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Neue Studiendaten zu Malaria-Impfstoff

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Das Pharmaunternehmen Glaxo-Smith-Kline testet seit fünf Jahren in sieben afrikanischen Ländern an mehr als 15.000 Kindern den Malaria-Impfstoff RTS,S. Durch die Impfung konnte in der Langzeitstudie bei den ältesten Probanden die Zahl der Infektionen um rund ein Drittel reduziert werden. Im Vorjahr wurde bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur eine Zulassung des Serums beantragt.

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Malaria-Endemiegebieten. Die Erkrankung tritt in tropischen und subtropischen Regionen in etwa 100 Ländern endemisch auf. Nach Schätzungen der  Weltgesundheitsorganisation WHO kommt es weltweit jährlich zu 200 Millionen Malaria-Infektionen. Im Jahr 2013 dürfte die Infektionskrankheit für rund eine halbe Million Menschen letal geendet haben.

In der ersten Runde wurden Säuglinge von sechs bis zwölf Wochen und Kinder im Alter von 5 bis 17 Monaten dreimal in einem Monat mit RTS,S geimpft, 18 Monate darauf erhielt eine Subgruppe beider Altersklassen eine weitere Impfdosis. Die Probanden, welche die Dreifachdosis erhalten hatten, wurden dadurch vor Malaria geschützt, bei den Teilnehmern der Subgruppe mit der Auffrischungsimpfung war die Wirkung etwas größer. Abhängig vom Alter belief sich die Schutzwirkung innerhalb von knapp vier Jahren auf 26 bzw. 36 Prozent.

Malaria-Impfstoff RTS,S

Der an der wissenschaftlichen Koordination der Studie beteiligte deutsche Tropenmediziner Peter Kremsner erklärte, dass RTS,S der bisher erste Malaria-Impfstoff sei, der in einer Feldstudie Wirksamkeit gezeigt habe. Andere Forscher halten das Mittel wegen der geringen Schutzrate von rund 30 Prozent für keinen wirklichen Durchbruch. Zwar sei erstmals gezeigt worden, dass ein Malariaimpfstoff zu einem „zwar begrenzten aber nachweisbaren Schutz“ führen könne, bestätigte der Tropenmediziner Thomas Löscher von der Münchner Uniklinik. Allerdings seien die Ergebnisse „insgesamt doch eher enttäuschend und liegen weit unter den ansonsten von Impfungen erwarteten Schutzraten“. Die Forschung könne aber auf der Studie aufbauen.

Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline testete seit dem Jahr 2009 an 15.000 Kindern aus Ghana, Gabon, Malawi, Kenia, Burkina Faso, Tansania und Mosambik den Malaria-Impftoffkandidaten RTS,S. Nun wurden die Ergebnisse der Phase III-Studie veröffentlicht. Demzufolge schützt RTS,S bei einem akzeptablen Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil signifikant die meisten jüngsten Kinder bis zu vier Jahre lang vor klinischer und schwerer Malaria. Die Wirksamkeit der Impfung ließ allerdings mit der Zeit nach und zeigte nicht in allen Altersklassen einen effektiven Schutz.

World Malaria Day

Anlässlich des World Malaria Day 2015 veröffentlichte die WHO ein Update der Guidelines für die Behandlung der Malaria.

Einer kürzlich publizierten Studie zufolge bewirkte der Zusammenbruch der Infrastruktur aufgrund der Ebola-Epidemie im Vorjahr in den betroffenen westafrikanischen Ländern zusätzlich 10.900 Malaria-Tote. Patrick Walker vom MRC Centre for Outbreak Analysis & Modelling am Imperial College London schreibt im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases, dass die anhaltende Ebola-Epidemie in Teilen Westafrikas die weitgehend fragilen Gesundheitssysteme überfordere und dadurch keine angemessene Betreuung für Malaria-Patienten gewährleistet werden könne. Zudem könnten die Malaria-Kontrolle und -Elimination, die im letzten Jahrzehnt erreicht wurden, gefährdet werden.

>> Malaria: RKI-Ratgeber für Ärzte

>> World Malaria Day

Patrick G T Walker, Michael T White, Jamie T Griffin, Alison Reynolds, Neil M Ferguson, Azra C Ghani
Malaria morbidity and mortality in Ebola-affected countries caused by decreased health-care capacity, and the potential effect of mitigation strategies: a modelling analysis
The Lancet Infectious Diseases, Published Online: 23 April 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(15)70124-6

Quelle: Eurekalert/Lancet, GSK, WHO, RKI, APA

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