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In Österreich wird zu wenig koloskopiert

Selbsthilfe DarmkrebsBei einer Presseveranstaltung zum 10-Jahres-Jubiläum der Selbsthilfegruppe Darmkrebs referierten und diskutierten unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig, der seit vielen Jahren in Sachen Krebs-Vorsorge und -Früherkennung aktiv ist, der deutsche Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2008, Univ.-Prof. DDr. Harald zur Hausen, Bundesministerin Dr. Sabine Oberhauser, Prof. Dr. Thomas Szekeres, Karl Öllinger und Helga Thurnher über den aktuellen Stand der Prävention und Therapie von Darmkrebs sowie die Definition künftiger Problemstellungen und die Entwicklung von diesbezüglichen Lösungsansätzen.

Die Selbsthilfe Darmkrebs, an der auch namhafte Onkologen engagiert mitwirken, bemüht sich darum, betroffenen Patienten bestmögliche Unterstützung in medizinisch-therapeutischer, psychologischer, aber auch in finanzieller und menschlicher Hinsicht zu geben. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Initiative wurden am 2. Oktober im Rahmen eines Pressegesprächs im Gesundheitsministerium wichtige Aspekte der Erkrankung, der Therapie sowie der Prävention aus Sicht der Gesundheitspolitik und der medizinischen Forschung diskutiert.

Der Nutzen der Darmspiegelung zur Früherkennung von Karzinomen und deren Vorstufen übersteigt laut dem Wiener Onkologen Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig andere Krebs-Früherkennungsmaßnahmen. Doch nur elf Prozent der Menschen über 50 Jahren nehmen in Österreich die angebotenen Untersuchungen in Anspruch.

Sechs Prozent der Bevölkerung seien Ludwig zufolge im Laufe ihres Lebens mit dem Problem Darmkrebs konfrontiert. 2011 wurden in Österreich 4.348 Darmkrebserkrankungen registriert, 2.175 Menschen starben an der Krankheit. Dabei sei die Mortalitätsrate in den vergangenen 20 Jahren um 20 Prozent gesunken. Eine ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre durchgeführte „sanfte“ Koloskopie erlaube die Frühdiagnose und Beseitigung von Karzinom-Vorstufen oder eines Karzinoms im zu 90 Prozent heilbaren frühen Stadium. Dickdarmkarzinome entwickelten sich zumeist langsam, was genug Zeit zum Einschreiten biete. Die Genauigkeit dieser Früherkennungsuntersuchung sei jedenfalls extrem hoch.

Zur Koloskopie rief bei der Pressekonferenz auch der derzeit von der Krankheit betroffene ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger auf. Bei ihm hatte man im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung im Jänner dieses Jahres ein Karzinom entdeckt, das eine sofortige Operation notwendig machte.

Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser stellte bei der Presseveranstaltung das im Jahr 2010 von ihrem Vorgänger Minister Alois Stöger initiierte Krebsrahmenprogramm vor. Darin werden alle relevanten Handlungsfelder, von der Prävention, der Diagnostik und der Behandlung über die Forschung bis hin zur Psychoonkologie berücksichtigt. Für jeden dieser Bereiche wurden Ziele und Maßnahmen definiert. Das nationale Krebsrahmenprogramm soll durch verbesserte Koordination sämtlicher Maßnahmen sowie durch eine stärkere Berücksichtigung der Patientenorientierung einen Beitrag zur Verbesserung der Situation Betroffener und Angehöriger leisten. „Zu zahlreichen operativen Zielen, die im Krebsrahmenprogramm definiert sind, haben wir schon wesentliche Vorarbeit geleistet. So beispielsweise bei der Implementierung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms oder bei der Aufnahme der HPV-Impfung in das Kinderimpfprogramm“, betonte Oberhauser.

Die entsprechenden Forderungen im Krebsrahmenprogramm lauten „Implementieren von Programm-Screenings“ und „Vermeiden von Virus-assoziierten Tumorarten durch Impfungen“. Auch das operative Ziel „Rauch-Stopp“ stößt bei Oberhauser auf volle Zustimmung. Dabei geht es darum, „nicht nur den Zeigefinger zu erheben, sondern RaucherInnen auch dabei zu helfen, aufzuhören“, betonte Oberhauser. Die Empfehlungen der Experten im Krebsrahmenprogramm sollen in den kommenden fünf bis zehn Jahren umgesetzt werden. Erfahrungen in anderen europäischen Ländern haben gezeigt, dass die Umsetzung eines Krebsrahmenprogramms einen wichtigen Beitrag zur Senkung von Erkrankung und Mortalität leisten kann. „Österreich hat in der Krebsbehandlung ein sehr hohes Niveau. Dieses gilt es zu halten und in den nächsten Jahren weiter auszubauen“, so Oberhauser.

Der deutsche Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2008, Univ.-Prof. DDr. Harald zur Hausen, der bekannte deutsche Krebsforscher Univ.Prof. DDr. Harald zur Hausen, der 2008 für seine Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der HP-Viren einen Nobelpreis erhielt, konnte im Zuge seiner Forschungen einen Zusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs, Analkarzinom und HNO-Tumoren herzustellen.

Quelle: APA, Selbsthilfe Darmkrebs, SPÖ Pressedienst

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