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Low carb, high fat: Anfallsreduktion bei schwer behandelbarer Epilepsie

Eine Ernährung mit einem hohem Fettanteil und einer geringen Menge an Kohlenhydrate, wie etwa die ketogene oder modifizierte Atkins-Diät, kann bei Erwachsenen mit schwer zu behandelnder Epilepsie die Zahl der Anfälle erheblich reduzieren.

Foto: BilderBox.com

Eine am 29. Oktober im Fachjournal “Neurology” veröffentlichten Studie, die der US-Forscher Pavel Klein vom Mid-Atlantic Epilepsy and Sleep Center in Bethesda, Md, durchgeführt hatte, ergab einen Vorteil für eine fetthaltige und kohlehydratreduzierte Ernährungsform bei Erwachsenen mit epileptischen Anfällen, die medikamentös nicht in den Griff zu bekommen sind.

Etwa 35 Prozent der Menschen mit Epilepsie leiden unter Anfällen, die medikamentös nicht gestoppt werden können. Die ketogene Diät, die bei Kindern häufig und erfolgreich angewandt wird, ist bei Erwachsenen mit behandlungsresistenter Epilepsie nicht sehr verbreitet. Es gibt auch kaum Forschungsarbeiten zur Effektivität dieser Ernährungsform bei erwachsenen Epilepsiekranken.

Die ketogene und modifizierte Atkins-Diät beinhalten Nahrunsmittel wie Speck, Eier, Schlagobers, Butter, grünes Blattgemüse und Fisch. Die ketogene Nahrung besteht aus einem gewichtsabhängigen Verhältnis von Fett zu Protein/Kohlenhydraten im Verhältnis drei oder vier zu eins. Die modifizierte Atkins-Diät beruht auf einem Eins-zu-Eins-Verhältnis zwischen Fett auf der einen Seite und Kohlehydraten und Proteinen auf der anderen Seite.

In der nun publizierten Analyse wurden fünf Studien unter die Lupe genommen, welche die Auswirkungen der ketogenen Diät auf insgesamt 47 Personen und jene der modifizierten Atkins-Diät auf 85 Personen erforscht hatten.

Bei 32 Prozent der Menschen, die mit der ketogenen Diät behandelt worden waren und bei 29 Prozent jener, welche sich mit der modifizierten Atkins-Diät ernährten, reduzierte sich die Anfallshäufigkeit um 50 Prozent oder mehr. Bei neun Prozent der Probanden in der ketogenen Behandlungsgruppe und 5 Prozent in der modifizierten Atkins-Gruppe konnte eine mehr als 90-prozentige Reduktion der Anfälle erzielt werden.

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51 Prozent der Probanden der ketogenen Diät-Gruppe und 42 Prozent der modifizierten Atkins-Gruppe beendete die Ernährungsform vor dem Abschluss der Untersuchung.

Die positiven Ergebnisse wurden mit den beiden Diäten innerhalb von Tagen bis Woche erzielt, zudem hielt der Effekt langfristig an. Anders als bei Kindern konnte die Anfallsreduktion jedoch nicht beibehalten werden, nachdem die Probanden wieder zur Normalkost übergegangen waren. Die Nebenwirkungen der beiden Diäten waren ähnlich und nicht folgenschwer, die häufigste Nebenwirkung war ein Gewichtsverlust.

Klein zufolge ist der langfristige Nutzung dieser Diäten niedrig, weil sie so begrenzt und kompliziert durchzuführen sind. Die meisten Menschen würden irgendwann wegen der kulinarischen und sozialen Beschränkungen die fettreiche Diät beenden. Die Studien zeigen jedoch, dass Diäten eine mäßige bis sehr effektive Option für Menschen mit Epilepsie sind.

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Pavel Klein, Ivana Tyrlikova, and Gregory C. Mathews
Dietary treatment in adults with refractory epilepsy: A review.
Neurology, Published online before print October 29, 2014, DOI: 10.1212/WNL.0000000000001004

Quelle: American Academy of Neurology (AAN)