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Das Zittern ums Forschungsgeld

WIEN – Viel moralische Unterstützung erhalten derzeit die Forschungsinstitutionen und Universitäten in Österreich. Wie viel finanzielle Unterstützung sie letztlich vom Finanzminister erhalten werden, bleibt bis zur Budgetrede Ende April offen.

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Das Ausmaß der Finanzierung der Forschung durch die öffentliche Hand hat unmittelbaren Einfluss darauf, ob die Karrierewege der Forscher ins Ausland führen.

Über 51.000 Unterschriften für die Petition auf www.wissenschaft-ist-zukunft.at sind ein schönes Statement der Zivilgesellschaft und der Forschungscommunity. Kurz nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurden sie – ging alles nach Plan – an die Bundesregierung weitergeleitet. Die Petition soll v.a. Wissenschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner unterstützen, bei Finanzminister Dr. Michael Spindelegger möglichst viel Geld für die notorisch unterfinanzierten Universitäten und Forschungsinstitutionen herauszuschlagen. Ein bisschen aufatmen dürfen seit Kurzem der Wissenschaftsfonds FWF und die Österreichische Akademie der Wissenschaften.

Im Budgetvoranschlag waren ihre Budgets noch katastrophal abgestürzt. Bei der Bilanzpressekonferenz des FWF Anfang April fürchtete dessen Präsidium, noch heuer einen Bewilligungsstopp für neue Projekte aussprechen zu müssen. Das dürfte nun abgewendet sein, bekannten sich doch sowohl Wissenschafts- als auch Finanzminister dazu, dass die Forschungsinstitutionen kein „Notund Sparprogramm“ fahren werden müssen. Man werde das „Pflichtprogramm erfüllen“, betonte BM Mitterlehner. Es bestünde keine Gefahr, dass Projekte abgebrochen und Mitarbeiter gekündigt werden müssten.

Im Forschungsbereich werde es Mittel etwa in der von ihm geforderten „Bandbreite“ geben. Beim FWF gehe es auch nicht um enorme zusätzliche Mittel, sondern um Strukturen und Kontinuität, er soll künftig aus dem regulären Budget und nicht zum Teil aus Rücklagen des Wissenschaftsministeriums finanziert werden. Genaue Summen wurden allerdings bislang nicht genannt.

Harte Konkurrenz um FWF-Förderung

Der FWF bilanzierte 2013 als das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte, wobei dieser Erfolg auch bittere Aspekte hat. 2013 wurde über 2386 Anträge für Forschungsprojekte mit einem Antragsvolumen von 777,5 Mio. Euro entschieden. Davon wurden 632 Projekte nach einem internationalen Peer-Review- Verfahren neu bewilligt. Erstmals wurde damit ein Gesamtbewilligungsvolumen von über 200 Mio. Euro erreicht. Der Wermutstropfen dabei: Die Bewilligungsquote sank auf 23,6 Prozent weiter ab. Lag sie zu den besten Zeiten bei über 40 Prozent, kommt heute nur mehr eines von vier Projekten durch.

Für FWF-Präsidentin Univ.- Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund ist damit die „Schmerzgrenze fast erreicht“. Die Entscheidung für oder gegen ein von den Gutachtern zur Bewilligung empfohlenes Projekt falle dem letztendscheidenden Gremium im FWF immer schwerer. Es drohe mittlerweile „Beliebigkeit“ aufgrund der eingeschränkten finanziellen Mittel. Allein für den START-Preis standen 80 Bewerber nur acht zu vergebende Förderungen gegenüber. Die Gefahr, junge, begabte Forscher zu frustrieren und damit zu verlieren, ist groß. Es gebe in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern kaum Alternativen für die Förderung der Grundlagenwissenschaft zum FWF. Daher bliebe vielen Jungen nur mehr die Alternative, ins Ausland abzuwandern. Derzeit werden fast 4000 v.a. junge Wissenschafter (43 Prozent davon Frauen) vom FWF gezahlt.

Klinische Forschung

Um Fördermittel des FWF bewerben sich auch klinische Forscher. Die Förderschiene KLIF lief zunächst über Ausschreibungen, seit 1. Jänner 2014 erfolgt die Vergabe laufend. Allerdings konnte bisher nur rund ein Zehntel der Anträge bewilligt werden. Die Bedeutung des FWF für die klinische Forschung unterstrichen daher auch Vertreter der Med-Uni Innsbruck in einer Aussendung. Univ.-Prof. Dr. Christine Bandtlow, Vizerektorin für Forschung, Univ.-Prof. Mag Dr. Peter Loidl, Vizerektor für Lehre, und ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Tiefenthaler, Betriebsratsvorsitzender wissenschaftliches Personal der Medizinischen Universität Innsbruck, forderten eine verbindliche Zusage zu Forschungsförderung für Grundlagenforschung und klinische Forschung.

An den Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck würden Pharmaund Industrieunternehmen nur 20 bis 30 Prozent der Studien finanzieren, die in den Ethikkommissionen eingereicht werden. Es gehe darum, hochqualifizierte Absolventen in Österreichzu halten.

Uniko erzürnt

Während die Forschungsinstitutionen der Budgetrede einigermaßen entspannt entgegensehen, ist die Universitätenkonferenz Uniko erzürnt. Sie fordert Finanzminister Spindelegger auf, „das Universitätsgesetz einzuhalten“ und bis spätestens Ende 2014 den Universitäten ihr Gesamtbudget für die Leistungsvereinbarungsperiode 2016 bis 2018 bekannt zu geben. Der Finanzminister wollte den Rektoren zuvor kein Budget nennen und erst zu verhandeln beginnen. Die Universitäten berechneten den Mehrbedarf ab 2016 mit mindestens 1,6 Mrd. Euro.

Mag. Silvia Jirsa