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Bipolare Störung: Gibt es Unterschiede jenseits der diagnostischen Kriterien?

SmileyOft wird die Bipolar-II-Störung nur als abgeschwächte Form der klassischen Bipolar-I-Störung gesehen. Aber ist dem wirklich so? Unterscheiden sich Patienten lediglich durch die Schwere der Manie?

Kategorische Klassifikationssysteme in der Psychiatrie sind in hohem Maße artifiziell, da die Trennlinien zwischen Normvariante und pathologischem Verhalten verschiedener Ausprägung unscharf sind und untersucherabhängig einer gewissen Subjektivität unterliegen. Bipolar-II-Störungen (BPII) sind auf einem affektiven Kontinuum angesiedelt, das von „Normalität“ bis hin zu schweren psychotischen Bipolar-I-Störungen (BPI) reicht, und die Abgrenzung zu beiden Seiten hin beruht allein auf Konsensus, aber nicht auf harten neurobiologischen Fakten. Entsprechend weisen epidemiologische Angaben über die Häufigkeit der Bipolar- II-Störung eine deutliche Varianz auf, dies ist neben Unterschieden in der Methodik der Erhebung vor allem der Berücksichtigung bzw. dem Ausschluss subsyndromaler Verläufe geschuldet. Konservative Schätzungen, basierend auf den DSM-IV-Kriterien, gehen von einer Lebenszeitprävalenz von 1,1 Prozent aus (Merikangas KR et al., Arch Gen Psychiatry 2007). Diese Rate erhöht sich jedoch drastisch auf über zehn Prozent, wenn man z.B. das Zeitkriterium von vier Tagen für die Hypomanie fallen lässt (Angst J et al., J Affect Disord 2003). Patienten, die unter einen solchermaßen erweiterten Bipolar-II-Begriff fallen, unterscheiden sich in Krankheitscharakteristika, Symptomatologie und Familienanamnese nicht von Bipolar-II-Patienten gemäß DSM IV, aber deutlich von Patienten mit unipolaren Depressionen – als die sie streng kategorial sonst bezeichnet werden würden (Akiskal HS, Benazzi F., J Affect Disord 2006).
Bipolar-II-Patienten stehen offenbar unipolar depressiven Patienten nicht sehr nahe, aber wie ähnlich sind sie Bipolar-I-Patienten? Wenn man Bipolar- II-Störungen allein als eine abgemilderte Form der Bipolar-I-Störung konzeptualisiert, würde die Vermutung nahe liegen, dass für viele untersuchbare Charakteristika, wie z.B. neuropsychologische Einbußen, Auswirkungen der Erkrankung etc., Bipolar- II-Patienten eine Mittelstellung zwischen gesunden Kontrollen und Bipolar-I-Patienten einnehmen. Dass dem jedoch nicht immer so ist, sondern der Umstand, dass Bipolar-IIPatienten in vielen Aspekten eine ähnliche, teils sogar schwerere Krankheitslast tragen, mag als Hinweis auf die herausragende Bedeutung depressiver Phasen, weniger der manischen Phasen, für den langfristigen Krankheitsverlauf zu sehen sein.

Tabelle

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