Home / Politik / Aus ELGA-Erfahrungen lernen

Aus ELGA-Erfahrungen lernen

In der Steiermark arbeiten seit 25. Mai erste Arztpraxen mit der E-Medikation. Beim eHealth Summit 2016 in Wien wurden zur gleichen Zeit die ersten Erfahrungen nach sechs Monaten ELGA in den Spitälern ausgetauscht.

Das LKH Deutschlandsberg arbeitet als erstes Spital mit E-Medikation.
Das LKH Deutschlandsberg arbeitet als erstes Spital mit E-Medikation.

Dr. Helmut Benjamin Huss, Allgemeinmediziner im steirischen Frauental, ist einer der rund 60 niedergelassenen Ärzte, die in der Einführungsregion Deutschlandsberg das neue E-Medikationssystem von Beginn an verwenden und damit mitgestalten wollten. „Es ist nunmehr möglich, dass wir unsere Verschreibungen für weitere Behandler zentral ablegen und auf Knopfdruck die bereits vorhandenen Verschreibungen einsehen“, weiß er um den Mehrwert. Für den Patienten sei der unmittelbare Vorteil, dass die klassische Frage „Welche Medikamente nehmen Sie denn…?“ in den Hintergrund rückt.

In den teilnehmenden Praxen ist die Ordinationssoftware mit einem E-Medikations-Modul ausgestattet worden. „Da wir in unserer Praxis sämtliche Medikamente für die Weiterverschreibung auf Interaktion prüfen, ist davon auszugehen, dass wir schwere Wechselwirkungen sofort entdecken und die medizinische Sicherheit für unsere Patienten nachhaltig steigt“, gibt sich Huss optimistisch. Am Pilot-Projekt E-Medikation sind neben den Praxen auch neun Apotheken, ein Pflegeheim und das LKH Deutschlandsberg beteiligt. „Erfahrungen, die wir im Testsystem sammeln, lassen wir umgehend in die Integration des Krankenhausinformationssystems (KIS) einfließen“, erklärt Ing. Victor Grogger, Teamleiter E-Health und strategische Projekte der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes).

Nach Rücksprache mit dem ärztlichen und pflegerischen Personal im LKH sehe man als sofortigen „Quick Win“, dass die außerhalb des Krankenhauses verschriebene Medikation in strukturierter elektronischer Form aufscheinen. Dies könne für die Aufnahmegespräche und Patienten-Zustandserhebungen sehr hilfreich sein. Grogger: „Sollte der Patient bei Ankunft im Spital nicht ansprechbar sein, könnte man alleine mit seiner Identifikation die aktuelle Medikation abrufen. Das sollte durchaus die Entscheidung zur weiteren Behandlung erheblich beschleunigen können.“

Vorreiter Steirische & Wiener Krankenhäuser

Die Steiermark blickt – wie auch Wien – auf bereits sechs Monate ELGA-Erfahrungen zurück. Im Gegensatz zum Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hat die KAGes jedoch im Dezember des Vorjahrs ELGA gleich flächendeckend für den intramuralen Bereich umgesetzt: Neben den 23 Standorten der KAGes sind auch die fünf Standorte der Geriatriezentren Graz, das Krankenhaus der Elisabethinen Graz, das Neurologische Therapiezentrum Karpfenberg und das Marienkrankenhaus Vorau im Boot. Daraus ergaben sich in den ersten fünf Monaten ELGA-Betrieb insgesamt 100.000 Arzt- und 13.000 Pflege-Entlassungsbriefe, 240.000 Labor- und 75.000 Radiologie-Befunde.

Zum Vergleich: In Wien sind am 9. Dezember des Vorjahrs in einem ersten Schritt fünf Abteilungen des Krankenhauses Hietzing mit dem Neurologischen Zentrum Rosenhügel mit ELGA „beglückt“ worden. Am 28. Dezember wurde die elektronische Gesundheitsakte dann auf alle Spitäler und Pflegewohnhäuser des KAV ausgeweitet. Nur das AKH kam erst im Mai dazu. In den ersten fünf Monaten sind in Wien rund 47.000 stationäre Entlassungen und rund 350.000 ambulante Besuche in ELGA registriert worden. Längere Wartezeiten seien für die Patienten dadurch nicht entstanden, so DI Herlinde Toth, E-Health-Koordinatorin der Stadt Wien, beim eHealth Summit. Das AKH sei insofern eine wesentliche Erweiterung, als hier jährlich rund 100.000 stationäre und über 500.000 ambulante Patienten betreut werden.

