Home / Innere Medizin / Infektiologie / Coronavirus-Nachweis im Abwasser ansteigend; Long Covid: Armut als Risikofaktor

Coronavirus-Nachweis im Abwasser ansteigend; Long Covid: Armut als Risikofaktor

Coronavirus Warnung

+++ Deutlicher Anstieg von Coronavirus-Nachweisen im Abwasser – Armut als Risikofaktor für Long Covid ­– Experte zu Kritik an Masken in Öffis: „Nichts gelernt“ – NIG aktualisierte Empfehlung mit neuen Impfstoffen – Laborfehler bei PCR-Tests: 20 Todesfälle in Großbritannien +++

Deutlicher Anstieg von Coronavirus-Nachweisen im Abwasser

Die laufenden Analysen auf das Vorkommen von SARS-CoV-2 im Abwasser haben zuletzt in den meisten Bundesländern einen deutlichen Anstieg von Coronavirus-Nachweisen gezeigt. Die Zahl der positiven Tests in der Bevölkerung stagniere zwar nahezu noch in allen Altersgruppen, berichtete das Covid-Prognosekonsortium in seinem am Mittwoch, 30.11., veröffentlichten Update. Vergangene Wellen hatten sich jedoch auch durch einen Zeitverzug des Anstiegs gegenüber dem Abwassersignal ausgezeichnet.

Der Anteil der Varianten BQ.1, BQ.1.1 und BQ.1.10 wuchs von 21,2 Prozent in der Kalenderwoche 45 auf rund 30 Prozent in der vorletzten KW 46. Aufgrund des zunehmenden Anteils dieser Varianten lasse sich eine Beschleunigung des Infektionsgeschehens erwarten, erläuterten die Experten von TU Wien, MedUni Wien und Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Inwiefern bzw. ab wann sich dies in gemeldeten Positivtestungen widerspiegelt, sei „nicht abschätzbar“.

Es bestehe jedenfalls kein Grund zur Annahme, dass diese Omikron-Subvarianten zu verstärkten Hospitalisierungen führen. Daher ist nicht davon auszugehen, dass eine wesentlich höhere Covid-spezifische Systembelastung als in den vergangenen beiden Infektionswellen im Juli sowie im Oktober zu verzeichnen sein wird, hieß es weiter.

Laut der aktuellen Prognose kommt es in den kommenden beiden Wochen zu leicht steigenden Belagsständen in den Spitälern. Am 14. Dezember werden österreichweit auf den Normalstationen 738 bis 1.193 mit Infizierten belegte Betten erwartet, mit einem Mittelwert von 938 Betten nach 878 am (gestrigen) Dienstag. Der Covid-Belag auf den Intensivstationen dürfte mit 66 Schwerstkranken im Mittelwert gleich bleiben (Schwankungsbreite 48 bis 92 Betroffene). (APA)

Armut als Risikofaktor für Long Covid

Trotz relativ niedriger Covid-Infektionszahlen in Österreich und anderen Ländern ist Long Covid nach wie vor ein Thema. Eine große Studie aus der Schweiz hat einige Risikofaktoren identifiziert, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftretens von Long Covid erhöhen. Dazu gehört neben bestimmten Vorerkrankungen auch die soziale Situation.

Von Long Covid sind v.a. junge Menschen betroffen. In der Schweizer Studie wurden mehr als tausend Kinder und Jugendliche (von sechs Monaten bis 17 Jahren) auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 getestet, wovon etwa die Hälfte positiv war. Durchgeführt wurde die Studie zwischen Dezember 2021 und Februar 2022. Langzeitsymptome (Symptome mehr als drei Monaten nach der Infektion) hatten v.a. die Teenager, und zwar bis zu acht Prozent von ihnen, sagt der Schweizer Mediziner und Forscher Idris Gouessous vom Universitätsspital Genf.

