Home / Medizin / Prognose: stagnierende Fallzahlen; hohe Ausgaben für Corona-Tests

Prognose: stagnierende Fallzahlen; hohe Ausgaben für Corona-Tests

Coronavirus Warnung

+++ Corona-Prognose rechnet mit Stagnation der Fallzahlen – Biontech: Angepasstes Vakzin wirksamer gegen Omikron – ­Österreich hat bis jetzt 4 Mrd. für Corona-Tests ausgegeben –Gesundheitsausschuss: Basis für Corona-Impf-Erinnerungen beschlossen – Starke Reduktion von Neuinfektionen nach Tiroler Impfaktion +++

Corona-Prognose rechnet mit Stagnation der Fallzahlen

Das Corona-Infektionsgeschehen wird sich in den kommenden Tagen den Erwartungen des Prognosekonsortiums zufolge kaum beschleunigen. „Es zeigt sich eine Stagnation der gemeldeten Fallzahlen. In keiner Altersgruppe und keinem Bundesland sind substanzielle Anstiege zu verzeichnen. Auch das Abwassersignal lässt derzeit auf eine tendenziell konstante Entwicklung schließen“, hieß es in der am Mittwoch, 9. November, veröffentlichten Prognose.

Als Unsicherheitsfaktor weist das Konsortium das Wetter aus: Geänderte Witterungsbedingungen „könnten allerdings in der Prognoseperiode zu das Infektionsgeschehen treibenden saisonalen Effekten führen“. Bei den Varianten nimmt der Anteil der Mutationen BQ.1, BQ.1.1 und BF.7 weiter zu. Dieses Wachstum habe sich in der vergangenen Woche allerdings etwas verlangsamt und sei somit für die Prognoseperiode „noch nicht relevant“.

Die Belagsprognose geht von einem leichten Rückgang der Hospitalisierungen aus: Für den letzten Prognosetag, den 23. November, sollten demnach zwischen 696 bis maximal 1.137 Betten mit Covid-Patienten belegt sein, so das Konsortium. Mit Stand Dienstagvormittag wurden 1.190 Infizierte in den heimischen Krankenhäusern behandelt, 78 von ihnen auf Intensivstationen. Die Zahl der Intensivpatienten steigt mit dem letzten Prognosetag am 23. November im schlechtesten Fall auf 96, der Mittelwert geht von 69 Intensivpatienten aus. (APA)

Biontech: Angepasstes Vakzin wirksamer gegen Omikron

Eine Auffrischung mit dem an die aktuell vorherrschenden Omikron-Sublinien BA.4/BA.5 angepassten Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer ist nach Unternehmensangaben gegen diese deutlich wirksamer als das ursprüngliche Vakzin. Neue Daten aus einer laufenden klinischen Studie zeigten einen Anstieg der neutralisierenden Antikörper in der Altersgruppe der über 55-Jährigen um das etwa Vierfache im Vergleich zu Personen, die mit dem ursprünglichen Vakzin geimpft wurden.

Beide Messungen wurden den Angaben zufolge einen Monat nach der Auffrischung ermittelt. Im Vergleich zu den Werten vor einer Auffrischungsimpfung wurde in der Gruppe der 18- bis 55-Jährigen ebenfalls einen Monat nach dieser Impfung ein Anstieg der sogenannten Antikörpertiter um das 9,5-Fache festgestellt. In der Gruppe der über 55-Jährigen gab es einen 13,2-fachen Anstieg. Beide Impfstoffe zeigten eine vergleichbare Sicherheit und Verträglichkeit, teilten die Unternehmen mit. Für die Studie wurde Blut von Dutzenden Menschen untersucht. Der BA.4/BA.5-Booster von Biontech/Pfizer ist seit Mitte September in der EU zugelassen. Er enthält Wirkstoffe gegen die ursprüngliche Corona-Variante und gegen die Omikron-Sublinien BA.4/BA.5. (APA/dpa)

Österreich hat bis jetzt 4 Mrd. für Corona-Tests ausgegeben

Österreich hat bis jetzt vier Milliarden Euro für Corona-Tests ausgegeben und damit um ein Vielfaches mehr als für Corona-Impfungen. Allein das Gesundheitsministerium zahlte bis Juni 2022 insgesamt 2,92 Mrd. Euro für Tests in Apotheken, Teststraßen, Wohnzimmertests, das Wiener Programm „Alles Gurgelt“ und dergleichen. Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des NEOS-Abgeordneten Gerald Loacker hervor, über die die Tageszeitung „Österreich“ berichtete.

„Vier Milliarden Euro ist ungefähr so viel wie das gesamte Budget für die Universitäten. Oder genau so viel wie das heurige Paket für die Pensionserhöhung“, kritisiert Loacker. „Die vier Milliarden Euro für Tests haben Österreich nichts gebracht.“ Österreich habe denselben Pandemieverlauf wie die Schweiz oder Deutschland mit sogar mehr Covid-Toten auf 1.000 Einwohner als die beiden Nachbarländer. „Das Geld wurde weitgehend sinnlos verbrannt.“ Das Innenministerium habe Polizisten sogar das Geld für private Antikörpertests zurückgezahlt, so Loacker im Gespräch mit der APA am Montag, 7.11.

