Menü Logo medONLINE.at

Ungeliebter Notdienst

TerminkalenderIn mehreren Bundesländern wird aktuell der hausärztliche Bereitschaftsdienst neugestaltet bzw. notwendige Änderungen werden diskutiert. Ein Überblick.

Als eine gesundheitspolitische Priorität nannte Dr. Artur Wechselberger, MBA, MSc, Präsident der Österreichischen und der Tiroler Ärztekammer, bei einer Pressekonferenz Ende September in Wien neue Bereitschaftsdienstformen zur Entlastung der niedergelassenen Allgemeinmediziner und zur Verbesserung der Work-Life-Balance. Diese Bereitschaftsdienste in den Nachtstunden und an Wochenenden und Feiertagen sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt, wobei in gleich mehreren ganz aktuell eine Neuorganisierung erfolgt bzw. bessere Rahmenbedingungen gefordert werden.

Sprengelzusammenlegungen

Beispiel Oberösterreich: Hier wird der Hausärztliche Notdienst derzeit in vielen Teilen des Bundeslands neu gestaltet, so seit 1. Oktober im Mühlviertel. Wie in den meisten Bundesländern teilen sich die Hausärzte eines Gesundheitssprengels die Dienste auf und wechseln sich ab. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts. Es werden jedoch Sprengel zusammengelegt und vergrößert, so dass pro Arzt in Summe weniger Dienste anfallen. Den Ärzten soll so eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht werden. Die Neuorganisation ist jedoch auch wichtig, um die landärztliche Versorgung zu sichern. „Schon jetzt ist es schwierig, Nachfolger zu finden, wenn Landärzte in Pension gehen“, weiß Mag. Martin Keplinger, für den hausärztlichen Notdienst in der Landesärztekammer zuständig, um die Problematik. Ganz neu ist auch, dass es zusätzlich zum hausärztlichen Notdienst in einzelnen Sprengeln einen „Visitendienst“, organisiert vom Roten Kreuz, gibt. Dieser übergeordnete Fahrdienst fährt vom jeweiligen Standort aus Visiten in der Nacht und an Wochenenden und unterstützt somit die Ärzte im Bereitschaftsdienst.

Lukrativere Wochenenddienste

Während Allgemeinmediziner mit §2-Kassenvertrag in fast allen Bundesländern zur Teilnahme am Wochenend- und Feiertagsdienst verpflichtet sind, beruhen die Dienste Werktags nachts für die Ärzte in den meisten Bundesländern auf Freiwilligkeit (Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Steiermark, Wien). Nur in Niederösterreich wird die Bereitschaft werktags seit einigen Jahren überhaupt nicht mehr von der Ärztekammer wahrgenommen. „Durch die Abschaffung der Gemeindeärzte und die Weigerung des Landes, der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse für die sinnvolle Tätigkeit ein Honorar zur Verfügung zu stellen, wurde dieser Dienst eingestellt und wird seitdem von Notruf NÖ organisiert“, erklärt Kurienobmann und Vizepräsident Dr. Dietmar Baumgartner.
Beim Wochenendbereitschaftsdienst hingegen sei aufgrund der Verpflichtung immer ein Arzt im Dienst und der Dienstplan somit ohne Lücken. Für Diskussionsstoff sorgen jedoch regelmäßig die Rahmenbedingungen, so etwa, dass in kleinen Sprengeln in der Urlaubszeit Ärzte jedes oder jedes zweite Wochenende Bereitschaftsdienst leisten müssen; oder dass oftmals nahezu übergangslos am Montag darauf ein normaler Arbeitstag folgt. Auch fordert die Ärztekammer für Niederösterreich eine würdigere Honorierung. Baumgartner: „Gerade die Verpflichtung, die Wochenenddienste bei einem Honorar von 187 Euro brutto für 24 Stunden übernehmen zu müssen, macht den Beruf des Landarztes nicht attraktiver und führt – neben den gesetzlichen und bürokratischen Vorgaben – dazu, dass sich immer weniger Ärzte um eine Kassenplanstelle bewerben.“
Im Burgenland konnte schon bei den letzten Honorarverhandlungen die Grundpauschale für die Wochenenddienste deutlich erhöht werden, und es wird nicht wie vorher für das ganze Wochenende, sondern für jeden Tag des Wochenendes extra berechnet, sodass es jetzt administrativ deutlich leichter ist, die Wochenenddienste zu teilen. „Bessere Honorare sollen auch die Dienste für etwaige Vertreter lukrativer machen, und ich sehe, dass das auch angenommen wird“, zieht Kurienobmann und Vizepräsident der burgenländischen Ärztekammer Dr. Michael Schriefl eine erste Bilanz.

