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Multiresistente Bakterien in der Schweinemast

Multirestente ESBL-E und LA-MRSA konnten aus dem Bestand eines Schweinemastbetriebs durch umfassende Desinfektionsmaßnahmen vollständig entfernt werden.

Abimpfung einzelner ESBL-E-Kolonien für die weitere Laboranalyse
Abimpfung einzelner ESBL-E-Kolonien für die weitere Laboranalyse

Die Kolonisation von Tierbeständen mit multiresistenten Bakterien, die auf immer weniger Antibiotika ansprechen, gilt als möglicher Risikofaktor für den Eintritt multiresistenter Keime in die Nahrungsmittelkette. Nun wurde gezeigt, dass multirestente Keime aus dem Bestand eines Schweinemastbetriebs durch umfassende umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen von Stallgebäuden und Stallinstallationen vollständig entfernet werden können.

Am 4. September wurde in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Applied and Environmental Microbiology eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Elimination multiresistenter Bakterien wie Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und Extended Spectrum Beta-Lactamase-bildenden Enterobakterien (ESBL-E) in Schweine haltenden Betrieben möglich ist.

Elimination durch umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen von Stallgebäuden und Stallinstallationen

Im Zuge einer Forschungskooperation untersuchten Forscher der Abteilung EU-Kooperation/Mikrobiologie des Paul-Ehrlich-Instituts, der Abteilung für Präventives Gesundheitsmanagement am Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn, des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie und des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn, ob eine Elimination von MRSA- und ESBL-E-Keimen durch umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen von Stallgebäuden und Stallinstallationen möglich ist.

Die Forscher führten ihre Tests in einem Betrieb durch, in dem im Zuge eines vorangegangenen Routine-Hygiene-Monitoring Livestock-assoziierte MRSA (LA-MRSA) und ESBL-E nachgewiesen worden waren. Der Landwirt entschloss sich zu einer Produktionserweiterung von der Ferkelerzeugung auch auf Jungsauenaufzucht, um so den Zukauf von Tieren und damit das Risiko des Eintrags neuer Keime zu reduzieren. In der Konsequenz wurde der bestehende Tierbestand gekeult, die gesamte Anlage von einem zertifizierten Desinfektor dekontaminiert und der Hof um einen weiteren Tierstall erweitert. Mithilfe von Abstrichen von den Schweinen, aus Luft, Wasser und Staub sowie von Haustieren und Personen, die auf dem Hof leben bzw. arbeiten, konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die vor der Maßnahme vorhandenen LA-MRSA und ESBL-E-Keime vollständig eliminiert worden waren.

Zwölf Monate später wurden keine ESBL-E-Keime nachgewiesen, auch der ursprünglich vorhandene LA-MRSA-Stamm konnte vollständig eliminiert werden. Allerdings wurde bereits zwei Tage nach Wiederaufnahme des Betriebs ein neuer LA-MRSA-Stamm nachgewiesen, dessen Herkunft nicht geklärt werden konnte. Einer der Mitarbeiter des Hofes, der zuvor mit dem vor der Desinfektion nachweisbaren LA-MRSA kolonisiert war, war zwei Monate nach der Dekontamination ebenfalls mit dem neuen MRSA-Stamm der Schweine kolonisiert.

Ein Jahr nach Dekontamination berichtete der Landwirt über positive Effekte, u.a. über weniger Darmerkrankungen der Tiere und einen geringeren Einsatz von Antibiotika aufgrund des geringeren Zukaufs von Schweinen.

„Dieses Beispiel zeigt, dass es möglich ist, durch radikale Dekontamination multiresistente Keime aus landwirtschaftlichen Betrieben zu eliminieren. Die Herausforderung ist es, Methoden zu entwickeln, um den Neueintrag und die Verschleppung zu verhindern.“ Isabelle Bekeredjian-Ding, Abteilung EU-Kooperation/Mikrobiologie am Paul-Ehrlich-Institut

Ricarda Maria Schmithausen, Sophia Ricarda Kellner, Sophia Veronika Schulze-Geisthoevel, Sylvia Hack, Steffen Engelhart, Isabel Bodenstein, Nahed Al-Sabti, Marion Reif, Rolf Fimmers, Barbara Körber-Irrgang, Jürgen Harlizius, Achim Hoerauf, Martin Exner, Gabriele Bierbaum, Brigitte Petersen, Isabelle Bekeredjian-Ding
Eradication of methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) and Enterobacteriaceae expressing extended spectrum ß-lactamases (ESBL-E) on a model pig farm.
Applied and Environmental Microbiology 2015, Accepted manuscript posted online 4 September 2015, doi: 10.1128/AEM.01713-15

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

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