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OÖ: Schneidende Kritik von den Pathologen

LINZ – Während das Land OÖ über das Tempo der Spitalsreform und das stabile Niveau der Patientenzufriedenheit erbaut ist, stöhnen Ärzte und Pflegekräfte immer lauter auf. Zuletzt schaltete sich sogar die Österreichische Gesellschaft für Pathologie (ÖGPath) ein und forderte die Rücknahme gewisser Reformmaßnahmen.

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Die Pathologen gehen mit der oberösterreichischen Spitalsreform hart ins Gericht.

Die Präsentation des dritten Evaluierungsberichtes zur oö. Spitalsreform II Ende Oktober hat sich LH Dr. Josef Pühringer (VP) wohl anders vorgestellt. Sie war überschattet von einem mysteriösen Verschwinden: Tumorproben von sechs Frauen mit V.a. Brustkrebs wurden per EMS vom Linzer AKh in ein Labor nach Bayreuth geschickt – kamen aber nie dort an. Der Landes-Chef wies die Kritik von Pathologen zurück, die die verschwundenen Präparate direkt in Zusammenhang mit der Spitalsreform gebracht hatten.

Die Kritik kam nicht von irgendwem, sondern von ÖGPath-Präsident Prim. Univ.-Prof. Dr. Sigurd Lax höchstselbst: „Die prekäre Situation im Institut für Pathologie des AKh Linz ist unserer Meinung nach die Folge einer unüberlegten Planung und inadäquaten Ausführung im Rahmen der Spitalsreform“, heißt es in einer Stellungnahme, die u.a. auch Bundesfachgruppenobmann Prim. Dr. Otto Braun und der oö. Fachgruppenobmann OA Dr. Herwig Tuppy unterzeichneten. Konkret hat Personalmangel im AKh-Institut dazu geführt, dass Präparate u.a. nach Deutschland versandt wurden. Das Institut wurde schon mehrere Jahre interimistisch geleitet und im Jänner 2014 mit der Pathologie der Landes- Nervenklinik Wagner-Jauregg zusammengeführt.

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„Es hat sich jetzt die Arbeit sehr, sehr verdichtet und zu dieser zunehmend verdichteten Arbeit kommt dazu, dass europaweit ein Ärztemangel herrscht.“
Dr. Peter Niedermoser

Wegen der „unsicheren Situation“ hätten bis Ende August 2014 vier Pathologen das AKh verlassen. Nun warnen die Pathologen vor einer weiteren strukturellen „Schwächung“ ihres Faches. Die Spitalsreform sehe nämlich vor, dass die Institute von Vöcklabruck, Ried und Steyr zu Departments mit einer Standortleitung „degradiert“ werden sollten, eine Maßnahme, die „verheerende Auswirkungen“ auf die Personalstruktur der Institute hätte, befürchtet die ÖGPath. „Wir fordern daher die Rücknahme der geplanten Spitalsreform im Bereich der Pathologie“, wird in der Stellungnahme betont. Außerdem verlangen die Pathologen „unverzüglich dringende Maßnahmen“ für das AKH, um wenigstens einen Teilbetrieb der Pathologie zu gewährleisten. „Dringend geboten“ sei es auch, Fachexperten als Berater einzubinden.

Evaluierung: Mehr als die Hälfte umgesetzt

Trotz dieses Konflikts freut sich Landeshauptmann Pühringer über den positiven Evaluierungsbericht – der dritte in Serie. Mit Ende 2013 seien bereits mehr als die Hälfte der Maßnahmen der 2011 gestarteten zweiten Spitalsreform umgesetzt, und das nach einem Drittel der Zeit. Sowohl Krankenhaushäufigkeit als auch Belagstage gingen weiter zurück, und zwar um zehn bzw. zwölf Prozent. Dies habe zu den angepeilten finanziellen Effekten „bei einer gleichbleibend hohen Qualität“ in der Leistungserbringung geführt, so das „klare“ Fazit der Evaluierungskommission unter der Leitung von MMag. Wolfgang Bayer.

