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IgG1-Antikörper gegen Kryoglobulinämie

Die Gammaglobulin-Antikörper IgG1 könnten einen neuen Therapieansatz bei der Gefäßentzündung Kryoglobulinämie darstellen.

Im Fachjournal “Nature” wurde eine Studie von deutschen und US-amerikanischen Forschern publiziert, der zufolge die Applikation von Antigen-spezifischem, humanem IgG4 womöglich eine IgG3-vermittelte Kryoglobulinämie verhindern kann.

Prof. Jörg Köhl entdeckte mit Prof. Fred Finkelman  und Prof. Marc Ehlers eine neue entzündungshemmende Wirkung von IgG1-Antikörpern.

Prof. Jörg Köhl entdeckte mit Prof. Fred Finkelman und Prof. Marc Ehlers
eine neue entzündungshemmende Wirkung von IgG1-Antikörpern.

Die Immunglobuline der Klasse G richten sich vor allem gegen Viren und Bakterien. IgG-Antikörper schützen u.a. durch die Aktivierung des Komplement-Systems und IgG Fc-Rezeptoren (FcγR) auf Immunzellen gegen Pathogene, was zu einer kontrollierten Entzündungsreaktion führt. In der Maus liegen verschiedene IgG-Subklassen vor, die in unterschiedlichem Maße Komplement oder FcγR aktivieren. Das Äquivalent zu humanem IgG4, die murine IgG1-Subklasse, führt nicht zur Aktivierung von Komplement, IgG3 ist hingegen ein starker Aktivator des Komplement-Systems.

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Die Wissenschaftler zeigen, dass IgG1-defiziente Mäuse nach Antigen-Stimulation überraschenderweise sehr schnell ein Nierenversagen entwickeln. Die Erkrankung ist unabhängig voneiner Komplement- oder FcγR-Aktivierung, das Nierenversagen wird durch Antigen-spezifische IgG3-Antikörper hervorgerufen, die als Immunkomplexe mit ihrem Antigen in den Nierenkapillaren aggregieren. In Wildtyp-Mäusen verhindert die Bildung von Antigen-spezifischem IgG1 diese IgG3-Präzipitation in der Niere.

Auch exogen appliziertes, Antigen-spezifisches IgG1 kann das IgG3-vermittelte Nierenversagen verhindern, wobei das IgG1 dabei mit dem IgG3 um die Antigen-Bindung konkurriert und sehr wahrscheinlich die Löslichkeit der Immunkomplexe erhöht .

Beim Menschen tritt die Kryoglobulinämie durch IgG3 Immunkomplexe häufig bei Patienten mit  chronischer Hepatitis C auf. Diese Arbeit legt nahe, dass die Applikation von Antigen-spezifischem, humanem IgG4, als Äquivalent zu murinem IgG1, geeignet sein könnte, um die IgG3-vermittelte Kryoglobulinämie zu verhindern.

Richard T. Strait, Monica T. Posgai, Ashley Mahler, Nathaniel Barasa, Chaim O. Jacob, Jörg Köhl, Marc Ehlers, Keith Stringer, Shiva Kumar Shanmukappa, David Witte, Md Monir Hossain, Marat Khodoun, Andrew B. Herr, Fred D. Finkelman
IgG1 protects against renal disease in a mouse model of cryoglobulinaemia
Nature 2014; published online: 02 November 2014; doi:10.1038/nature13868

Quelle: Universität Lübeck

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