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Chemische Kastration kann kardialen Herztod hervorrufen

Die Androgenentzugtherapie (Androgen Deprivation-Therapy, ADT) mit GnRH-Agonisten kann bei kardial vorgeschädigten Patienten zu einer erhöhten Mortalitätsrate führen. Kürzlich im BJU International veröffentlichten Studienresultate können Ärzten helfen, die Vorteile und Risiken der chemischen Kastration bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom abzuwägen.

Im Fachmagazin “BJU International” publizierten US-amerikanische Forscher am 29. Oktober eine Arbeit, der zufolge eine Androgenentzugtherapie, die im späteren Krankheitsstadium bei Männern mit Prostatakrebs eingesetzt wird, bei Männern mit Herzinsuffizienz oder vorhergehenden Myokardinfarkten mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert ist.

Foto: BilderBox.com

Androgenentzugtherapie sollte sorgfältig abgewogen werden.

Die Androgenentzugtherapie (ADT), mit der die Stimulation von Krebszellen bei Patienten mit Prostatakrebs verhindert werden soll, wurde trotz ihrer Erfolge in der Krebstherapie schon länger mit kardialen Problemen in Verbindung gebracht, darunter einem erhöhten Risiko für Diabetes, koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt und plötzlichem Herztod.

Um dieses Potenzial zu erforschen, analysierte Paul Nguyen vom Dana-Farber/Brigham and Women’s Cancer Center in Boston mit David Ziehr von der Harvard Medical School und dessen Kollegen Daten von 5.077 Männern mit Prostatakrebs, die zwischen den Jahren 1997 und 2006 behandelt worden waren. Von diesen Patienten hatten dreißig Prozent eine ADT erhalten.

Nach einem medianen Follow-up von 4,8 Jahren wurde bei Männern ohne kardiale Risikofaktoren keine Assoziation zwischen ADT und kardialen Todesfällen erkannt (1,08 Prozent auf fünf Jahre für ADT gegenüber 1,27 Prozent auf fünf Jahre ohne ADT). Bei Prostatakarzinom-Patienten mit Diabetes, Hypertonie oder hohem Cholesterinspiegel betrug die Rate 2,09 Prozent gegenüber 1,97 Prozent.

Allerdings war ADT bei Männern mit Herzinsuffizienz oder vorhergehenden Herzinfarkten mit einem 3,3-fach erhöhten Risiko für kardiale Todesfälle verbunden. In dieser Subgruppe waren 7,01 Prozent der mit ADT therapierten Männer innerhalb der ersten fünf Jahre an einem kardialen Ereignis verstorben. Die Mortalitätsrate bei jenen, die nicht mit ADT behandelt worden waren, lag nur bei 2,01 Prozent. Dies deutet den Wissenschaftlern zufolge darauf hin, dass die Verabreichung der ADT-Therapie bei 20 Männern in dieser potenziell anfälligen Untergruppe zu einem kardialen Herztod führte.

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Nguyen erklärte in einer Aussendung von Wiley, dass die Androgenentzugtherapie einerseits eine lebensrettende Maßnahme für Männer mit Prostatakrebs darstelle, welche die Heilungsraten deutlich steigere, wenn sie mit einer Strahlentherapie kombiniert werde. Andererseits dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass bei der kleinen Subgruppe von Männern unter der ADT-Therapie mit signifikanten kardialen Erkrankungen eine erhöhte kardiale Mortalität aufgetreten sei.

Da es sich um eine retrospektive Studie handelt, müssten die Ergebnisse Nguyen zufolge noch sorgfältig im Rahmen größerer, kontrollierter Studien mit dem Nutzen der ADT-Therapie abgewogen werden.

Der Bostoner Forscher rät, bei Männern mit signifikanten Herzproblemen eine ADT zu vermeiden, wenn diese nicht unbedingt erforderlich sei – so etwa bei Patienten mit einem niedrigem Krankheitsrisiko oder solchen, bei denen eine ADT nur eingesetzt werden soll, um die Prostata vor einer Bestrahlung schrumpfen zu lassen. Bei Patienten mit einem hohem Krankeheitsrisiko, bei denen die Prostatakrebs-Vorteile der ADT wahrscheinlich höher sind als mögliche kardiale Beeinträchtigungen, ist eine ADT-Therapie anzuraten – auch im Falle von Herzproblemen. Diese Patienten sollten jedenfalls engmaschig von Kardiologen beobachtet werden.

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David R. Ziehr, Ming-Hui Chen, Danjie Zhang, Michelle H. Braccioforte, Brian J. Moran, Brandon A. Mahal, Andrew S. Hyatt, Shehzad S. Basaria, Clair J. Beard, Joshua A. Beckman, Toni K. Choueiri, Anthony V. D’Amico, Karen E. Hoffman, Jim C. Hu, Neil E. Martin, Christopher J. Sweeney, Quoc-Dien Trinh, Paul L. Nguyen
Association of androgen-deprivation therapy with excess cardiac-specific mortality in men with prostate cancer
BJU International, Article first published online: 29 OCT 2014, DOI: 10.1111/bju.12905

Quelle: BJU International