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Radiochemotherapie bei WHO-Grad-II-Gliomen

Die frühzeitige kombinierte Anwendung von Strahlen- und Chemotherapie erhöht auch die Langzeitüberlebensraten von Patienten mit niedergradigen Gliomen signifikant.

In einer Aussendung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erklärte Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Heidelberg, dass eine erst im Verlauf einer Krebstherapie durchgeführte Chemotherapie den Vorteil einer direkt kombinierten Radiochemotherapie für das progressionsfreie und Gesamtüberleben nicht wieder aufholen kann. Eine Langzeitbeobachtung von 251 Patienten über median 11,9 Jahre ergab nämlich, dass auch Patienten mit einem prinzipiell prognostisch günstigen Gliom der Stufe II gemäß Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) litten, von einer Radiochemotherapie profitieren.

Jan C. Buckner von der Mayo Clinic in Rochester und seine Kollegen hatten für ihre im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie die Daten von 251 Patienten mit WHO-Grad-II-Gliomen ausgewertet. Die Probanden waren teilweise jünger als 40 Jahre und hatten aufgrund der nicht vollständigen Resektion des Glioms eine ungünstige Prognose,während die restlichen Studienteilnehmer unabhängig vom Ausgang der Operation aufgrund ihres Alters von über 40 Jahren eine ungünstigere Prognose hatten.

Höhere Überlebensraten durch kombinierte Strahlen- und Chemotherapie

Rund die Hälfte der Probanden erhielt im Anschluss an die Operation eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie, während der anderen Hälfte lediglich eine Strahlentherapie verabreicht wurde, da man bei dieser Gruppe mit der Chemotherapie auf ein Rezidiv wartete. Die mediane Überlebensrate war in der ersten Gruppe mit 13,3 Jahren erheblich höher als in der zweiten mit 7,8 Jahren. Das progressionsfreie Überleben betrug bei Probanden, die eine kombinierten Strahlen- und Chemotherapie erhalten hatten, 10,4 Jahre, bei der alleinigen Strahlentherapie 6,1 Jahre. Nach zehn Jahren lebten noch 60 Prozent der mit Radiochemotherapie therapierten Probanden, bei der alleinigen Radiotherapie-Gruppe betrug die Überlebensrate 40 Prozent. Die Toxizität der Kombinationstherapie war wie zu erwarten höher als jene der Strahlentherapie alleine und ging mit Nebenwirkungen wie Fatigue, Anorexie, Emesis, Nausea und selten Neutropenie einher.

IDH-Mutation sorgt für längeres Überleben

Darüber hinaus korellierte eine Mutation im Gen für die Isocitratdehydrogenase 1 (IDH1) signifikant mit einer längeren Überlebenszeit: Träger dieser Mutation überlebten median 13,1 Jahre – im Gegensatz zu Personen ohne diese Mutation, welche durchschnittlich noch 5,1 Jahre lebten.

Wick zufolge fehlen durch den Studienbeginn vor der Jahrtausendwende Daten zu Parametern wie Lebensqualität und Neurokognition. Aus diesem Grund plädiert er für die Durchführung weiterer Studien, um den Preis für das prolongierte Überleben besser abschätzen zu können. Darüber hinaus könnten in zukünftigen Untersuchungen auch Subgruppen von Patienten definiert werden, die besonders vulnerabel sind und für welche eine angepasste Behandlung sinnvoll wäre.

Jan C. Buckner,Edward G. Shaw, Stephanie L. Pugh, Arnab Chakravarti, Mark R. Gilbert, Geoffrey R. Barger, Stephen Coons, Peter Ricci, Dennis Bullard, Paul D. Brown, Keith Stelzer, David Brachman, John H. Suh, Christopher J. Schultz, Jean-Paul Bahary, Barbara J. Fisher, Harold Kim, Albert D. Murtha, Erica H. Bell, Minhee Won, Minesh P. Mehta, Walter J. Curran
Radiation plus Procarbazine, CCNU, and Vincristine in Low-Grade Glioma
New England Journal of Medicine, 2016; 374:1344-1355April 7, 2016DOI: 10.1056/NEJMoa1500925

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie

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