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GÖG: Strategie für bessere Arzt-Patient-Kommunikation

WIEN – Er wolle eine kleine Revolution ankündigen, so eröffnete Dr. Peter Nowak seinen Vortrag am Österreichischen Forum für Gesundheitsmarketing in Wien. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurde vom Gesundheitsministerium beauftragt, Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Kommunikationskompetenz in den Gesundheitsberufen zu erarbeiten. Partizipativ soll eine nationale Strategie dazu erarbeitet werden.

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Das Gesundheitsministerium will eine Strategie zur Weiterentwicklung der Kommunikationskompetenz der Gesundheitsberufe entwickeln.

Schon vor 30 Jahren habe er erste Untersuchungen zum Arzt-Patienten- Gespräch gemacht und sich seither immer wieder mit der Thematik auseinandergesetzt, erklärte Dr. Peter Nowak, Leiter der Abteilung für Gesundheit und Gesellschaft der Gesundheit Österreich GmbH. In all den Jahren habe sich die Kommunikation allerdings nicht viel verändert, es gebe sogar Hinweise, dass sie sich verschlechtere. Dabei würden laut einer Untersuchung von Stahl/Nadj-Kittler 2013 mit über 111.000 Krankenhauspatienten 61Prozent der Gesamtzufriedenheit der Patienten durch die Gesprächsqualität mit Arzt und Pflege bestimmt.

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Dr. Peter Nowak

Starke Hinweise auf Defizite in der Kommunikation lieferte das schlechte Abschneiden Österreichs in der Health Literacy Study 2012. Demnach kann ein Drittel der österreichischen Patienten aufgrund der vom Arzt erhaltenen Informationen nur schwer Entscheidungen bezüglich der eigenen Krankheit treffen. Ein Fünftel der Patienten hat große Schwierigkeiten, den Arzt zu verstehen. Conclusio von Dr. Nowak: „Wir haben ein Problem.“ Eines der priorisierten Rahmengesundheitsziele ist es daher nun, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu erhöhen. Daraus leitet sich jetzt auch der Arbeitsauftrag des Bundes an die GÖG ab, die unter diesem Ziel beschlossene Maßnahme „Weiterentwicklung der Kommunikationskompetenz der Gesundheitsberufe“ zu entwickeln. Bis Ende 2014 wird die GÖG einen Literaturbericht über die Einflussfaktoren der Kommunikation und eine grobe Status-quo-Analyse der Situation in Österreich erstellen sowie einen Vorschlag für das weitere Vorgehen liefern.

2015 soll dann ein formales Steuerungsgremium gebildet werden, das in einem partizipativen Prozess eine nationale Strategie zur Kommunikation im Gesundheitswesen erstellen soll. Dr. Nowak ist aber klar, dass es sich dabei um ein komplexes, weitreichendes Unterfangen handelt: Wie auch immer diese Strategie dann letztlich aussehen werde, die Umsetzung würde mit Sicherheit viel Zeit in Anspruch nehmen. Es stellt sich die spannende Frage, wie der Experte an das Thema Qualitätsverbesserung in der Kommunikation zwischen Gesundheitsberufen und Patienten herangeht. Für Dr. Nowak stellt das Gespräch zwischen Ärzten und Patienten den zentralen Ort im Gesundheitssystem dar. Professionelle Versorgung sei im Kern eine kommunikative Aufgabe. Das erfordere aber auch ein neues Rollenverständnis der Profis im Gesundheitssystem als „Unterstützer“ und der Patienten als „selbstbestimmte Produzenten von Gesundheit“.

Komplexes Umfeld von Kommunikation

Gespräche im Gesundheitswesen finden in einem komplexen gesellschaftlichen Umfeld statt, das sich auf einer Makro-, Meso- und Mikroebene beschreiben lasse, erklärt Dr. Nowak. Auf der Makroebene wirke nicht nur das Gesundheitssystem an sich, sondern auch das Wirtschafts-, Wissenschafts-, Ausbildungs-, Politik-, Medien- und Rechtssystem. Auf der Mesoebene – also etwa in Universitäten oder Krankenhäusern – orientierten sich deren Kernmitarbeiter (also v.a. Ärzte) weniger an den Vorgaben der Führung als vielmehr an der kollegialen Selbstkontrolle und dem Diskurs ihrer Fachgesellschaften.

Auf der Mikroebene der Arzt-Patienten-Kommunikation sei nicht nur das aktuelle Gespräch wirksam, sondern auch frühere und zukünftige Kontakte. Einfluss nehmen auch Familie und Bekannte des Patienten sowie Selbsthilfegruppen, in denen sich der Patient informiert. Nicht zu unterschätzen seien der Einfluss der Medien und des Internets. Eine wichtige Rolle spielt auch das zeitliche und räumliche Setting der Kommunikation. Alle drei Ebenen müssen beim Wunsch nach einer Qualitätssteigerung in der Interaktion mit den Patienten berücksichtigt werden. Die Frage der Steuerung einer solchen Qualitätsentwicklung beantwortet Dr. Nowak mit einem von Kauffmann 1991 entwickelten Steuerungszyklus aus „Guidance“ (Orientierung für die einzelnen Akteure in Form von z.B. Standards, Zielen, Strategien, Leitlinien) sowie „Control“ (Befähigung und Motivation der Akteure, z.B. Information, Anleitung, Anordnung, Anreize) und „Feedback“, um das Vorgehen anzupassen (etwa Berichtssyteme, Benchmarking, Beschwerdesysteme).

Auf der Makroebene der Gesundheitspolitik umfasst dies etwa Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen (Berufsrecht, Ausbildung), die Schaffung von Anreizsystemen (Honorierung von Gesprächen!), Patienteninformationssysteme, -schulungen und -beratungen sowie das Sichtbarmachen von Ergebnissen etwa über transparente Berichterstattung. Also – wie schon zu Beginn erwähnt – eine kleine Revolution im Gesundheitswesen, die sicher nicht schnell geht.

Mag. Silvia Jirsa