Zu den häufigsten Beschwerden gehörten Bauchschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Konzentrationsschwierigkeiten. Nicht nur chronische Vorerkrankungen (v.a. Asthma) erhöhten das Erkrankungsrisiko, sondern auch sozioökonomische Faktoren: je schwieriger die finanzielle Situation des Haushalts, in dem man lebt, desto größer das Risiko für Long Covid.

Dafür gibt es mehrere Ursachen: In ärmeren Haushalten bleiben Cluster länger bestehen, wodurch das Risiko, sich zu infizieren und wieder zu infizieren, höher ist. Weitere Faktoren sind der meist engere Wohnraum und schlechtere Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen. Damit müsse man sich auseinandersetzen und überlegen, wie man den Jungen eine bessere Versorgung zukommen lassen könne, so Gouessous. (ORF/red)

Experte zu Kritik an Masken in Öffis: „Nichts gelernt“

Immer wieder wird derzeit über die in Wien weiterhin geltende Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln diskutiert. Thomas Czypionka von der Abteilung Health Economics and Health Policy des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien sieht darin eine sinnvolle Maßnahme und kritisiert, „dass es in Österreich nicht gelungen ist, etwas aus der Pandemie zu lernen und stärker daraus hervorzugehen“.

„Es wäre für uns alle besser gewesen, wenn wir gelernt hätten, dass es Sinn macht, im Winter vermehrt an Orten mit hohem Risiko Maske zu tragen“, schrieb der Gesundheitsökonom am Samstag, 26.11., auf Twitter. In dem langen Thread erläuterte Czypionka seine Einstellung pro Maskenpflicht: Je höher die Aerosolbelastung, desto kürzer die notwendige Kontaktzeit, das heißt „auch innert 5 Minuten kann ich mich anstecken, wenn 60 Leute in einem Straßenbahnwaggon Aerosole produzieren“. Eine Übertragung durch Tröpfchen benötige „überhaupt nur eine Sekunde, denn in den größeren Tröpfchen ist leicht bereits die minimale Infektionsdosis enthalten. Das ist in den Öffis von Bedeutung, da hier der Abstand sehr gering ist“.

Öffis würden in Clusteranalysen nur deshalb nicht aufscheinen, weil sich kaum jemand erinnert, wann genau er in welcher U-Bahn gewesen sei. Somit könne ein Cluster gar nicht identifiziert werden, gab der Experte zu bedenken. Für viele Personen und gerade Vulnerable seien die Öffis die einzige wesentliche Infektionsquelle und „gleichzeitig einer der wenigen Orte, den Vulnerable kaum meiden können.
Das Argument niedriger Covid-Zahlen und relativ geringer Spitalsauslastung lässt er nicht gelten: Aktuell kursieren massiv andere grippeähnliche Erkrankungen (ILIs) wie das Humane Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und zunehmend auch Influenza. „Gegen diese sind Masken noch wirksamer als gegen SARS-CoV-2“, so Czypionka.

In den Spitälern sei zudem „seit Beginn der Pandemie keine Ruhe, auch das Personal hat das Recht darauf, dass die Bevölkerung Rücksicht nimmt“. Man dürfe daher nicht „immer erst auf den nächsten Super-GAU warten, bevor gehandelt wird, der Super-GAU sei in diesem Fall „Covid+Influenza+ILIs“. In einigen Ländern gebe es die Maskenpflicht weiter, in vielen Ländern würden Masken empfohlen und dort werde das auch befolgt. (APA/red)

NIG aktualisierte Empfehlung mit neuen Impfstoffen

Einmal mehr hat das Nationale Impfgremium (NIG) seine Empfehlung für die Corona-Schutzimpfung aktualisiert. So wurden unter anderem der Protein-Impfstoff von Sanofi und der Variantenimpfstoff für Kinder ab fünf Jahren von BioNTech/Pfizer in die Empfehlung aufgenommen. Zudem wurde konkretisiert, dass eine fünfte Impfung derzeit noch nicht allgemein empfohlen wird, sondern nur für Risikogruppen und Personen ab 60 Jahren, informierte das Gesundheitsministerium.

