Menü Logo medONLINE.at

Auswirkungen von Weichmachern auf ungeborene Buben

Im Rahmen einer aktuellen Studie wurden die Auswirkungen der pränatalen Phthalat-Exposition auf den Anogenitalabstand bei schwedischen Buben untersucht.

Carl-Gustaf Bornehag

Carl-Gustaf Bornehag

Ein schedische Studie, in welcher die pränatale Exposition mit Phthalat DiNP untersucht wurde, ergab einen Zusammenhang mit einem kürzeren Anogenitalabstand bei schwedischen Jungen im Alter von 21 Monaten.

Die Höhe der DiNP-Metaboliten beim Menschen steigt weltweit an. In früheren Studien konnte bereits ein Zusammenhang zwischen der DiNP-Exposition mit einem kürzeren Anogenitalabstand belegt werden. An Menschen durchgeführte Forschungsarbeiten ergaben, dass kürzere Anogenitalabstände mit männlichen Genitalfehlbildungen sowie beeinträchtigter Fortpflanzungsfähigkeit bei erwachsenen Männern assoziiert sind.

Phthalate finden Verwendung als Weichmacher in Weich-Polyvinylchlorid (PVC) und wurden in einer Vielzahl von allgemein verwendeten Verbraucherprodukten gefunden. Aufgrund des Gesundheitsrisikos wurde Diisononylphthalat (DINP) als Ersatz für Diethylhexylphthalat (DEHP) als Weichmacher in PVC-Produkten eingeführt. Dies ist den schwedischen Forschern zufolge jedoch bedenklich, da an Tieren gewonnene Daten nahelegen, dass DiNP – ähnlich wie DEHP – anti-androgenen Eigenschaften haben könnte. Darüber hinaus zeigen Biomonitoring-Daten, dass der menschliche DiNP-Metabolitenspiegel global rasch zunimmt.

Die Anogenitalabstand ist eine Markierung, die im Tierversuch verwendet wurde, um die Reproduktionstoxizität zu bewerten. Obwohl in mehreren Studien Phthalate wie DBP, DEHP und AGD beim Menschen untersucht wurden, berücksichtigte keine der Arbeiten DiNP.

Die vom schwedischen Forschungsrat unterstützte, aktuelle Studie analysierte die Beziehung zwischen der Metabolitenkonzentration in den Harnwegen in den Wochen 9 bis 11 (DEP, DBP, DEHP, BBzP sowie DiNP) in Bezug auf den Anogenitalabstand bei 196 schwedischen Buben im Alter von 21 Monaten.

[restrict allow_role=”administrator, editor, author, subscriber” message=”… Um weiterzulesen, müssen Sie sich einloggen. medONLINE.at steht exklusiv ÄrztInnen aus Österreich zur Verfügung”]

Analysen des maternalen Urins identifizierten in allen Proben Phthalat-Metaboliten. Der Anogenitalabstand wurde von zwei Kinderkrankenschwestern am County Council von Värmland, Schweden gemessen. Die gemessenen Phthalat-Ebenen und der Anogenitalabstand waren mit den Daten aus zwei Schwangerschaftskohortenstudien in den USA vergleichbar.

Die meisten der Phthalat-Metaboliten waren mit einem kürzeren Anogenitalabstand assoziiert, allerdings waren nicht alle Assoziationen signifikant. Die stärksten und signifikanten Assoziationen wurden zwischen einem kürzeren Anogenitalabstand und DiNP-Metaboliten gefunden.

Diese Ergebnisse stellen die Sicherheit der jüngsten Substitution von DINP für DEHP in Weich-PVC in Frage, erklärte der für die Studie verantwortliche Public Health-Professor Carl-Gustaf Bornehag von der Universität Karlstad.

[/restrict]

Carl-Gustaf Bornehag, Fredrik Carlstedt, Bo AG Jönsson, Christian H Lindh, Tina K Jensen, Anna Bodin, Carin Jonsson, Staffan Janson, Shanna Swan
Prenatal Phthalate Exposures and Anogenital Distance in Swedish Boys
Environmental Health Perspective 2014; DOI:10.1289/ehp.1408163

Quelle: Schwedischer Forschungsrat