Dennoch attestiert die Kommission, der neben Landessanitätsdirektor Dr. Georg Palmisano auch externe Mitglieder wie Dr. Michaela Moritz angehören, dem Land ob der Enns weiterhin „erhebliches Verbesserungspotenzial“. Denn es liegt bei den Kennzahlen immer noch über dem Bundesdurchschnitt. Bei der KH-Häufigkeit liegt OÖ mit 256 Aufenthalten je 1000 Einwohner um 15 Prozent über dem Bundesschnitt von 222 (ohne OÖ). Auch bei den Belagstagen je 1000 EW rangiert OÖ mit 1583 über dem Durchschnitt der anderen Bundesländer (1497) – aber nur mehr um sechs Prozent.

Die Anzahl an tagesklinischen Fällen konnte ebenfalls weiter gesteigert werden. 41 Prozent aller potenziell tagesklinischen Behandlungen werden bereits tagesklinisch erbracht. 2009 waren es erst 24 Prozent. Und nach wie vor sind mehr als 80 Prozent der Patienten laut einer aktuellen Market-Umfrage mit der Gesundheitsversorgung zufrieden. Die „Kostendämpfung“ ergibt für das Jahr 2013 rund 190 Mio. Euro. Kumuliert wird sie bis 2020 aus heutiger Sicht 2,2 Mrd. Euro betragen. „Die Reformen greifen. Damit ist es möglich, weiterhin in den medizinischen Fortschritt und in die neue Medizinische Fakultät zu investieren“, kommentiert der Landeshauptmann. Zudem gebe es Gespräche mit der OÖGKK, das Leistungsangebot zu analysieren und mehr stationäre Leistungen durch ambulante zu ersetzen.

OÖGKK: „Zu viele Betten“

Dies bestätigte OÖGKK-Obmann Albert Maringer auf MT-Anfrage. Da OÖ „deutlich zu viele Betten“ im intramuralen Bereich aufweise, bekenne sich die Spitalsreform „richtigerweise“ parallel zur Bettenreduktion zu einem Ausbau der Tageskliniken und der Ambulanzen. „Wir haben aber auch immer betont, dass es einer genauen gemeinsamen Analyse der Folgeeffekte bedarf.“ Dort, wo Leistungen aus dem Spitalsbereich in den niedergelassenen Bereich verlagert würden, müssten die entsprechenden finanziellen Ressourcen „mit-verlagert“ werden.

„Man kann ja auch nicht einfach den Dienstleister wechseln und dann weiterhin das Geld an den alten Lieferanten überweisen, dem neuen aber kein Geld bezahlen“, bringt es der Obmann auf den Punkt, insbesondere weil die OÖGKK schon bisher der größte Financier im oö. Spitalswesen sei. „Hier haben wir laufend Gespräche mit dem Land OÖ und gerade Ende Oktober wurde eine gemeinsame Analyse der Folgeeffekte vereinbart.“

ÄK: „Arbeit hat sich verdichtet“

Die Ärztekammer hält ihre Aussagen zur Spitalsreform eher knapp. „Es gibt in jeder Reform Dinge, die nicht immer so perfekt laufen“, meinte OÖÄK-Präsident Dr. Peter Niedermoser gegenüber MT. Der Ärzte-Chef, selber Pathologe, verweist dabei auf die „klare und deutliche“ Stellungnahme der ÖGPath. Auf die von der Gewerkschaft vida getätigte Kritik, die Spitalsreform werde auf dem Rücken der KH-Beschäftigten ausgetragen, bemerkte er aber schon: „Es hat sich jetzt die Arbeit sehr, sehr verdichtet und zu dieser zunehmend verdichteten Arbeit kommt dazu, dass europaweit ein Ärztemangel herrscht.“

Diese Kombination führe „natürlich zu vermehrten Belastungen“ der Ärzte. Die Arbeiterkammer OÖ ortete „Handlungsbedarf “, da sieben von zehn Pflegekräften in den Spitälern die oö. Spitalsreform ablehnen und Beschäftigte sowie Patienten „Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung“ wahrnehmen würden. Details gab es dazu in einer Pressekonferenz, die aber erst nach Redaktionsausschluss stattfand.

Autor: Mag. Anita Groß