Um einen möglichst guten Schutz während der kalten Jahreszeit zu gewährleisten, empfehlen die Expert:innen weiterhin dringend den Abschluss der Grundimmunisierung sowie die Auffrischungsimpfung. Sie ist grundsätzlich für alle Personen ab zwölf Jahren möglich, besonders empfohlen wird sie aber Personen ab 60 Jahren und Risikopersonen.

Aus der Anwendungsempfehlung gestrichen wurden die zwei in der EU zugelassenen Vektorimpfstoffe. Vaxzevria von AstraZeneca und Janssen von Johnson & Johnson finden sich nicht mehr in der Anwendungsempfehlung. Die beiden Vakzine sind in der EU zugelassen, allerdings in Österreich nicht oder nur noch in geringer Menge verfügbar.

Neu in den Empfehlungen ist der Impfstoff von Sanofi (VidPrevtyn Beta), der frühestens in der kommenden Woche an den Impfstellen zur Verfügung stehen soll. Dabei handelt es sich um einen proteinbasierten Impfstoff, der bereits in der EU zugelassen wurde. In Österreich kann der Impfstoff ab der 3. Impfung eingesetzt werden. Eine Empfehlung für VidPrevtyn Beta spricht das NIG entsprechend der Zulassung für Personen ab 18 Jahren aus.

Für die dritte Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren kann nun auch der Variantenimpfstoff Comirnaty Original/Omicron BA.4-5 von BioNTech/Pfizer eingesetzt werden. Er ist speziell an die Virusvarianten Omikron BA.4 und 5 angepasst. Auch dieser Impfstoff wird frühestens in der kommenden Woche an den Impfstellen zur Verfügung stehen.

Ebenfalls in den Empfehlungen enthalten ist nunmehr eine Klarstellung speziell zu einer weiteren Auffrischungsimpfung, also der fünften Impfung. Risikopersonen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr und Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr können die zusätzliche Auffrischungsimpfung frühestens vier Monate nach der vierten Impfung erhalten. Für gesunde Personen unter 60 Jahren, insbesondere auch Personal im Gesundheitswesen unter 60 Jahren, ist nach Ansicht des NIG derzeit keine fünfte Impfung notwendig. (APA)

Laborfehler bei PCR-Tests: 20 Todesfälle in Großbritannien

In Großbritannien sind Schätzungen zufolge mindestens 20 Menschen gestorben, nachdem wegen eines Laborfehlers Zehntausende Corona-Tests fälschlich als negativ angezeigt wurden. Tausende Menschen vor allem in Südwestengland hätten daraufhin ihre Selbstisolation beendet und sich nicht mehr getestet, teilte die Gesundheitsbehörde UKHSA am Dienstag mit. Deswegen hätten sich vermutlich 55.000 Menschen zusätzlich infiziert. Der Bericht sprach von menschlichem Versagen.

Der Fehler habe dazu geführt, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen schätzungsweise um 680 und die der Todesfälle um gut 20 zugenommen habe. „Jeder fälschlich negative Test hat vermutlich zu mehr als zwei zusätzlichen Infektionen geführt“, hieß es. Betroffen seien rund 39.000 Tests zwischen dem 2. September und 12. Oktober 2021. Insgesamt hatte das private Labor in der Stadt Wolverhampton etwa 400.000 Tests untersucht. Das Unternehmen, das erst im Mai 2020 nach Beginn der Pandemie in Großbritannien registriert worden war, erhielt dafür von der Regierung ohne Ausschreibung einen Vertrag im Wert von 119 Millionen Pfund (137,75 Mio. Euro) und später weitere 50 Millionen Pfund für zusätzliche PCR-Tests. (APA/dpa)

LOGIN