Tabelle

Telefonarzt werktags

In Kärnten gelang es Ende September – nach langen und heftigen Debatten um den ärztlichen Bereitschaftsdienst werktags –, einen neuen Vertrag zwischen Land, Gebietskrankenkasse, Rotem Kreuz und Ärztekammer (ÄK) auszuverhandeln, der ab 1. Jänner 2015 gilt. Die Bereitschaft an Wochenenden und Feiertagen bleibt davon unberührt. Die ÄK forderte eine Entlastung der Kollegen und attraktivere Rahmenbedingungen, damit ausreichend Ärzte teilnehmen und der Bereitschaftsdienst wie bisher gewährleistet werden kann. Auch die Zahl der Sprengel wurde reduziert. Die Dienstpauschalen konnten leicht erhöht werden (von 188 auf 195 Euro). Anrufe unter der Nummer 141 werden in Kärnten künftig außerhalb der Ordinationszeiten von einem Rotkreuz-Mitarbeiter entgegengenommen. Es wird einen diensthabenden Telefonarzt geben, an den medizinische Anfragen weitergeleitet werden und der in leichteren Fällen telefonisch hilft. „Dadurch muss der Bereitschaftsarzt nur mehr in dringlichen Fällen tätig werden“, weiß ÄK-Präsident Dr. Josef Huber um die Vorteile. Neu ist zudem, dass künftig auch angestellte Ärzte und Wahlärzte werktags Bereitschaftsdienste machen können; und dass zusätzlich der Freitagnachmittag in den Bereitschaftsdienst aufgenommen wurde.

Entlastung der Rettung

In Wien ist die Ärztekammer verpflichtet, für einen funktionierenden Bereitschaftsdienst zu sorgen, für die Ärzte jedoch ist er sowohl werktags als auch an den Wochenenden freiwillig. Der Wiener Ärztefunkdienst (ÄFD) hat sich seit Jahren als Versorgungseinrichtung bewährt. Bei einer aktuellen Pressekonferenz warnten Ärztevertreter allerdings, dass sich aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen immer weniger Ärzte für die Dienste melden. „Es gibt zwar laufend Bewerbungen von Kollegen“, gibt Kurienobmann und Vizepräsident MR Dr. Johannes Steinhart zu bedenken: „Rund 60 Prozent dieser beginnen, nachdem sie die genauen Rahmenbedingungen kennengelernt haben, aber erst gar nicht mit der Tätigkeit.“ Die Ärztekammer fordert eine Anhebung der Honorare auf 100 Euro pro Stunde. Anstatt über Telemedizin nachzudenken, schlagen die Standesvertreter vor, den bewährten ÄFD mit der Nummer 141 – in Zusammenarbeit mit dem Wiener Patientenservice – auch an Werktagen untertags zu öffnen und gemeinsam ein medizinisches Call-Center zu betreiben. Steinhart: „Dies würde die Rettung entlasten und die Patienten gezielt in den niedergelassenen Bereich lenken.“

Hausarzt-Notdienstzentren

Für die Stadt Salzburg gibt es seit April 2014 ein neu errichtetes „Hausarzt Notdienstzentrum“. „Dabei wurde das bestehende System gänzlich umgekrempelt, die Bereitschaftszeiten wurden geblockt und in diesen ist eine Ordinationsassistentin zur Stelle“, erklärt Kurienobmann und Vizepräsident der Ärztekammer für Salzburg Dr. Walter Arnberger. „Die Zahl der Dienste wurde reduziert, es gibt einen Pool von Nichtkassenärzten, die Dienste übernehmen, und die Dienste selbst sind wesentlich besser bezahlt. Die Kollegenschaft scheint bislang sehr zufrieden zu sein – es gibt zurzeit keinen Mangel an freiwillig dienstmachenden Ärzten.“ Der Weg zu dieser Regelung sei aber schwierig gewesen, erzählt der Standesvertreter. Für Details zur Neuregelung sei es noch zu früh, sagt Arnberger: „Aber als Eckpunkte kann man sagen, dass Landärzte wegen der örtlichen Gegebenheiten in ihren eigenen Ordinationen und nicht in Zentren den Bereitschaftsdienst leisten werden, und dass die Dienstzeiten ebenfalls geblockt, die Zahl der Bereitschaftsdienste pro Arzt gesenkt und die Bezahlung wesentlich verbessert werden sollten.“
Auch in der Steiermark macht man gute Erfahrungen mit zwei unterschiedlichen Dienstsystemen: Es gibt einen Ärztenotdienst in Graz, von dem aus vier Ärzte gleichzeitig die gesamte Stadt und vier Randgemeinden werktags und an Wochenenden bzw. Feiertagen versorgen. Und es gibt außerhalb von Graz die im Gesamtvertrag geregelte Wochenend- und eine gut funktionierende freiwillige Wochentagsbereitschaft.

Autorin: Mag. Karin Martin