt es erneut zu gefährlichen Situationen, flammt die schon überwunden geglaubte Angst häufig wieder auf. Da eine Konfrontation mit der Angstsituation häufig erlebt werden muss, kann die Therapie (beispielsweise bei einer Spinnnenphobie) lange dauern. Weil die ursprüngliche Angstspur noch im Gedächtnis verankert ist, kommt es zudem häufig zu Rezidiven. Eine Methode, mit welcher das Angstgedächtnis schneller und dauerhafter “überschrieben” werden kann, würde eine Revolution in der Therapie von Angststörungen darstellen, schreiben die Wissenschaftler in einer Aussendung der Uni Bonn.

Aus diesem Grund versuchten nun Forscher der Bonner Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Kooperatiomn mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg und der chiniesischen Universität Chengdu, einen schon länger vermuteten, hilfreichen Effekt von Oxytocin beim Überschreiben von Angsterfahrungen zu belegen. Schließlich gilt Oxytocin schon seit geraumer Zeit als angstlösend.

Das Wissenschaftlerteam führte im Rahmen der Untersuchung bei 62 männlichen, gesunden Probanden eine Angstkonditionierung herbei, indem die Männer mittels einer Videobrille Fotos – etwa von menschlichen Gesichtern – zu sehen bekamen. Bei 70 Prozent der Bilder wurde den Testpersonen über Elektroden an der Hand ein sehr kurzer Elektroschock versetzt, wodurch diese Bilder im Gedächtnis der Probanden mit einer Angsterfahrung verknüpft wurden. Mittels Hirnscans wiesen die Forscher nach, dass der mittlere präfrontale Cortex bei einer Paarung aus einem bestimmten Foto und Schmerz immer besonders aktiv war. Die Elektroschockerwartung zeigte sich durch vermehrten Angstschweiß, der über die Hautleitfähigkeit gemessen wurde.

Der Hälfte der Probanden wurde über eine Nasenspray Oxytocin verabreicht, der Rest erhielt ein Placebo. Dann begann die Phase der Extinktion, in der die Testpersonen mehrfach die gleichen Bilder wie zuvor zu sehen bekamen, aber keine Elektroschocks mehr auftraten. Bei den Männern unter Oxytocin-Einfluss war die Amygdala als das Angstzentrum im Gehirn insgesamt deutlich weniger aktiv als bei der Kontrollgruppe, furchthemmende Regionen waren hingegen erregter.

Im Zeitverlauf führte Oxytocin zu einer Zunahme der Angst, die aber wesentlich stärker abklang als ohne Oxytocin. Oxytocin verstärkte zunächst die bewussten Eindrücke der Probanden und damit die Reaktion auf die Elektroschocks, doch nach wenigen Minuten überwog die angstlösende Wirkung.

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Monika Eckstein, Benjamin Becker, Dirk Scheele, Claudia Scholz, Katrin Preckel, Thomas E. Schlaepfer, Valery Grinevich, Keith M. Kendrick, Wolfgang Maier René Hurlemann
Oxytocin Facilitates the Extinction of Conditioned Fear in Humans
Biological Psychiatry, Published Online: October 29, 2014, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.biopsych.2014.10.015

Quelle: Universität Bonn

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