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EMA: weiteres Omikron-Vakzin zugelassen; neue Erkenntnisse zu chronischer Fatigue

Coronavirus Warnung

+++ EMA erteilte Vakzin gegen Omikron BA.4/5 die Zulassung – Zeitlinger: Nicht lange auf BA.4/5-Impfstoff warten – Chronisches Fatigue-Syndrom auch nach leichtem Verlauf – 17 Mio. Menschen in Europa laut WHO mit Long-Covid-Symptomen – Forscher wollen Virus-Mutationen wie Wetter vorhersagen – Spitalszahlen weiter stabil – Experten erwarten Ende des sommerlichen Infektionsrückgangs – Initiative will für saubere Luft im Klassenzimmer kämpfen – Einheitliche Infektions-Statistik seit Dienstag +++

EMA erteilte Vakzin gegen Omikron BA.4/5 die Zulassung

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am Montag, 12.9., einen Corona-Impfstoff zugelassen, der auch gegen die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 wirkt. Die in Amsterdam ansässige EMA erklärte, die Zulassung dieses Impfstoffs von Biontech/Pfizer erweitere noch einmal das Impf-Arsenal, um sich mit Blick auf den nahenden Herbst und Winter vor Covid-19 schützen zu können.

Bei dem nun zugelassenen Vakzin handelt es sich um einen sogenannten bivalenten Corona-Impfstoff, der sowohl auf die Abwehr der ursprünglichen Form des Coronavirus ausgerichtet ist als auch auf BA.4 und BA.5, die derzeit dominanten Subtypen der Omikron-Variante des Coronavirus.

Am 1. September hatte die EMA die ersten auf die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoffe zugelassen. Die beiden betreffenden Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zielen auf die Omikron-Subvariante BA.1 ab.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurde in der EU mit Corona-Vakzinen geimpft, die vor rund 20 Monaten zugelassen wurden. Auch sie bieten einen gewissen Schutz gegen die Omikron-Variante.

Für Österreich bedeutet das, dass nach der Zulassung durch die Europäische Kommission das Nationale Impfgremium (NIG) bald seine Empfehlungen aussprechen wird. Diese sollen bereits in den kommenden Tagen vorliegen. Mit einer ersten Lieferung dieses Variantenimpfstoffes nach Österreich könne bereits ab der kommenden Woche gerechnet werden.

"Mit den neuen angepassten Impfstoffen stehen uns zusätzliche Werkzeuge zur Verfügung, um die Bevölkerung vor einer schweren Corona-Erkrankung schützen zu können", sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in einer Stellungnahme. "Für einen optimal anhaltenden Schutz sind sie für die Auffrischungsimpfungen besonders wichtig. Die Impfungen sind eine der wichtigsten Maßnahmen, damit wir gut durch den Herbst und Winter kommen." Rauch appellierte: "Holen Sie sich in den kommenden Wochen Ihre Auffrischungsimpfung und schützen Sie sich." (APA/AFP)

Zeitlinger: Nicht lange auf BA.4/5-Impfstoff warten

Soll man für den Booster zum Ursprungsserum greifen, den neuen BA.1-Impfstoff wählen oder gar auf die bald verfügbare BA.4/5-Vakzinvariante warten? Für den klinischen Pharmakologen Markus Zeitlinger ist die Sache klar: "Ich würde keine zwei Monate warten." Liegen jedoch alle drei Seren vor ihm auf dem Tisch, würde sich der Fachmann für den neuesten Impfstoff entscheiden.

Die beiden neueren Seren sind bivalente Impfstoffe, die neben den Wirkstoffen gegen BA.1 bzw. BA.4/5 zur Hälfte auch jenen gegen das Ursprungsvirus enthalten. Dies laut Zeitlinger deshalb, weil sich die neuen Varianten jeweils aus diesem entwickelt haben. Und so sei man auch gegen weitere Mutationen besser geschützt.

Warum gibt es dann keinen Impfstoff, der sowohl gegen die Ursprungsvariante als auch gegen BA.1 sowie BA.4/5 wirkt? Weil man die Menge der Wirkstoffe nicht zu sehr erhöhen kann, weil dies möglicherweise Unverträglichkeiten hervorrufen würde. Andererseits kann man die Gesamtmenge nicht auf zu viele Bestandteile aufteilen, weil man sonst nicht den gewünschten Effekt erzielen würde, so der Fachmann.

