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Glykämischen Index getrost ignorieren

Eine aktuelle klinische Studie zeigt keine positiven Auswirkungen einer angeblich “Herz-gesunden” Ernährung auf Herzerkrankungen und das Diabetes-Risiko. Es dürfte egal sein, ob Menschen Lebensmittel mit einem niedrigen oder hohen glykämischen Index zu sich nehmen. Andere Studien fanden zudem keine starke Evidenz, dass diese Ernährungsform zu einer Gewichtsreduktion beiträgt.

Foto: Barbara Krobath

Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie wenig
Süßem toppt hinsichtlich Diabetes und Herzgesundheit die GLYX-Diät.

Der glykämische Index ist ein Maß für die Schnelligkeit, mit der kohlehydrathältige Lebensmittel den Blutzuckerspiegel erhöhen. Menschen, die bei der Auswahl ihrer Lebensmittel auf einen niedrigen glykämischen Index (GLYX) achten, bewirken damit keine Senkung des Blutdrucks oder des LDL-Cholesterins. Auch die Insulinantwort kann durch diese Ernährungsform nicht optimiert werden. Das ergab eine Studie, die am 17. Dezember im Journal of the American Medical Association publiziert wurde.

Für die Erhebung mussten sich 163 Probanden ab einem Alter von 30 Jahren, die einen BMI über 25 und einen systolischen Blutdruck von 120-159 mm Hg aufwiesen, randomisiert an eine von vier sorgfältig geplanten Diäten halten, die kohlehydratreich oder -arm war und einen hohen oder niedrigen glykämischen Index aufwies.

  • Die erste Diätform hatte einen hohen glykämischen Index (65 % auf der Glukoseskala) und war kohlehydratreich (58 % Energie).
  • Die zweite Diätform hatte einen niedrigen glykämischen Index (40 % auf der Glukoseskala) und war kohlehydratreich.
  • Die dritte Diätform hatte einen hohen glykämischen Index und war kohlehydratarm (40 % Energie).
  • Die vierte Diätform hatte einen niedrigen glykämischen Index und war kohlehydratarm.

Jede Diät basierte auf der gesunden “DASH-Typ”-Diät und hatte die gleiche Kalorienanzahl. Eine der täglichen Mahlzeiten wurde jeweils in einem Forschungszentrum verzehrt, zwei weitere Mahlzeiten wurden den Probanden mit nach Hause mitgegeben.

Nach fünf Wochen wechselten die Probanden auf eine andere Diätform. Zu Beginn und Ende der jeweiligen Diät wurden der Blutdruck, der HDL- bzw. LDL-Cholesterinspiegel, Triglyceride und die Insulinempfindlichkeit erhoben. Dabei traten kaum Unterschiede zwischen den Gruppen mit niedrigem und hohem glykämischem Index zutage.

Die überraschten Forscher vom Welch Center for Prevention, Epidemiology and Clinical Research an der Johns Hopkins Medicine fanden bezüglich der wichtigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen keine klaren Vorteile der Diät mit niedrigem glykämischem Index. Es gab auch keine Hinweise auf einen Nutzen für die Diabetes-Prävention.

Die Wissenschaftler nahmen auch andere Studien zum Thema unter die Lupe. Die Arbeiten, die auf eine Ernährung mit Lebensmitteln mit niedrigem glykämischem Index hinsichtlich einer Gewichtsreduktion fokussierten, zeigten inkonsistente Ergebnisse. “Im Blick auf die Ursachen von Übergewicht und die Möglichkeiten, diese zu bekämpfen, scheint ein enger Fokus auf den glykämischen Index nicht gerechtfertigt zu sein”, erklärte der Co-Autor der Studie, Professor Lawrence J. Appel.

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GLYX-Diät schwierig einzuhalten

Etliche Diäten empfehlen Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index, der jedoch nur mittels Labortests bestimmt werden kann. Dabei können auch unerwartete Ergebnisse autreten. So haben etwa Äpfel einen iedrigen, Melonen hingegen einen hohen glykämischen Index.

Frank M. Sacks, Vincent J. Carey, Cheryl A. M. Anderson, Edgar R. Miller III, Trisha Copeland, Jeanne Charleston, Benjamin J. Harshfield, Nancy Laranjo, Phyllis McCarron, Janis Swain, Karen White, Karen Yee, Lawrence J. Appel
Effects of High vs Low Glycemic Index of Dietary Carbohydrate on Cardiovascular Disease Risk Factors and Insulin Sensitivity
The OmniCarb Randomized Clinical Trial
JAMA 2014;312(23):2531-2541, doi:10.1001/jama.2014.16658

Quelle: Johns Hopkins Medicine

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