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Monitoring: Mehr ist nicht immer besser

Viele Patienten mit Herzinsuffizienz tragen implantierte Devices wie zum Beispiel Defibrillatoren. Diese Geräte können nicht nur lebensbedrohliche Arrhythmien beenden, sie liefern auch Informationen über den Träger bzw. über dessen kardiologischen Gesundheitszustand. Wie man mit diesen Informationen am besten umgeht, ist jedoch nicht vollkommen geklärt.

Foto: istockphoto/ Health application

Im Rahmen der Studie MORE-CARE (MOnitoring Resynchronization dEvices and CARdiac patiEnts) wurde evaluiert, ob Patienten Vorteile davon haben, wenn die Informationen, die ein biventrikulärer Defibrillator (CRT-D) zur Verfügung stellen kann, wöchentlich statt wie üblich während der Kontroll-Visiten abgefragt werden. Die Antwort ist ein vorsichtiges Nein. Einerseits konnte kein Vorteil durch die häufigen Kontrollen gezeigt werden, andererseits musste die Studie jedoch wegen Mangels an Patienten abgebrochen werden, da die für den Endpunkt Mortalität und Hospitalisierung erforderliche Power nicht erreicht werden konnte.

Kein klinischer Vorteil, aber weniger Kosten

In MORE-CARE wurden insgesamt 900 Patienten aufgenommen, die einen CRT-D mit drahtloser Übertragungsfunktion trugen. Von diesen wurden 462 in eine engmaschig kontrollierte Gruppe randomisiert („Remote-Arm“), während die übrigen als Kontrollen nach Standard-Prozedur monitiert wurden. Nach einem medianen Follow up von 24 Monaten trat der primäre Endpunkt bei 29.7 Prozent der Patienten im Remote-Arm und 28.7 Prozent im Standard-Arm ein. Der Unterschied war nicht signifikant.

Allerdings sorgen sekundäre Endpunkte für Aufsehen: Die engmaschige Fernabfrage reduzierte nämlich die Kosten. Und das erheblich, da die Patienten aus dem Remote-Arm um 41 Prozent weniger Arzt-Besuche unternahmen. „Es könnte also gute Gründe abseits der harten klinischen Endpunkte für das engmaschige Monitoring geben“, resümiert Studienautor Dr. Giuseppe Boriani von der Universität Modena.

Das Einsparungspotential könnte erheblich sein. Dr. Boriani: „Die Kosten durch die Nutzung des Gesundheitssystems waren im Remote-Arm um 38 Prozent niedriger. Das betrifft nicht nur die öffentlichen Gesundheitskosten, sondern z.B. auch private Reisekosten des Patienten.“

Die Ergebnisse von MORE-CARE kamen insofern überraschend, als die gleiche Gruppe zuvor zeigen konnte, dass wöchentliche Kontrollen die Zeit zwischen einem vom Device gemeldeten Ereignis und daraus folgenden klinischen Entscheidungen signifikant reduzieren (1). Nun zeigte sich, dass das keine Konsequenzen für die Prognose haben dürfte. Hinsichtlich Sicherheit und Lebensqualität wurden keine Unterschiede zwischen den Armen gefunden.

1) Boriani G et al. The MOnitoring Resynchronization dEvices and CARdiac patiEnts (MORE-CARE) randomized controlled trial: phase 1 results on dynamics of early intervention with remote monitoring. J Med Internet Res. 2013 Aug 21;15(8):e167

Quelle:
„MORE-CARE – Effects of remote monitoring on outcomes and use of healthcare resources in heart failure patients with biventricular defibrillators“, präsentiert von Dr. Giuseppe Boriani im Rahmen der Hotline I des ESC 2016

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