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Zelluläre Mechanismen der Alkoholabhängigkeit

Das Geheimnis, warum ein bestimmter Signalweg mit Alkoholabhängigkeit in Verbindung gebracht wird, wurde von US-amerikanischen Wissenschaftlern gelöst. Dieser Signalweg wird vom Gen Neurofibromatose Typ 1 (NF1) reguliert, das mit übermäßigem Alkoholkonsum bei Mäusen verbunden ist. Nf1 regelt einen Neurotransmitter, der Angst minimiert und Gefühle der Entspannung erhöht. Die am 18. August im Fachmagazin „Biological Psychiatry“ publizierte Studie bestätigt auch die Präsenz der genetischen Variation bei alkoholabhängigen Patienten. Varianten in der humanen Version des NF1-Gens sind zudem mit dem Risiko der Alkohol-Abhängigkeit und dem Schweregrad bei Patienten verbunden.

Pietro Paolo Sanna, M.D., Scripps Research Institute
Pietro Paolo Sanna: „Ein besseres Verständnis der an molekularen Prozessen, die an der Umstellung auf Alkoholabhängigkeit beteiligt sind, werden neue Strategien zur Prävention und Therapie zu Tage fördern.“

Schon lange wurde nach einem Gen oder Genen gesucht, die für das Risiko und die Schwere der Alkoholabhängigkeit verantwortlich sein könnten. Trotz eines signifikanten genetischen Beitrags zur Alkoholabhängigkeit konnten bislang nur wenige Risikogene identifiziert werden, deren Wirkmechanismen zudem in der Regel schlecht verstanden wurden.

Im Fachmagazin „Biological Psychiatry“ wurde nun von Forschern am „The Scripps Research Institute“ gewonnenen Forschungsergebnisse publiziert, die darlegen, dass Neurofibromatose Typ 1 (NF1) den Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) regelt.

Nf1 ist den Forschern zufolge eines jener seltenen Risikogene. Die GABA-Freisetzung erwies sich in der zentralen Amygdala beim Übergang von Freizeittrinkern zu Alkoholabhängigen als kritisch, aus diesem Grund gingen die Wissenschaftler davon aus, dass Nf1 für die Regulation der GABA-Freisetzung in Bezug auf Alkoholabhängigkeit relevant sein könnte.

Das Team testete mehrere Verhaltensmodelle, darunter ein Modell, in dem der Alkoholkonsum von Mäusen nach wiederholten Wartezeiten eskalierte, um die Auswirkungen der teilweisen Löschung von Nf1 zu studieren. In diesem Experiment, das den Übergang von übermäßigem Alkoholkonsum, der mit Alkoholabhängigkeit beim Menschen assoziiert ist, simuliert, fanden die Forscher, dass Mäuse mit funktionellen Nf1-Genen ihre Ethanolaufnahme nach nur einer Folge der Zurücknahme steigerten. Umgekehrt zeigten Mäuse mit einem teilweise gelöschten Nf1-Gen keine Zunahme des Alkoholkonsums.

Danach fanden die Forscher heraus, dass der Alkoholkonsum bei Mäusen mit teilweise gelöschten Nf1-Genen nicht zu einer weiter erhöhten GABA-Freisetzung in der zentralen Amygdala führte. Im Gegensatz dazu führte bei Mäusen mit funktionellen Nf1-Gene der Alkoholkonsum zu einer Erhöhung der mittleren Amygdala-GABA.

Zusammenhang zwischen Gen und Alkoholabhängigkeit beim Menschen

Im zweiten Teil der Studie, der in einer Kooperation mit Genetikern an verschiedenen US-Institutionen entstand, analysierte das Team Daten von humanen Variationen des Gens Nf1 von etwa 9.000 Menschen. Die Ergebnisse zeigten einen Zusammenhang zwischen dem Gen und dem Risiko einer Alkoholabhängigkeit und deren Schweregrad.

Der korrespondierende Autor Pietro Paolo Sanna zeigt sich optimistisch, was die langfristigen klinischen Auswirkungen der Arbeit betrifft: Er geht davon aus, dass ein besseres Verständnis der molekularen Prozesse, die zur Alkoholabhängigkeit führen, neue Strategien zur Prävention und Therapie zu Tage fördern wird.

Vez Repunte-Canonigolo, Melissa Herman, Tomoya Kawamura,Henry R. Kranzler, Richard Sherva, Joel Gelernter, Lindsay A. Farrer, Marisa Roberto, Pietro Paolo Sanna
Nf1 regulates alcohol dependence-associated excessive drinking and GABA release in the central amygdala in mice, and is associated with alcohol dependence in humans
Biological Psychiatry, Published Online: August 18, 2014, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.biopsych.2014.07.031

Quelle: Scripps Research Institute

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