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Besseres Verständnis der Endometriose

Wissenschaftler der Universität Edinburgh entwickelten ein Maus-Modell der Endometriose, das Endometrioseherde ähnlich denen beim Menschen produziert. Das Modell spiegelt die humanenen Verhältnisse der Östrogen-abhängigen, entzündlichen Erkrankung. Die Erkenntnisse aus der Studie zeigen, dass Makrophagen bei dem verbreiteten Endometrium zur Entwicklung von Läsionen beitragen.

Makrophagen im verbreiteten Endometrium bei Mäusen können eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Läsionen spielen. Im American Journal of Pathology wurde nun eine Arbeit veröffentlicht, die ein Maus-Modell beschreibt, an Hand dessen die Entwicklung der Endometriose besser verstanden werden kann.

Endometrioseherde im Douglas-Raum und auf dem rechten Ligamentum sacrouterinum, Foto: wikimedia commons

Laut Dr. Erin Greaves von der University of Edinburgh ist eine von 10 Frauen im gebärfähigen Alter von Endometriose betroffen. Die Erkrankung ist so weit verbreitet wie Asthma oder Diabetes, aber es kann bis zu sieben Jahre dauern, bis eine Diagnose erstellt wird. Zudem gibt es einen klinischen Bedarf für eine bessere Therapien mit weniger Nebenwirkungen.

Greaves zufolge habe das Fehlen eines leicht verfügbaren, kostengünstigen und geeigneten Tiermodells Fortschritte im Bereich der Endometriosetherapie bislang behindert. Nichtmenschliche Primaten würden zwar ein physiologisch relevantes Modell bieten, deren Verwendung sei aber aufgrund ethischer Bedenken und aus Kostengründen beschränkt. Ratten und Maus-Modelle hätten den Vorteil geringer Kosten und geringer Größe, es gebe auch etliche Nachteile: Mausmodelle verlassen sich oft auf verbreitetes Endometrium-Gewebe auf der Oberfläche der Beckenorgane, da Nager nicht natürlich menstruieren. Somit ist die Sorge berechtigt, dass künstlich ins Becken eingebrachtes Gewebe nicht den natürlichen Bedingungen entspreche oder eine Immunantwort simulieren könne.

Das neu entwickelte Maus-Modell der Endometriose beruht auf der Transplantation von menstruellem Endometrium-Gewebe zwischen genetisch identischen Mäusen. Eine Spendermaus wird mittels Östrogen- und Progesterongaben zum Menstruieren gebracht. Das Gewebe, das sich aus dem Uterus verbreitet, wird nun entfernt und in eine Empfängermaus implantiert, wo das Gewebe wächst, anschließend entfernt und danach analysiert wird.

“Wir fanden, dass Läsionen von vielen Seiten im Bauchfell der Mäuse histologische Ähnlichkeiten mit menschlichen Läsionen hatten – einschließlich der Anwesenheit von Hämosiderin, Zytokeratin-positiven Epithelzellen, Vimentin-positiven Stromazellen und einem gut entwickelten Gefäßsystem. Die meisten Läsionen zeigten Anzeichen einer gut organisierten Stroma- und Drüsenstruktur”, erklärte Greaves. Sie bemerkte Ähnlichkeiten mit anderen Veränderungen der Expressionsmuster von Östrogenrezeptor α und β, was ebenfalls dem ähnelt, was im Rahmen von Patientenbiopsien gefunden wurde.

Die Forscher konnten nachweisen, dass die im verbreiteten Endometrium vorhande Makrophagen überleben und eine pro-inflammatorische Mikroumgebung schaffen, die zur Bildung von Endometrioseherden beiträgt. Sie hoffen, dass dieses Modell im Rahmen künftiger Studien angewandt wird und damit die Identifizierung und Untersuchung von neuen Targets für die Therapie möglich wird.

Erin Greaves, Fiona L. Cousins, Alison Murray, Arantza Esnal-Zufiurre, Amelie Fassbender, Andrew W. Horne, Philippa T. K. Saunders
A Novel Mouse Model of Endometriosis Mimics Human Phenotype and Reveals Insights into the Inflammatory Contribution of Shed Endometrium
The American Journal of Pathology, Volume 185/Issue 1, July 2014, Available online 5 June 2014

Quelle: American Journal of Pathology