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Ärztemangel: 1.500 Landärzte müssen her

Ärzte und Politiker setzen sich für geänderte Rahmenbedingungen für Landärzte ein. Ärztekammerpräsident Dr. Artur Wechselberger erklärte bei einer Pressekonferenz, dass Österreich innerhalb der nächsten zehn Jahre etwa 1.500 neue Landärzte benötigen werde.

Dr. Artur Wechselberger

Dr. Artur Wechselberger: “Österreich braucht in zehn Jahren 1.500 neue Landärzte.”

Im Rahmen der Gesundheitsreferentenkonferenz hatten die Vertreter der Länder am 14. Mai einstimmig beschlossen, die ärztliche Ausbildung aktuellen und zukünftigen Anforderungen anzupassen (siehe medONLINE.at-Artikel). Am 3. Juni erklärte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Artur Wechselberger, bei einer Pressekonferenz in Innsbruck, dass Österreich erst am Beginn des Ärztemangels am Land stehe. Früher habe es fünf bis zehn Bewerber pro ausgeschriebener Stelle gegeben, nun finde man meist gar keine Bewerber.

56 Prozent aller derzeit tätigen Landärzte würden in den kommenden zehn Jahren in Pension gehen, doch ein Viertel der Medizinstudierenden kämen aus dem Ausland und würden häufig nach dem Studium in ihr Heimatland zurückkehren. Doch nicht nur das: Junge Mediziner wandern Wechselberger zufolge häufig ins Ausland ab, da dort oft bessere Arbeitsbedingungen herrschten.

Fest stehe, dass das Berufsbild des Landearztes jungen Medizinern schmackhaft gemacht werden müsse. So seien die Forderungen der jungen Kandidaten für den Beruf des Landarztes vor allem wirtschaftliche Sicherheit als Kleinunternehmer, Nutzung passender Kooperationsformen mit anderen Ärzten und ein Umfeld mit ausreichend Zeit für die Familie. Zudem müsse der Leistungskatalog der Krankenkassen überarbeitet werden.

Bereits einige Tage zuvor, am 28. Mai, waren die bei der Pressekonferenz in Innsbruck angesprochenen Themen aus dem Gesundheitsbereich Kernpunkte einer Fragestunde des Bundesrats. Dabei stand auch der Ärztemangel im ländlichen Raum auf der Themenliste. Es wurden etliche Fragen gestellt – etwa, was die Regierung zur Sicherung der flächendeckenden und wohnortnahen allgemeinmedizinischen Versorgung durch HausärztInnen und LandärztInnen unternehmen werde und welche Schritte gesetzt werden, um der schwach ausgeprägten ambulanten allgemeinmedizinischen Versorgung in Österreich gegenzusteuern.

Bundesminister Alois Stöger wies auf die hohe Ärztedichte in Österreich hin, erwähnte aber auch, dass es in manchen Fachbereichen einen Bedarf an Medizinern gebe. Neben der Stärkung der Primärversorgung – vor allem in den Regionen – gehe es daher um die Förderung von Kooperationsformen zwischen den Ärzten, um eine bessere medizinischen Versorgung in den Randzeiten sowie um eine gute Koordination mit anderen Berufsgruppen. Der Beschluss der Gesundheitsreform sei jedenfalls die Basis für die Erreichung all dieser Ziele. Allein schon durch die demographische Entwicklung sei man gefordert, für eine optimale und möglichst wohnortnahe Behandlung vor allem von chronischen Krankheiten zu sorgen, wobei in erster Linie die Bedürfnisse der Patienten im Mittelpunkt stehen sollten – und nicht jene der Institutionen.

Stöger betonte, dass die Neugestaltung der Ärzteausbildung ein weiterer wichtiger Punkt sei, der von einer entsprechenden Kommission erörtert werden müsse. Die Vorarbeiten für einen entsprechenden Entwurf befänden sich bereits in der Endphase. Ein Fokus solle dabei auf der praktischen Ausbildung liegen, um jungen Menschen die Scheu zu nehmen, selbständig in einer Ordination auf dem Land zu arbeiten. Stöger plädierte für die Entwicklung neuet Arbeitsmodelle zur besseren Vereinbarung von Beruf und Familie. Wenn nämlich Ärzte gute Arbeitsbedingungen vorfänden, würde sich auch das Problem der Abwanderung in das Ausland nicht mehr so stellen, war Stöger überzeugt.

Quelle: APA