Während sich der KAV für ein Stufenmodell entschieden hat, bei dem das interne Krankenanstalteninformationssystem weiter unabhängig arbeitet und ELGA eine zusätzliche Infrastruktur darstellt, wurde in der Steiermark ELGA nahtlos in das KIS (openMEDOCS) integriert. „Technisch gesehen verwenden wir für die Anbindung an das KIS dieselbe Software, somit unterscheidet sich die Integration wahrscheinlich nur minimal von jener des KAV“, erläutert Grogger. Organisatorisch sei der größte Unterschied, dass in der KAGes ambulant alle und stationär nur vom Fachpersonal ausgewählte Labor- und Radiologiebefunde in ELGA registriert werden.

Erfolgreicher Start, laufend Nachbesserungen

Vereinzelt gab es zu Beginn Klagen über technische Probleme durch die zu geringe Übertragungsgeschwindigkeit von Laborbefunden, die vorerst nur als pdf-Dokumente erfasst werden. Die Ärztekammer übte Kritik, dass unstrukturiert als pdf gespeicherte Befunde „nur leere Gesundheitsakte von Patienten füllen“, aber keinen Mehrwert für die behandelnden Ärzte haben, weil keine effektiven Suchmöglichkeiten gegeben sind. Im Spitalsalltag komme den ELGA-Abfragen derzeit noch keine wichtige Rolle zu, da die KAV-interne elektronische Gesundheitsakte mehr Informationen enthält, meint Toth dazu.

„Auf den meisten Stationen entsteht kein Zusatzaufwand durch ELGA“, zieht sie Bilanz. „Nur bei Stationen mit häufiger Aufklärungsverpflichtung dauert die Eingewöhnungsphase länger.“ Bei psychiatrischen Hauptdiagnosen, HIV-Infektionen, Schwangerschaftsabbrüchen und teilweise bei genetischen Untersuchungen müssen die Patienten nachweislich und mündlich über ihr situatives Opt-out-Recht informiert werden. Die Vorschriften dazu werfen in der Praxis viele Fragen auf. Gleichzeitig haben die Patienten grundsätzlich das Recht, sich von ELGA gänzlich abzumelden oder bestimmte Informationen auszublenden. Die Ärzte können allerdings ein generelles Opt-out des Patienten nicht sehen, klären letztlich also oft unnötig auf. Insgesamt sprechen die beiden E-Health-Verantwortlichen aber von einem „erfolgreichen Start“ der elek­tronischen Gesundheitsakte. An Nachbesserungen werde laufend gearbeitet. Positiv heben sie hervor, dass ELGA den Anstoß dazu gegeben habe, dass Entlassungsdokumente deutlich früher im IT-System vidiert werden.

ELGA-Fahrplan
Als nächstes Bundesland bereitet sich Kärnten auf den ELGA-Start im Juli vor, wo man mit dem Krankenhaus Villach beginnt und ELGA dann bis zum Jahresende 2016 schrittweise auf Spitäler unterschiedlicher Träger und öffentliche Pflegeanstalten ausrollen möchte. Im Herbst werden voraussichtlich Niederösterreich und Salzburg und Anfang 2017 die übrigen Bundesländer folgen. Der verpflichtende ELGA-Start im niedergelassenen Bereich ist für Mitte 2017 geplant.

Service

  • ELGA-Serviceline für Bürger: Mo–Fr 7–19 Uhr, Tel. 0501244411
  • ELGA-GDA-Serviceline für Ärzte, Apotheken, Betreiber der technischen Komponenten: Mo–Fr 6–20 Uhr, Sa 6–13 Uhr, Tel. 0501244422, www.elga.gv.at
  • ELGA-Patientenportal: www.gesundheit.gv.at
Von Mag. Karin Martin

 

 

LOGIN