Der Unterschied zwischen dem Ursprungsimpfstoff und BA.1 sei zudem nicht sehr groß. Hatte man vor dem Booster einen Titer von 500 waren es dann 5.000, beim angepassten BA.1 waren es danach 7.500. "Das macht das Kraut nicht fett." BA.4/5 sollte laut Zeitlinger noch besser wirken, allerdings gibt es dafür keine klinischen Daten, da dieser Impfstoff nach dem Verfahren analog zur Grippeimpfung und deren Stämmen zugelassen wurde. "Ausgehend von den Erfahrungen mit BA.1 wird BA.4/5 besser wirken, aber man weiß es noch nicht. Aber es wird kein Riesenunterschied sein."

Womit man sich impfen soll, sei eine individuelle Entscheidung. Bereits in der nächsten Woche sollen in Österreich Hunderttausende BA.1-Impfstoffe zur Verfügung stehen – "und ich würde mich extrem wundern, wenn man sich das nicht aussuchen könnte." Und es spreche nichts dagegen, sich nach dem Booster mit BA.1 in drei, vier Monaten die nächste Auffrischung mit dem dann aktuellen Impfstoff zu holen. Vielleicht gebe es dann schon wieder die nächste Variante, meinte Zeitlinger. (APA)

Chronische Fatigue auch nach leichtem Verlauf

Seit Beginn der Pandemie wird vermutet, dass Covid-19 auch ein Chronisches Fatigue-Syndrom mit stark verminderter Leistungsfähigkeit, Abgeschlagenheit etc. auslösen kann. Wissenschafter der Berliner Universitätsklinik Charité haben jetzt diese Annahme bestätigt. Es handelt sich um keine psychosomatische Störung, sondern um ein organisches Leiden. Ein wichtiges Diagnosekriterium könnte die Messung der Handkraft sein.

Die Wissenschafter von der Berliner Universitätsklinik und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin haben ihre Erkenntnisse vor kurzem in "Nature Communications" publiziert (https://www.nature.com/articles/s41467-022-32507-6). Das Chronische Fatigue-Syndrom ME/CFS ist charakterisiert durch eine Schwäche bzw. eine übermäßige Ermüdbarkeit der Muskulatur. Die Wissenschafter unter Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité zeigte zunächst, dass ein Teil der Covid-19-Erkrankten auch nach mildem Verlauf das Vollbild einer solchen Erkrankung als Komplikation einer SARS-CoV-2-Infektion entwickelt.

"Bereits in der ersten Welle der Pandemie entstand der Verdacht, dass Covid-19 ein Trigger für ME/CFS sein könnte", wurde Scheibenbogen in einer Aussendung der Berliner Universitätsklinik zitiert. Die Expertin leitet das Charité Fatigue Centrum, das auf die Diagnostik von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) spezialisiert ist.

Das Zentrum wurde bereits im Sommer 2020 etabliert. Seither mehrten sich die Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Covid-19 und den langfristigen Komplikationen. "Diese Annahme wissenschaftlich zu belegen, ist jedoch nicht trivial", erklärte die Expertin. "Das liegt auch daran, dass ME/CFS noch wenig erforscht ist und es keine einheitlichen Diagnosekriterien gibt. Durch eine sehr gründliche Diagnostik und einen umfassenden Vergleich mit ME/CFS-Betroffenen, die nach anderen Infektionen erkrankt waren, konnten wir jetzt aber nachweisen, dass ME/CFS durch Covid-19 ausgelöst werden kann."

Für die Studie untersuchten die Wissenschafter 42 Personen, die sich mindestens sechs Monate nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion an das Charité Fatigue Centrum gewandt hatten, weil sie noch immer stark an krankhaften Erschöpfungszuständen und einer eingeschränkten Belastungsfähigkeit in ihrem Alltag litten. Die meisten von ihnen konnten lediglich zwei bis vier Stunden am Tag einer leichten Beschäftigung nachgehen, einige waren arbeitsunfähig und konnten sich kaum noch selbst versorgen.

Die Schwere der überstandenen Covid-19-Erkrankung war offenbar nicht entscheidend. Die Berliner Universitätsklinik: "Während der akuten SARS-CoV-2-Infektion hatten nur drei der 42 Patienten ein Krankenhaus aufgesucht, aber keine Sauerstoffgabe benötigt. 32 von ihnen hatten einen nach der WHO-Klassifizierung milden Covid-19-Verlauf durchlebt, also keine Lungenentzündung entwickelt, in der Regel jedoch ein bis zwei Wochen lang starke Krankheitssymptome wie Fieber, Husten, Muskel- und Gliederschmerzen empfunden." Da die SARS-CoV-2-Infektion in der ersten Welle der Pandemie stattgefunden hatte, war keine der in die Studie eingeschlossenen Personen zuvor geimpft worden.

