Menü Logo medONLINE.at

Nierenschaden durch hohe Vancomycin-Dosen

Antibiotika, die gegen arzneimittelresistente, bakterielle Infektionen eingesetzt werden, können schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen.

Foto: BilderBox.com

Ärzte müssen einen Spagat machen, wenn sie einerseits gewährleisten möchten, dass eine Antibiotikadosis hoch genug ist, um ernsthafte und manchmal sogar lebensbedrohliche Infektionen in den Griff zu bekommen, andererseits aber das Risiko einer renalen Schädigung so gering wie möglich halten wollen.

Eine kleine Studie des Johns Hopkins Children’s Centers zeigt, dass Kinder, die Hochdosis-Infusionen des Antibiotikums Vancomycin erhalten, um arzneimittelresistente, bakterielle Infektionen zu bekämpfen, ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden haben, das zwar häufig reversibel ist, aber in einigen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.

Die in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Annals of Pharmacotherapy publizierte Untersuchung weist wieder einmal darauf hin, dass Mediziner bei der Verschreibung von Medikamenten Vorsicht walten lassen sollen. Die Forscher unterstreichen die Notwendigkeit für neue, sicherere Arzneimittel zur Bekämpfung resistenter Beakterien, die zwar die Nieren und andere Organe verschonen, aber dennoch eine gute therapeutische Wirkung erzielen.

Vancomycin kommt seit nunmehr 30 Jahren dann zum Einsatz, wenn andere Antibiotika versagen. Doch seit sich resistente Bakterien wie MRSA oder das Methicillin-resistente Staphylococcus aureus verbreiten, kommen neue Dosierungsrichtlinien zum Einsatz, die bei Verdacht auf eine resistente Infektion höhere Dosen empfehlen.

Die Hochdosis-Richtlinien wurden für den Einsatz bei Erwachsenen entwickelt, doch mittlerweile finden diese auch in etlichen Kinderkliniken Anwendung. Die Forscher betonen, dass Vancomycin häufig eine lebensrettende Funktion hat und Nierenschäden in der Regel reversibel sind, sobald die Behandlung beendet wird.

Die neue Studie basiert auf einer Analyse der Patientendaten von 175 Kindern, die in den Jahren 2009 und 2010 an der Johns Hopkins mit Vancomycin therapiert wurden. Von diesen entwickelten 14 Prozent Nierenschäden. Je höher die Dosis war, desto höher war auch die Wahrscheinlichkeit eines Nierenversagens. So hat etwa ein Kind mit einem Gewicht von 20 kg, das 1.600 mg Vancomycin pro Tag erhält, ein um 16 Prozent höheres Risiko für Nierenschäden als ein Kind mit gleichem Alter und Gewicht, das nur 1.200 Milligramm des Medikaments täglich erhält.

Auch weitere Faktoren lassen das Risiko ansteigen. So erhöht jeder weitere Behandlungstag das Risiko um 11 Prozent. Aber auch die gleichzeitige Gabe von anderen Medikamenten, welche die Nieren belasten, erhöhen das Komplikationsrisiko. Kinder, die mehr als ein solches Medikament erhielten, hatten ein um fünf Mal höheres Risiko für Nierenschäden. Kinder, die eine  renale Schädigung erlitten, waren durchschnittliche 8 Tage lang mit Vancomycin behandelt worden. Jene, bei denen keine Nierenschäden auftraten, erhielten das Antibiotikum lediglich für 4 Tage.

[restrict allow_role=”administrator, editor, author, subscriber” message=”… Um weiterzulesen, müssen Sie sich einloggen. medONLINE.at steht exklusiv ÄrztInnen aus Österreich zur Verfügung”]

Kinder mit später auftretenden Nierenschäden hatten eine um durchschnittlich 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht höhere Tagesdosis erhalten erhalten als Kinder, die keine renalen Schäden entwickeln.

Sinclair EA, Yenokyan G, McMunn A, Fadrowski, Milstone A, Lee CK
Factors Associated With Acute Kidney Injury in Children Receiving Vancomycin
Annals of Pharmacotherapy, December 2014, 48: 1555-1562

[/restrict]