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Medikationsmanagement: Tollkirsche am Rezept

cartoon_arznei_nebenwirkung.320Obstipation, Herzrhythmus- und Gedächtnisstörungen – anticholinerge Effekte von Medikamenten führen insbesondere bei älteren Menschen zu klinisch relevanten Nebenwirkungen. Was muss in der Beratung beachtet werden?

„Seit dem neuen Medikament klappt es mit der Verdauung überhaupt nicht mehr.“ „Ich kann kaum noch schlucken und sehe davon verschwommen.“ „Ich fühle mich schwindlig und benommen.“ – Bei solchen Klagen sollte die Medikation des Kunden genau unter die Lupe genommen werden, denn häufig stecken anticholinerge Effekte von Arzneimitteln hinter den Beschwerden.
Eine Aktivierung des Parasympathikus steigert die Bildung von Speichel und Darmsekreten sowie die gastrointestinale Peristaltik, verringert Herzfrequenz und Blutdruck und fördert die Ausscheidung. Die Pupillen verengen sich. Acetylcholin ist somit als Neurotransmitter des Parasympathikus für viele physiologische Prozesse wichtig. Er greift an den beiden cholinergen Rezeptortypen an: den muskarinergen M-Rezeptoren (M1–M5) und den nicotinergen N-Rezeptoren. Nebenwirkungsrelevant ist vor allem die Blockade der M-Rezeptoren durch Medikamente. Antagonist an diesen Rezeptoren ist das Tollkirschengift Atropin, anticholinerge Arzneistoffe rufen daher „atropinartige Nebenwirkungen“ hervor. Periphere und zentrale anticholinerge Effekte Es sind vielfältige Symptome an verschiedenen Organsystemen möglich. Sie stehen in Abhängigkeit vom Schweregrad der anticholinergen Aktivität:

  • Mundtrockenheit ist das sensibelste und erste Anzeichen (!) von anticholinergen Nebenwirkungen. Subjektiv wird sie als Behinderung beim Sprechen und Schlucken erlebt, der Speichel wird zäh und klebrig. Mundgeruch und ein latentes Durstgefühl quälen den Kunden, häufig sind Entzündungen der Mundschleimhaut und des Parodontiums. Der Schweregrad der Mundtrockenheit korreliert mit Dosis und Häufigkeit der Arzneimittelgabe sowie Flüssigkeitsstatus und Alter des Kunden.
    Tipps für den Kunden: Genug trinken, zwischendurch den Mund ausspülen, Erleichterung verschaffen saure Drops bzw. Kaugummis (beides unbedingt zuckerfrei!), Ersatzspeichel und hyaluronsäurehaltige Lösungen. Wegen der erhöhten Kariesgefahr zuckerhältige Getränke meiden, 2x täglich Zähneputzen und zusätzlich 1x wöchentlich ein hochfluoriertes Zahngel anwenden.
  • Magen-Darm-Trakt: Die verminderte Peristaltik führt zu für den Kunden unangenehmem Völlegefühl und Obstipation.
    Tipps für den Kunden: Flüssigkeitszufuhr, mehr Bewegung und lösliche Ballaststoffe. Eventuell Laxanzien, je nach Schweregrad.
  • Harnwege: Durch verminderten Tonus der ableitenden Harnwege sind Miktionsstörungen und Harnverhalt möglich.
  • Auge: Akkommodationsstörungen und Pupillenerweiterung nimmt der Kunde als „verschwommenes Sehen“ wahr. Dies führt auch zu einer erhöhten Sturzgefahr.
    Info an den Kunden: Bei trizyklischen Antidepressiva verschwindet diese NW nach ein bis zwei Wochen. Zusätzlich vermindert sich der Tränenfluss („trockenes Auge“).
  • Herz-Kreislauf-System: Erhöhte Herzfrequenz und Tachyarrhythmien, auch Blutdruckveränderungen können auftreten.
  • Zentrale Effekte: Vigilanzminderung ist oft das einzige, aber auffällige zentrale Symptom – der Kunde wirkt verwirrt und verlangsamt, hat Konzentrationsprobleme und vielleicht Gedächtnisstörungen. Auch Schwindel kann auftreten. Bei niedrigen Dosen wirkt er wie sediert, bei höheren jedoch unruhig, erregt und aggressiv. Selten sind Krämpfe oder ein potenziell lebensbedrohliches Delir, das binnen Stunden und Tagen auftreten kann („Toll“kirsche).

Anticholinerg wirksame Substanzen sind bei bestimmten Erkrankungen kontraindiziert, z.B. bei Engwinkelglaukom, gastrointestinalen Obstruktionen, Harnverhalten, Prostatahypertrophie, Herzrhythmusstörungen, …

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