Home / Gynäkologie und Geburtshilfe / Denosumab reduziert Frakturrisiko bei Brustkrebs-Patientinnen

Denosumab reduziert Frakturrisiko bei Brustkrebs-Patientinnen

Österreichs größte Brustkrebsstudie ABCSG 18 ergab, dass der monoklonale Antikörper Denosumab das Frakturrisiko bei Brustkrebs-Patientinnen nach der Menopause, die mit Aromatasehemmern behandelt werden, um die Hälfte reduziert.

Pressekonferenz „Gesunde Knochen trotz Brustkrebs“: Die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group belegte mit Österreichs größter Brustkrebsstudie ABCSG 18, dass Patientinnen nach einer endokrinen Krebstherapie von einer Osteoporose verschont bleiben können. Bild: Wikimedia Commons
Pressekonferenz „Gesunde Knochen trotz Brustkrebs“: Die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group belegte mit Österreichs größter Brustkrebsstudie ABCSG 18, dass Patientinnen nach einer endokrinen Krebstherapie von einer Osteoporose verschont bleiben können. Wird zur Standardtherapie mit Aromatase-Inhibitorender der humane monoklonale Antikörper Denosumab (zweimal jährlich als Injektion) verabreicht, verringert sich die osteoporose-induzierte Frakturrate um 50 Prozent. Darüber hinaus erhöht sich die Knochendichte und die Anzahl der Wirbelfrakturen wird halbiert.

 

Am 1. Juni wurde beim Annual Meeting der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago die österreichische Brustkrebsstudie ABCSG 18 präsentiert. Zeitgleich erschien sie im Fachjournal The Lancet.

Postmenopausale Frauen mit hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom werden üblicherweise mit Aromatase-Inhibitoren behandelt, die allerdings auch negative Auswirkungen auf die Knochendichte haben und somit das Osteoporoserisiko deutlich erhöhen. Die von der Austrian Breat and Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) von 2006 bis 2013 durchgeführte, placebo-kontrollierte, doppelblinde Adjuvans-Studie mit 3.425 postmenopausalen Brustkrebspatientinnen zeigte, dass diese therapie-induzierte Langzeitfolge um 50 Prozent reduziert werden kann, wenn der humane monoklonale Antikörper Denosumab zusätzlich zur endokrinen Therapie verabreicht wird (92 Frakturen versus 176 im Placebo-Arm, HR=0,50). Ohne zusätzliche Toxizität halbiert die Gabe von 60 mg Denosumab zweimal pro Jahr subkutan klinische Frakturen, außerdem erhöhte sich die Knochendichte in der Wirbelsäule um 10 Prozent, in der Hüfte um rund 8 Prozent und im Oberschenkelhals um 6 Prozent.

Die Daten von ABCSG 18 beweisen den Autoren der ABCSG zufolge mit überraschender Eindeutigkeit, dass therapieinduzierte Osteoporose und Frakturen als Nebenwirkung einer endokrinen Adjuvanstherapie mit Aromatase-Inhibitoren einfach und vor allem ohne zusätzliche Toxizität reduziert werden können.

Studienleiter und ABCSG-Präsident Michael Gnant erklärte, dass die Daten neben dem unerwartet deutlichen Haupteffekt der Frakturverhinderung belegen würden, dass therapieinduzierte Frakturen ein viel größeres Problem sein dürften als bislang vermutet wurde.

Die Therapie mit Denosumab wirkte sowohl bei Brustkrebspatientinnen mit normaler Knochendichte als auch bei Frauen, die bereits Osteopenie aufweisen, gleichermaßen gut. Gnant erwartet auf Basis dieser Ergebnisse weltweit ein „practice change“ in der Brustkrebsbehandlung: „Wir können unseren Patientinnen mit nur zwei Injektionen pro Jahr eine schwerwiegende Folge der Krebstherapie ersparen –dieser Vorteil muss meiner Meinung nach sehr rasch Standard in Österreich werden.“

Christian Singer, stellvertretender Leiter des Brustgesundheitszentrums der MedUni Wien und Mitglied des CCC erklärte bei einer Pressekonferenz am 3. Juni im Wiener Ocean Sky, bei der die Studie präsentiert wurde: „Wenn man davon ausgeht, dass beinahe ein Zehntel aller Frauen mit Brustkrebs, die nach der Menopause eine Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren erhalten, innerhalb von drei Jahren nach Diagnose einen nachweisbaren Knochenbruch erleiden, dann ist das schon eine erschreckend hohe Zahl, die die Wichtigkeit der Studienergebnisse eindrücklich vor Augen führt.“

Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group

Seit 30 Jahren führt die österreichische Studiengruppe Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) klinische Studien zum Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie zum Pankreaskarzinom durch. Bislang nahmen mehr als 25.000 PatientInnen an klinischen Studien der ABCSG teil.

Michael Gnant, Georg Pfeiler, Peter C Dubsky, Michael Hubalek, Richard Greil, Raimund Jakesz, Viktor Wette, Marija Balic, Ferdinand Haslbauer, Elisabeth Melbinger, Vesna Bjelic-Radisic, Silvia Artner-Matuschek, Florian Fitzal, Christian Marth, Paul Sevelda, Brigitte Mlineritsch, Günther G Steger, Diether Manfreda, Ruth Exner, Daniel Egle, Jonas Bergh, MD, Franz Kainberger, Susan Talbot, Douglas Warner, Christian Fesl, Christian F Singer, on behalf of the Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group
Adjuvant denosumab in breast cancer (ABCSG-18): a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled trial
The Lancet, Published Online: 31 May 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60995-3

Quelle: Medizinische Universität Wien

LOGIN