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Schäden im Gehirn durch Covid-Erkrankung; EMA: neues Booster-Vakzin zugelassen

Coronavirus Warnung

+++ Covid-19 kann Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen – Covid-Prognose zeigt Spitalsrückgang und stabile Infektionen Ab sofort Corona-Impfung für Kleinkinder in Wien – EMA empfahl BA.4/5-Impfstoff auch für Kinder ab fünf Jahren – EMA ließ neuen Booster-Impfstoff zu – Gecko: Risiko für Long Covid bleibt ­– Speziell geschulte Hunde spüren Covid-Infizierte auf +++

Covid-19 kann Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen

Obwohl das Coronavirus keine Nervenzellen befällt, kann eine Covid-19-Erkrankung Gehirnfunktionen beeinträchtigen. Forschende der Uni und des Universitätsspitals Basel haben nun eine „überschießende Immunreaktion“ als Ursache eruiert. Bekannte neuronale Langzeitschäden einer Covid-19-Infektion sind der Verlust des Geruchs- und des Geschmackssinns oder noch heftigere Folgen wie anhaltende Konzentrationsschwächen bis hin zu Schlaganfällen, teilte die Uni Basel am Montag, 14.11., mit.

Forschende um Gregor Hutter vom Departement Biomedizin haben nun im Fachjournal „Nature Communications“ neue Erkenntnisse zu diesen „Neuro-Covid“-Phänomenen veröffentlicht (https://www.nature.com/articles/s41467-022-34068-0). Die Studie habe 40 Covid-19-Erkrankte mit unterschiedlich starken neurologischen Symptomen umfasst. Untersucht worden seien deren Nervenwasser und Blutplasma. Zudem seien die Hirnstrukturen vermessen worden.

Dabei wurde laut der Aussendung ein Zusammenhang mit einer „überschießenden Immunreaktion“ festgestellt. Das habe zum einen eine Beeinträchtigung der Blut-Hirn-Schranke zur Folge gehabt. Die Forschenden vermuten nun, dass durch die löchrige Schranke Autoantikörper ins Hirn gelangten und dort Schäden verursachten.

Darüber hinaus seien Veränderungen an Hirnstrukturen festgestellt worden, hieß es weiter. Betroffene mit schweren Symptomen hätten an spezifischen Stellen des Gehirns im Vergleich zu gesunden Probanden ein geringeres Volumen aufgewiesen. Das olfaktorische Zentrum, also das Riechareal, sei besonders betroffen gewesen.

Aus den Erkenntnissen der Studie ziehen die Basler Forschenden nun den Schluss, dass Wege gefunden werden müssten, die „überschießende Immunantwort“ früh zu erkennen und medikamentös zu bremsen. Ziel wäre ein Bluttest, der bereits zu Beginn einer Infektion schwere Verläufe und Langzeitschäden voraussagen könnte. Damit könnten Medikamente frühzeitig und gezielt auf die nun entdeckten Angriffspunkte gerichtet werden. (APA/ag)

Covid-Prognose zeigt Spitalsrückgang und stabile Infektionen

Die Modellrechner des Covid-Prognosekonsortiums erwarten in den kommenden beiden Wochen einen weiteren langsamen Rückgang der Infizierten in Spitälern. Der Belag auf Normalstationen dürfte von 909 am (gestrigen) Dienstag (15.11.) auf im Mittelwert 743 Betroffene am 30. November sinken, bei einer Schwankungsbreite von 585 bis 945 belegten Betten. Bei den gemeldeten Neuinfektionen zeigt sich indes eine Stagnation, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Update.

Auch das Abwassersignal lasse derzeit auf eine tendenziell konstante Entwicklung der Inzidenzen schließen, betonten die Experten von TU Wien, MedUni Wien und Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Laut Überwachung der Varianten durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) nahm der Anteil der neuen Mutationen BQ.1 bzw. BQ.1.1 in den vergangenen Wochen kontinuierlich auf aktuell 13 bis 14 Prozent zu. Für die aktuelle Prognose sei dieser Anstieg jedoch nicht relevant.

Auf den Intensivstationen dürfte die Zahl der Covid-Kranken von 75 am Vortag auf im Mittelwert 63 am Mittwoch in zwei Wochen sinken. Die Schwankungsbreite von 45 bis 88 zeigt aber, dass auch ein Anstieg möglich ist. Die 10-prozentige Auslastungsgrenze der Intensivstationen wird österreichweit zum Ende der Prognoseperiode nur mit 0,5 Prozent Wahrscheinlichkeit überschritten. Im Burgenland und in Vorarlberg ist dies jedoch mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit möglich. (APA)

Ab sofort Corona-Impfung für Kleinkinder in Wien

In Wien können ab heute, 16.11., Kleinkinder gegen das Coronavirus geimpft werden. Der Impfstoff für Kinder im Alter von sechs Monaten bis zum fünften Geburtstag ist angeliefert worden. Das Nationale Impfgremium (NIG) hat für diese Immunisierung für Kinder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 empfohlen.