Etwa die Hälfte der untersuchten Patienten erfüllte nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion die Kriterien für das Vollbild einer ME/CFS-Erkrankung. Neben der Erfassung der Symptome ermittelten die Wissenschafter verschiedene Laborwerte und setzten sie in Beziehung zur Handkraft der Erkrankten, die bei den meisten vermindert war. "Bei den Betroffenen mit ME/CFS korrelierte die Handkraft mit dem Hormon NT-proBNP, das von Muskelzellen bei zu schlechter Sauerstoffversorgung ausgeschüttet werden kann. Das könnte darauf hinweisen, dass bei ihnen eine verminderte Durchblutung für die Muskelschwäche verantwortlich ist", sagte Scheibenbogen. Die Konzentration von NT-proBNP im Blut ist ein Marker für eine Muskelschädigung und wird zum Beispiel seit Jahren auch dazu verwendet, eine akute Herzschwäche zu diagnostizieren.

Die neuen Erkenntnisse könnten zur Entwicklung spezifischer Therapien für das Post-Covid-Syndrom und ME/CFS beitragen. "Unsere Daten liefern aber auch einen weiteren Beleg dafür, dass es sich bei ME/CFS nicht um eine psychosomatische, sondern um eine schwerwiegende körperliche Erkrankung handelt, die man mit objektiven Untersuchungsmethoden erfassen kann", betonte Scheibenbogen. "Leider können wir ME/CFS aktuell nur symptomatisch behandeln."

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die zumeist durch einen Infekt ausgelöst wird und oft einen chronischen Verlauf nimmt. Hauptmerkmal ist die sogenannte "Postexertionelle Malaise", eine ausgeprägte Verstärkung der Beschwerden nach geringer körperlicher oder geistiger Belastung, die erst nach mehreren Stunden oder am Folgetag einsetzt und mindestens bis zum nächsten, aber oft auch mehrere Tage oder länger anhält. Sie ist verbunden mit körperlicher Schwäche, häufig Kopf- oder Muskelschmerzen sowie kognitiven und immunologischen Symptomen. Die Häufigkeit von ME/CFS in der Bevölkerung wurde weltweit bereits vor der Covid-19-Pandemie auf etwa 0,3 Prozent geschätzt. Als Auslöser für ME/CFS waren bisher vor allem virale Krankheitserreger wie das Epstein-Barr-Virus, das Dengue-Virus und Enteroviren bekannt. Auch unter den Personen, die sich 2002/2003 mit dem ersten SARS-Coronavirus infizierten, wurden ME/CFS-Fälle beobachtet. (APA)

17 Mio. Menschen in Europa laut WHO mit Long-Covid-Symptomen

Geschätzt mindestens 17 Millionen Menschen in Europa waren einer für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführten Analyse zufolge in den ersten beiden Jahren der Pandemie von Long-Covid-Symptomen betroffen. Für die Modellrechnung hatte die Universität Washington Fälle in 53 europäischen Staaten ausgewertet, wie das Europa-Büro der WHO am Dienstag, 13.9., mitteilte. Als Kriterium galt eine Symptomdauer von mindestens drei Monaten in den Jahren 2020 und/oder 2021.

Die Untersuchung deute darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, an Long Covid zu erkranken, bei Frauen doppelt so hoch ist wie bei Männern, teilte die WHO weiter mit. Außerdem steige das Long-Covid-Risiko nach einer schweren Corona-Infektion, zu deren Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich war, drastisch. Der Modellrechnung zufolge habe eine von drei betroffenen Frauen und einer von fünf betroffenen Männern nach einem so schweren Verlauf mit Symptomen von Long Covid zu kämpfen.

"Wir müssen zwar noch viel über Long Covid lernen", sagte der Direktor der in Kopenhagen ansässigen WHO-Region Europa, Hans Kluge, während einer WHO-Tagung in Tel Aviv. "Aber diese Daten machen deutlich, dass wir dringend mehr Analysen, mehr Investitionen, mehr Unterstützung und mehr Solidarität mit den Betroffenen brauchen." Millionen Menschen litten in den Monaten nach einer Corona-Infektion unter schwächenden Symptomen. "Sie dürfen nicht weiter im Stillen leiden. Regierungen und Gesundheitspartner müssen zusammenarbeiten, um Lösungen auf der Grundlage von Forschung und Nachweisen zu finden."

