Menü Logo medONLINE.at

Lebenslang leben mit ADHS

In einem 2013 vom European Brain Council publizierten White Paper (1) weisen führende Experten auf die beachtliche Häufigkeit von Attention Deficit Hyperactivity Disorder ADHD (im deutschen Sprachgebrauch auch Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – ADHS) hin. Betroffen ist in Europa jedes 20. Kind (2) und – dieser Aspekt wird häufig übersehen – auch eine beachtliche Zahl von Erwachsenen. Denn die Annahme, ADHD vergehe in der Adoleszenz von alleine, hat sich als Irrtum herausgestellt. Vermutlich haben an die 70 Prozent der betroffenen Kinder auch als Erwachsene Aufmerksamkeits-Probleme. Im Alter von 25 Jahren sind zwar nur mehr bei 15% der ehemaligen ADHD-Kinder die Diagnosekriterien vollständig erfüllt, jedoch befinden sich rund 50% lediglich in partieller Remission und zeigen Residualsymptome in einem behindernden Ausmaß (3).

Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann in der Ordination einem undiagnostizierten ADHD-Patienten gegenüber zu sitzen, ist hoch. Was sollte den Verdacht wecken und welche therapeutischen Optionen gibt es? Wir sprachen mit Univ.-Prof. Dr. Istvan Bitter von der Semmelweiß-Universität in Budapest.

Die teuerste psychiatrische Störung überhaupt

Nicht selten treten schwerwiegendere Probleme mit dem ADHD überhaupt erst im jüngeren Erwachsenenalter auf. Das betrifft vor allem hochintelligente ADHD-Patienten. Diese leiden zwar bereits als Kinder unter der Erkrankung und sind damit auch durchaus auffällig, können jedoch dank ihrer intellektuellen Kapazität ihre Defizite innerhalb des reglementierten Schulalltags noch einigermaßen kompensieren. An der Universität und im Beruf gerät diese Kompensation an ihre Grenzen. Die Folgen sind abgebrochene Ausbildungen, desolate Erwerbsbiographien und nicht selten psychiatrische Komorbiditäten, wobei Substanzprobleme die wichtigste Rolle spielen. Auch die Delinquenz ist bei Erwachsenen mit ADHD überdurchschnittlich hoch. Studiendaten zeigen, dass mehr als 10% der erwachsenen ADHD-Patienten einen Gefängnisaufenthalt hinter sich haben (4). Angesichts der hohen Prävalenz, lebenslangen Beeinträchtigungen und erheblichen Auswirkungen auf Ausbildung und berufliche wie private Perspektiven könnte ADHS sogar die teuerste psychiatrische Erkrankung überhaupt sein. Bei Erwachsenen ist ADHD massiv unterdiagnostiziert. Dr. Esther Sobanski vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim spricht von einer tatsächlichen Prävalenz von rund 4%, der jedoch eine Diagnose-Prävalenz von lediglich einem halben Prozent gegenübersteht.

Um den vollständigen Inhalt zu sehen, müssen Sie sich einloggen oder sich auf medONLINE.at registrieren.

Jetzt einloggen

Passwort vergessen

Jetzt kostenlos registrieren

Mit einer Anmeldung bei medONLINE.at haben Sie Zugriff auf: DFP-Kurse, Arzneimittelinfos, Produktfortbildungen und mehr.

Loggen Sie sich ein oder registrieren Sie Ihren kostenlosen medONLINE.at Account.