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Chefarztpflicht abschaffen oder doch nicht?

Nachdem die ÖVP bereits im Jahr 2003 die Beseitigung der Chefarzt-Pflicht gefordert hatte und auch die Pharmig schon vor neun Jahren argumentiert hatte, dass die Gehälter für die Chefärzte die Einsparungen, welche diese erbringen würden, bei weitem übersteigen dürften, sprang nun die Wiener Ärztekammer erneut auf die immer wieder vorgebrachte Forderung auf: Die Chefarztpflicht müsse endlich abgeschafft werden. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger sieht dies naturgemäß anders und spricht sich nach wie vor für eine Beibehaltung der Chefarztpflicht aus.

Credit: Ärztekammer für Wien/Stefan Seelig

Präsentation der Umfrage: Image der Hausärzte in der österreichischen Gesellschaft”

Die Ärztekammer für Wien präsentierte am 20. Oktober die bei Spectra beauftragte und von ecoquest ausgewertete Meinungsumfrage “Image der Hausärzte in der österreichischen Gesellschaft”, an der 1.000 Personen teilgenommen hatten. Bei der Präsentation der Umfrageergebnisse machte die Kammer auch auf die Ansprüche und Forderungen der Ärztekammer an die Gesundheitspolitik aufmerksam, die sich aus den Umfrageergebnissen ergeben würden. Die Ergebnisse sprechen nämlich sehr für die Auftraggeberin, die Ärztekammer.

Hausärzte genießen hohes Ansehen

Der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, betonte bei der Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Wiener Ärztekammer, dass nach Meinung der Befragten durch mehr niedergelassene Ärzte mit Kassenverträgen vor allem erreicht werden könne, dass der Arzt mehr Zeit für die Patienten aufwende und insgesamt eine bessere medizinische Versorgung zustande kommen könne.

Die medizinische Versorgung durch Hausärzte in ihrem Wohngebiet empfinden 42 Prozent der Befragten als vollkommen ausreichend, 38 Prozent als eher ausreichend, 14 Prozent finden die lokale hausärztliche Versorgung eher nicht und 5 Prozent gar nicht ausreichend.

Peter Ulram von ecoquest Market Research & Consulting erläutert die Ergebnisse folgendermaßen: “Hinter diesem Durchschnittswert verbergen sich teilweise gravierende Abweichungen. Während im großstädtischen Bereich, speziell in Wien, nur 14 Prozent eine nicht ausreichende Versorgung feststellen, gilt dies für ein Viertel der Befragten, die in einem Ort mit weniger als 5.000 Einwohnern leben.

Bundesländerspezifisch wird in überdurchschnittlichem Ausmaß auf eine unzureichende Versorgung in Kärnten, Niederösterreich (und ansatzweise Salzburg) verwiesen.”

Bedürfnis nach Gesprächszeit

Für 82 Prozent der Befragten ist es sehr wichtig, dass sich der Hausarzt für das Gespräch Zeit nehme, 16 Prozent finden dies eher wichtig. 64 Prozent finden es sehr wichtig, dass der Hausarzt mehr auf die persönliche Situation seiner eingeht und weniger Wet auf Routineuntersuchungen legt.

99 Prozent der Befragten hält den Hausarzt für einen sehr wichtigen Bestandteil der österreichischen Gesundheitsversorgung, was die Ärztekammer nun in der Öffentlichkeit breittritt, schließlich lässt sich mit diesem Umfrageergebnis auf die Wichtigkeit der Institution Hausarzt pochen.

Die große Mehrheit meint, so die Umfrage, dass der Hausarzt könne sehr gut entscheiden könne, zu welchem Facharzt er die Patienten überweisen solle. Damit der Arztberuf für junge Menschen aufgrund der unbefriedigenden Rahmenbedingungen nicht weiterhin an Attraktivität verlieren, müsse laut Steinhart eine Trendwende geschaffen werden. Diese könne man auch durch die konsequente Entbürokratisierung der Arztpraxen erreichen.

Das gelte nicht nur, aber auch, für die Chefarztpflicht, die Steinhart bürokratisch und zeitlich aufwändig findet. Die Chefarztpflicht behindere Patienten und Ärzte gleichermaßen, sei willkürlich und ein nicht zeitgemäßer Hoheitsakt der Kassenbürokratie. So etwas gehöre abgeschafft, und das möglichst schnell, lautet Steinharts Forderung.

Zudem sei ein Ausbau der Vielfalt von Organisationsmodellen und Versorgungsformen nötig, erklärte Steinhart. Dies könne durch Vernetzung und Verbesserung von Zusammenarbeitsformen, von der Stärkung und Weiterentwicklung von Einzelordinationen in Netzwerken bis hin zu zeitgemäßen Kooperationsformen realisiert werden.

Dass 96 Prozent der Befragten sich wünschen, dass ihr Hausarzt “immer die richtige Diagnose stellen können sollte”, führe zu einer weiteren zentralen Forderung: Er müsse das auch tun dürfen. Doch in der realität seien etliche ärztliche Leistungen Gegenstand von Limitierungen und Degressionen, oder die Leistungen bezahlten die Krankenkassen grundsätzlich nicht bezahlt. Die Anpassung der Leistungskataloge an den Stand und die Erfordernisse der Medizin seien unbedingt notwendig, forderte Steinhart.

Österreichische Ärztekammer

Die Chefarztpflicht muss endlich abgeschafft werden, fordert die Ärztekammer.
Der Hauptverband plädiert jedoch nach wie vor für die Beibehaltung.

Hauptverband gegen Abschaffung der Chefarztpflicht

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wies die Forderung der Ärztekammer nach Abschaffung der Chefarztpflicht entschieden zurück. Argumentiert wird damit, dass durch die Chefarztpflicht ein effizienter und effizienten Einsatz der Beitragsgelder gewährleistet werde. 2,75 Prozent der abgegebenen Verordnungen seien im Vorjahr durch den Chefarzt bewilligungspflichtig gewesen.

Der Hauptverband betont auch, dass den Patienten durch die Chefarztpflicht in der Regel auch keine unmnötigen Wege entstehen würden, da die Einholung der Bewilligung über das elektronische ABS-System ohnehin durch die Vertragsärzte erfolge. Laut Hauptverbands-Statistik seien bisher rund 1,84 Millionen ABS-Anträge binnen 5,74 Minuten beantwortet worden.

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Der Hauptverband wiedersprach auch der Spectra-Umfrage mit den sehr positiven Werten für die Hausärzte und verwies auf eine GfK-Umfrage vom Mai dieses Jahres, welche ergeben hatte, dass die Hausärzte bei der Bevölkerung ein “massives medizinisches Imageproblem” hätten.

45 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass sie bei gesundheitlichen Problemen direkt den Facharzt aufsuchen und weitere sieben Prozent die Ambulanzen aufsuchen würden. In Wien würden sogar 54 Prozent gleich Fachärzte konsultieren.

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Quelle: Ärztekammer für Wien, APA