Damit hat Österreich deutlich mehr für Tests als für Impfungen ausgegeben. Bis Ende April 2022 wurden knapp 475 Millionen Euro für Corona-Impfstoffe bezahlt, wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ hervorgeht. Insgesamt wurden rund 37,87 Millionen Impfdosen an Österreich ausgeliefert, davon entfielen mit 23,51 Millionen mit Abstand am meisten auf den Hersteller Biontech/Pfizer. (APA/red)

Gesundheitsausschuss: Basis für Corona-Impf-Erinnerungen beschlossen

Der Gesundheitsausschuss hat am Montag die rechtliche Grundlage für den Versand von Erinnerungsschreiben für Corona-Impfungen geschaffen. Mit den Stimmen von ÖVP und Grünen wurde die nötige Änderung des Epidemiegesetzes beschlossen – und damit eine Empfehlung der Datenschutzbehörde aufgegriffen, wie Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) erklärte. Mit der praktischen Umsetzung werde die ELGA GmbH beauftragt.

Erinnerungsschreiben zur COVID-19-Impfung sollen angesichts der jüngsten Empfehlung des Nationalen Impfgremiums für den dritten Stich (also die Vervollständigung der Immunisierung) ab fünf Jahren verschickt werden. Um die Betroffenen dafür zu sensibilisieren bzw. die Bereitschaft für die Impfung zu erhöhen, wurde der Gesundheitsminister mit der Gesetzesänderung ermächtigt, personalisierte Erinnerungsschreiben zu versenden. Die ELGA GmbH soll anhand der im zentralen Impfregister gespeicherten Corona-bezogenen Angaben jene Personen ermitteln, für die die Vervollständigung der Grundimmunisierung oder eine Auffrischung empfohlen wird.
Das Epidemiegesetz soll rundum erneuert werden, kündigte Rauch an; einen entsprechenden Entwurf will er nächstes Jahr vorlegen. Außerdem werde 2023 ein umfassender Pandemieplan präsentiert. (APA)

Starke Reduktion von Neuinfektionen nach Tiroler Impfaktion

Eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck hat nach der breit angelegten Impfaktion im Tiroler Bezirk Schwaz im Frühjahr 2021 eine mehr als 90-prozentige Reduktion von Neuinfektionen über einen Zeitraum von sechs Monaten nachgewiesen. 67 Prozent der impfbaren Bevölkerung waren im März (erste Dosis) bzw. April (zweite Dosis) mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin immunisiert worden. Studienleiter Peter Willeit betonte vor allem den zeitlichen Aspekt.

So zeichne sich die Studie vor allem dadurch aus, dass sie zeige, „wie sich die rasche Impfung eines Großteils der Bevölkerung auf die Häufigkeit von SARS-CoV-2-Infektionen auswirkte, insbesondere im Vergleich zu anderen Tiroler Bezirken, in denen die Ausrollung der Impfungen langsamer erfolgte“, führte der Professor für Epidemiologie und Public Health in einer Aussendung aus. Vergleichbare Studien gebe es nur aus Israel, wo eine ähnliche Durchimpfungsrate über einen Zeitraum von vier Monaten erzielt werden konnte, unterstrich Willeit.

In der vom Land geförderten „REDUCE“-Studie wurde die Wirksamkeit der Impfkampagne auf Basis der Daten von knapp 12.000 Personen erfasst. Im Durchschnitt war die Studienpopulation 44,6 Jahre alt, etwas mehr als die Hälfte war weiblich. Zwischen März und September 2021 erkrankten 71 der Teilnehmenden an Corona, zwei Drittel davon hatten Symptome. „Bemerkenswert“ fand Willeit, dass in der gesamten Studie nur eine Person wegen der Infektion ins Krankenhaus aufgenommen werden musste und es keinen Todesfall im Zusammenhang mit der Infektion gegeben habe.

Die Effektivität der Sonder-Impfaktion in Bezug auf die Reduktion der Häufigkeit von SARS-CoV-2-Infektionen habe damit im Vergleich zur langsameren Ausrollung der Impfungen in anderen Bezirken 91,1 Prozent im Zeitraum von sechs Monaten betragen ­– ein Wert, der auch den Ergebnissen der Zulassungsstudien des Impfstoffes entspreche. „Von diesem Ergebnis lässt sich also ableiten, dass es ohne die Sonder-Impfaktion wahrscheinlich wohl mehr als zehn Mal so viele Infektionen bei den Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern gegeben hätte“, erklärte Willeit. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung des Bezirks Schwaz ergebe sich durch die Sonder-Impfaktion für denselben Zeitraum eine ebenso signifikante Senkung des Infektionsrisikos von 64 Prozent.

Die Impfaktion in dem Unterländer Bezirk war Mitte März 2021 nach heftigem politischem Tauziehen gestartet worden. Ein zusätzliches EU-Kontingent von 100.000 Dosen der Biontech/Pfizer-Impfung gegen Covid-19 hatte nach einem Ausbruch der „Südafrika-Variante“ die Sonder-Impfaktion in Schwaz ermöglicht. Zwei Drittel der in Frage kommenden Bevölkerung, insgesamt über 42.000 Personen, hatten daraufhin innerhalb von sechs Tagen die erste Impfdosis verabreicht bekommen. Die zweite Impfung hatten dann etwa 99,5 Prozent der Erstgeimpften im empfohlenen zeitlichen Abstand bekommen. Das Land unterstützte die Durchführung der „REDUCE“-Studie mit 250.000 Euro. Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden im „Cell-Journal iScience“ veröffentlicht. Eine Fortsetzung der Untersuchung, die auch Booster-Impfungen berücksichtigt, war im Gange, hieß es. (APA)

LOGIN