Weltweit waren der Untersuchung zufolge geschätzt rund 145 Millionen Menschen in den ersten zwei Jahren der Pandemie von Long-Covid-Symptomen betroffen. (APA/dpa)

Forscher wollen Virus-Mutationen wie Wetter vorhersagen

Bei der Bekämpfung von viralen Infektionskrankheiten sind die hohen Mutationsraten der Erreger eine der größten Herausforderungen. Grazer Wissenschafter entwickeln eine Technologie, mit der sie die Evolution der Viren beobachten und voraussagen wollen, wie gefährlich die jeweilige Mutation für den Menschen werden kann, teilten die Uni Graz, das Austrian Center of Industrial Biotechnology (acib) und deren Bioinformatik-Start-up Innophore am Mittwoch, 14.9., mit.

Als die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus auf dem Markt waren, dachte man, dass endlich sichere Mittel dagegen verfügbar seien. Doch das Virus ist aufgrund seiner Mutationsfreude den Entwicklern von Impfstoffen immer einen Schritt voraus. Immer wieder bringen die zufälligen Veränderungen des Erbguts dem Virus Vorteile wie eine bessere Anpassung an die Umweltbedingungen. Das kann zu einer schnelleren Verbreitung oder auch schnelleres Eindringen in die Wirtszelle führen.

"Bei SARS-CoV-2 haben wir gesehen, wie schnell sich ständig neue Varianten bilden, die unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen. Deshalb ist es wichtig, dass es uns in Zukunft gelingt, rascher und präziser vorherzusagen, wie gefährlich ein Virus werden kann", erklärte Innophore-Geschäftsführer Christian Gruber. Seit 2020 beobachten die Grazer Forscher gemeinsam mit dem acib und der Universität Graz mithilfe von Sequenzierungen von Coronavirus-Genomen die Veränderung im Erbgut der Viren. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (AI) wollen sie deren Relevanz und Gefahr einschätzen. Und das nicht nur für die aktuelle Situation, sondern auch für potenzielle Mutationen – eine virale Wettervorhersage sozusagen.

Die Wissenschafter haben zunächst den strukturellen Aufbau des Virus erforscht. Sie wollen verstehen, wie und an welchem Platz es sich verändert, bzw. einschätzen, welche Stämme sich künftig wie verändern und welche das höchste Potenzial haben sich epidemisch durchzusetzen. Aus den bekannten Datensätzen erstellten sie ein Computermodell, mit dem sie alle denkbaren Virus-Varianten und das Zusammenspiel mit der menschlichen Zelle austesten können.

Wie die Grazer Forschenden erkannt und jüngst publiziert haben (https://doi.org/10.1038/s41598-022-18507-y), hängt im Fall von Covid-19 die Infektiosität stark mit der Bindung der CoV-2-Spike-Rezeptorbindungsdomäne (RBD) und dem menschlichen Rezeptor hACE2 zusammen. Die Punktwolken werden dazu verwendet, die Stärke der Bindung dieser Proteine zu berechnen, und so können Aussagen über die Infektiosität getroffen werden. Das wiederum ist ein wichtiger Indikator für die Infektiosität", erklärte Gruber.

Die Punktwolkenmethode beruht auf künstlicher Intelligenz und wird mit großen Datensätzen trainiert. Das erhöht die Genauigkeit und verbessert die Zuverlässigkeit der Vorhersagen. Dazu wird immense Rechenleistung benötigt. Die Einbindung von Simulationsleistung von Amazon Web Services habe die Geschwindigkeit der von Innophore durchgeführten Berechnungen um ein Vielfaches erhöht. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen ist im Rahmen der Amazon Web Services Diagnostic Development Initiative (DDI) entstanden und laut Innophore mittlerweile zu einer stabilen Kooperation gewachsen.

Gruber dachte bereits einen Schritt weiter: "Beim Abwassermonitoring wird gescannt, welche Virusvarianten sich im Abwasser befinden. Was man aber durch unsere Technologie zum ersten Mal kann, ist Abschätzungen auch bei gänzlich neuen, unbekannten Varianten, die man noch nicht entdeckt hat, zu treffen." Unter dem Stichwort "Abwassermonitoring 2.0" will man daher zusammen mit Kläranlagen österreichweit ein System etablieren, das über die Covid-19-Überwachung hinausgeht und die Überwachung sämtlicher ansteckenden Krankheiten erlaubt. So könnten auch lokal strengere Maßnahmen schnell eingeleitet werden, um eine mögliche Ausbreitung schnell zu verhindern. (APA)

Spitalszahlen weiter stabil

Die Corona-Lage in den Spitälern in Österreich ist weiterhin stabil. Laut Zahlen der AGES waren am Montag, 12.9. (0.00 bis 24.00 Uhr) 931 Personen (plus 13) mit einer Covid-Infektion im Krankenhaus, 52 (plus fünf) mussten in Intensivstationen betreut werden, Neuinfektionen wurden 4.915 verzeichnet.