Die Impfung wird aber auch gesunden Kindern ohne erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von Corona angeboten, wurde aus dem Büro des Gesundheitsstadtrates Peter Hacker (SPÖ) betont. Geimpft wird von Montag bis Samstag von 10.00 bis 18.00 Uhr in einem eigenen Bereich der Halle X3 im Austria Center Vienna, der besonders für Kleinkinder gestaltet worden ist. Zu beachten ist, dass die Kleinkinder nur in Anwesenheit einer obsorgeberechtigten Person geimpft werden können.

Laut Impfschema werden die ersten beiden Impfungen im Abstand von drei Wochen (21 Tage) verabreicht. Die dritte Impfung ist frühestens acht Wochen (56 Tage) nach der zweiten Impfung empfohlen. Der Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer wird in einer für diese Altersgruppen entsprechenden Dosierung von drei Mikrogramm angeboten. Das entspricht einem Zehntel der regulären Erwachsenen-Dosis. Der Impfstoff wird als Injektion in den Muskel des Oberarms oder des Oberschenkels verabreicht. Es wird empfohlen, sich auch bei dem Kinderarzt bzw. der Kinderärztin des Vertrauens hinsichtlich aller aufkommenden Fragen zu informieren. Aber auch an Ort und Stelle stehen Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung, alle etwaigen Fragen abzuklären. (APA)

EMA empfahl BA.4/5-Impfstoff auch für Kinder ab fünf Jahren

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassung des an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer auch für Kinder ab fünf Jahren empfohlen. Das teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Der für die Subvarianten BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff war bereits als Auffrischung für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen worden. Die EU-Kommission muss der Empfehlung noch zustimmen, das aber gilt als Formsache.

Die Experten erwarten einen breiteren Schutz gegen verschiedene Corona-Varianten. Die Hersteller wiesen auf Studien hin, nach denen 30 Tage nach der Impfung starke Immunantworten gegen die Subvarianten BA.4 und BA.5 bei Menschen über 18 Jahre festgestellt worden waren. Der angepasste Impfstoff sei ebenso verträglich und sicher wie das ursprüngliche Präparat. (APA/dpa)

EMA ließ neuen Booster-Impfstoff zu

Der Verband der Österreichischen Impfstoffhersteller (ÖVIH) hat das am vorigen Donnerstag (10.11.) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassene Sanofi/GSK-Serum begrüßt. Der Booster, basierend auf dem Beta-Stamm des SARS-CoV-2-Virus, ist ein sogenannter proteinbasierter Impfstoff und damit als Totimpfstoff zu kategorisieren. Da dieser in den nächsten Wochen auch hierzulande zur Verfügung stehen wird, habe man noch mehr Wahlmöglichkeiten.

„Wir erleben jetzt quasi in Echtzeit, wie die Impfstoffforschung voranschreitet und immer mehr Impfstoffe von weiteren Firmen auf den Markt kommen“, freute sich ÖVIH-Präsidentin Renée Gallo-Daniel. „Das ist aus mehreren Gründen ein gutes Zeichen.“

Als Basis für den Impfstoff wurde der Beta-Stamm verwendet, der sich 2021 von Südafrika ausgehend über die Welt verbreitet hat. Damit dürfte er eine breitere Art der Immunantwort erzeugen als die bivalenten Booster-Impfstoffe, die das Ursprungsvirus als auch eine Omikron-Variante enthalten. Zudem weise der Sanofi/GSK-Impfstoff eine sehr gute Verträglichkeit auf.

Die Regierung hat den Impfstoff im Rahmen des European Advanced Purchase Agreements für Österreich gekauft. Es sei zu erwarten, dass das Nationale Impfgremium in Kürze darüber beraten wird, wie und für welche Gruppen er in Österreich zu verwenden sein wird. Da der Impfstoff bereits vorproduziert wurde, dürfte die erste Lieferung bereits in den nächsten Wochen in Österreich eintreffen. (APA/ag)

Gecko: Risiko für Long Covid bleibt

Das Risiko für Long Covid bleibt uns erhalten. Das hat die Gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination (Gecko) letzten Freitag (11.11.) in einem neuen Bericht festgestellt. Demnach wurden in Österreich bis Ende August 5.768 stationäre Spitalsaufenthalte von 4.949 Patientinnen und Patienten mit Post-Covid-19-Zustand registriert, davon wurden 610 Kranke auf Intensivstationen gepflegt.

