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Geschlechtsunterschiede bei Hämodialyse

NiereDie Dialysis Outcomes and Practice Patterns Study (DOPPS), an der auch Wiener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt sind, ergab, dass Frauen seltener eine Dialyse erhalten als Männer.

Die Arbor Research Collaborative for Health und die European Renal Association-European Dialysis and Transplant Association (ERA-EDTA) haben eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Im Rahmen des EURODOPPS-Joint Venture werden die Dialyse Outcomes and Practice Patterns Study (DOPPS)  und die ERA-EDTA Registry zusammengeführt, um gemeinsam epidemiologische Daten über Dialysepatienten zu sammeln und auszuwerten.

Dialysis Outcomes and Practice Patterns Study (DOPPS)

EURODOPPS: A Collaborative Partnership of Arbor Research and ERA-EDTABei DOPPS handelt es sich um eine prospektive Kohortenstudie, die Hämodialyse-Praktiken auf Grundlage der Sammlung von Beobachtungslängsschnittdaten für eine Stichprobe von Patienten in Dialyseeinrichtungen in einer repräsentativen Zufallsstichprobe in mehreren Ländern (Österreich nimmt nicht an der DOPPS-Studie teil) sammelt. Anhand der Proben von Patienten wird in jedem geographischen Gebiet ein zuverlässiges Bild von Praktiken und Ergebnissen entworfen. Die Studie analysiert Unterschiede bezüglich der Behandlungsergebnisse hinsichtlich Mortalität und Morbidität sortiert nach Ländern und Dialysestationen.

Wiener Dialyse-Forschung

Aus einer Studie von Manfred Hecking von der Klinik für Innere Medizin III im Wiener AKH geht hervor, dass Frauen mit chronischem Nierenversagen unter den Dialysepatienten geringer vertreten sind als Männer.

Die Wissenschafter, unter ihnen auch die Wiener Gender-Medizin-Spezialistin Alexandra Kautzky-Willer, analysierten mit amerikanischen Forschern Daten von rund 206.000 Dialysepatienten aus zwölf Staaten (Australien, Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Neuseeland, Spanien, Schweden, Großbritannien und USA), die in Ann Arbor/Michigan (USA) im Rahmen der “Dialysis Outcomes and Practice Patterns Studie” (DOPPS) seit mehr als 15 Jahren zusammengetragen werden. Von rund 36.000 Dialyse-Patienten gab es komplette Datensätze bezüglich ihrer Krankheitsgeschichte.

In der Oktober-Ausgabe der Fachzeitschrift “PLOS Medicine” schreiben die Studienautoren, dass die Überlebensraten bei Männern und Frauen etwa gleich sind. In allen Altersgruppen waren 59 Prozent der hämodialysierten Patienten Männer und nur 41 Prozent Frauen. Die Ergebnisse divergierten zwischen den einzelnen Ländern sehr stark. Männer erhalten auch eher Nierentransplantationen .

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Während Männer in der Allgemeinbevölkerung im Alter unter 75 Jahren ein im Vergleich zu Frauen erhöhtes Mortalitätsrisiko hatten (der Quotient der Mortalitätsrate von Männern gegenüber Frauen betrug 1,5 bis 2,6, je nach Staatsangehörigkeit), glich sich das bei den Dialysepatienten fast ganz aus (der Quotient der Mortalitätsrate von Männern gegenüber Frauen betrug in den meisten Altersgruppen und Staaten nur wenig mehr als 1). Das bedeutet, dass Patientinnen mit chronischem Nierenversagen ihren Überlebensvorteil gegenüber Männern einbüßen.

Woher kommt das Geschlechter-Ungleichgewicht bei den Dialysepatienten?

Weshalb Frauen seltener hämodialysiert werden, kann einerseits an der sozioökonomische Schlechterstellung von Frauen in manchen Gesellschaften liegen. Andererseits wird der Zugang zu Dialyse auch durch Rückzahlungs-Regelungen in den einzelnen Gesundheitssystemen beeinflusst.

Laut Anfrage der Studien-Co-Autoren Gere Sunder-Plassmann und Marcus Säemann beim österreichischen Dialyseregister werden aber “auch bei uns weniger Frauen dialysiert als im internationalen Durchschnitt”: Von allen Patienten, welche in Österreich im Jahr 2012 mit einer Dialysetherapie begonnen haben, waren nur 32 Prozent Frauen.

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Manfred Hecking, Brian A. Bieber, Jean Ethier, Alexandra Kautzky-Willer, Gere Sunder-Plassmann, Marcus D. Säemann, Sylvia P. B. Ramirez, Brenda W. Gillespie, Ronald L. Pisoni, Bruce M. Robinson, Friedrich K. Port
Sex-Specific Differences in Hemodialysis Prevalence and Practices and the Male-to-Female Mortality Rate
PLOS Medicine, Published: October 28, 2014, DOI: 10.1371/journal.pmed.1001750

Quelle: DOPPS, APA