Der Gecko-Bericht verweist auch auf ein gewisses Todesrisiko durch Long-Covid: Demnach sind 4,2 Prozent aller hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit Long Covid verstorben. Bei den Kranken auf Intensivstationen waren es wenig verwunderlich gar 12,5 Prozent.

Gecko verwies auf Studiendaten aus den USA, dass Millionen Menschen von Long Covid und damit von chronischen Erkrankungen betroffen sind. Das wiederum hat weitreichende Auswirkungen, etwa auf die Erwerbsbeteiligung, die wirtschaftliche Produktivität und das gesellschaftliche Wohlergehen, wie die Kommission schrieb. Auch das Gesundheitssystem ist betroffen, weil durch Long Covid mehr Menschen auf dauerhafte Versorgung angewiesen sein werden. Die schlechte Nachricht hatte Gecko zum Schluss: „Einen Durchbruch in der Behandlung von Long COVID hat es trotz diverser Therapieansätze aber bisher noch nicht gegeben“, heißt es in dem Bericht.

Gecko gab auch ein Update zu neuen Corona-Varianten. „In den vergangenen Wochen war die Entwicklung und Beschreibung neuer SARS-CoV-2-Virusvarianten sehr dynamisch“, schrieb die Kommission in dem Bericht. Auf der Basis der global verbreiteten Omikron-Varianten, insbesondere BA.2 und BA.5, hätten sich mehrere Subvarianten ausgebildet, die regional zum Teil erhebliche Wachstumsvorteile zeigen würden. „Diese Entwicklung setzt sich weiter fort.“ Dabei gelten die Varianten BQ.1. (eine Sub-Variante von BA.5.3) und XBB.1. (eine Rekombinante aus BJ.1 und BA.2.75) als Typen mit Potenzial, globale Dominanz zu erlangen. In Österreich nimmt der Anteil der neuen Mutationen BQ.1, BQ.1.1 und BF.7 weiter zu. (APA)

Speziell geschulte Hunde spüren Covid-Infizierte auf

Spürhunde können Corona-Infektionen erschnüffeln und sind für den Einsatz bei Großveranstaltungen geeignet. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), die in „BMJ Global Health“ vorgestellt wird (https://gh.bmj.com/content/7/11/e010276). Die Tiere seien sogar in der Lage, Infektionen zu identifizieren, bevor der PCR-Test positiv sei, sagte Studienleiter Holger Volk, Leiter der Klinik für Kleintiere an der TiHo. „Der Hund ist in diesem Fall ein Frühwarnsystem.“

Obwohl inzwischen die meisten staatlichen Corona-Einschränkungen aufgehoben wurden, könnten die Spürhunde immer noch von Nutzen sein, glaubt der Professor für Tiermedizin. „Große Firmen wie Continental oder Volkswagen hätten mit ihnen ein relativ günstiges Screening-Tool, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen.“ In einem Projekt der Universitätsmedizin Mainz wird derzeit der Einsatz von Corona-Spürhunden in Pflegeheimen getestet.

Für die niedersächsische Studie „Back to Culture“ waren bei vier Konzerten im September und Oktober 2021 in Hannover Schweißproben genommen worden. Die Besucherinnen und Besucher hatten zudem am Tag des Konzerts Abstriche für einen Antigen-Schnelltest und einen PCR-Test abgegeben. Für insgesamt 2.802 Teilnehmerinnen und Teilnehmer lagen letztlich Schweißproben, Testergebnisse sowie Auskünfte unter anderem zum Impfstatus und zu chronischen Krankheiten vor.

Wie die TiHo berichtet, erkannten die acht speziell trainierten Hunde die Sars-Cov-2-negativen Proben zu 99,9 Prozent und die Sars-Cov-2-positiven Proben zu 81,6 Prozent. Die Studie zeige, dass Hunde nicht nur unter Laborbedingungen, sondern auch im Alltag Proben zuverlässig unterscheiden können, betonte Studienleiter Volk.

Die TiHo will weiter mit Corona-Spürhunden forschen. Hunde werden den Wissenschaftern zufolge zunehmend zur Geruchserkennung in der Medizin eingesetzt. Sie seien zum Beispiel in der Lage, verschiedene Krebsarten, Malaria sowie einige bakterielle und virale Infektionen zu erkennen.

Schäferhündin „Fantasy for Ever“ und Rottweiler „Hades“ sind auch beim österreichischen Bundesheer zu Corona-Spürhunden ausgebildet worden. Ihre Erfolgsquote lag bei mehr als 80 Prozent, hieß es im November 2021 bei einer Pressekonferenz in Wien. Federführung war das Militärhundezentrum in Kaisersteinbruch an dem Projekt beteiligt. Aktuelle Einsätze gab es in Sachen Corona aber nicht, da es verlässliche und schnelle Tests gibt. (APA/dpa)

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