Mit Montag, 12.9., gab es in Österreich 44.844 aktive Fälle, um 1.450 mehr als am Tag zuvor. Eine Person ist infolge einer Coronainfektion verstorben.

Das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tages-Inzidenz war am Montag Wien mit 380,7, gefolgt von Niederösterreich, Burgenland und Kärnten (370,3, 346,6 bzw. 313). Danach kamen Oberösterreich (309,9), Tirol (299,8), die Steiermark (273,6), Salzburg (259,3) und Vorarlberg (186,5).

Insgesamt wurden am Montag 40.446 PCR- und Antigen-Schnelltests eingemeldet. Davon waren 37.139 aussagekräftige PCR-Tests. Die Positiv-Rate der PCR-Test liegt derzeit bei 13,2 Prozent.

5.651 Impfungen wurden durchgeführt worden, davon waren 4.862 Auffrischungsimpfungen (4., 5. und jede weitere Impfdosis). 5.311.850 Menschen und somit 58,8 Prozent der Österreicher sind gemäß Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (NIG) gültig geimpft. (APA)

Experten erwarten Ende des sommerlichen Infektionsrückgangs

Die Experten des Covid-Prognosekonsortiums erwarten ab sofort ein Ende des sommerlichen Infektionsrückgangs in Österreich. Darauf deuten momentan die vorliegenden Parameter der gemeldeten Fallzahlen und die Belagsentwicklung in den Spitälern hin, hieß es am Mittwoch, 13.9., in dem wöchentlichen Update der Modellrechner von TU Wien, MedUni Wien und Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Damit einhergehende Anstiege im Spitalsbelag würden "jedoch moderat erwartet".

"Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen aufgrund des Zusammentreffens saisonaler Effekte mit dem gesunkenen Immunschutz Anstiege im Infektionsgeschehen zu erwarten sind", erläuterten die Experten. Genaue Zahlen zur Inzidenz für die kommenden sieben Tage werden seit einigen Wochen aufgrund der geringeren Testungen und damit unklarer Dunkelziffer der Neuinfektionen nicht mehr prognostiziert.

Errechnet wird aber weiterhin der erwartete Spitalsbelag mit Infizierten für die nächsten zwei Wochen. Dieser dürfte im Vergleich zu zuletzt nahezu unverändert bleiben, wobei laut dem Konsortium in einzelnen Bundesländern leichte Trends nach oben oder unten prognostiziert werden. Auf den Normalstationen sind am 28. September österreichweit 586 bis 1.161 belegte Betten zu erwarten, mit einem Mittelwert von 825 Betten. Am (gestrigen) Dienstag waren 879 Infizierte in Spitalsbehandlung. (APA)

Initiative will für saubere Luft im Klassenzimmer kämpfen

Für saubere Luft in Klassenzimmern und Kindergärten will die neu gegründete Initiative Gesundes Österreich (IGÖ) unter dem Motto „Saubere Luft für helle Köpfe“ kämpfen. Zunächst sollen CO2-Messgeräte zum Einsatz kommen, die den richtigen Zeitpunkt zum Lüften anzeigen, in einem weiteren Schritt dann Abluftventilatoren und Filtersysteme.

"In den Klassenzimmern herrscht eine feindliche Luft", so Elternvertreterin Eva Hottenroth im Rahmen eines Pressegesprächs der IGÖ am 12.9. (Videosplitter davon sind auch dem Twitter-Thread https://twitter.com/igoe_at/status/1569661183749144577 zu entnehmen). "Wer jemals bei einem Elternabend in einem Klassenzimmer war, weiß, dass das eine Zumutung ist – ganz unabhängig von der Virenbelastung", meinte auch der Internist Wolfgang Hagen. Kinder könnten sich bei hoher CO2-Belastung im Klassenzimmer schlechter konzentrieren und würden schneller müde. Messungen würden zeigen, dass die Grenzwerte schon nach kurzer Zeit ohne Lüften bei weitem überschritten werden, betonte Hottenroth.

Gleichzeitig ist die CO2-Belastung auch ein Marker für die Virenlast – und damit das Covid-Risiko. "Es wird immer behauptet, dass Kinder ohnehin nicht schwer erkranken", so Hagen. Das sei zwar grundsätzlich richtig, durch die Masse an Erkrankungen komme es aber auch bei ihnen zu Todesfällen. Weltweit sei Covid bei Kindern und Jugendlichen die Nummer 2 bei den Ursachen von durch Impfungen verhinderbare Todesfällen (hinter Masern), in Europa sogar die Nummer 1. "Und Long Covid ist immer der Elefant, der im Hintergrund ist."

"Luft als wichtigstes Grundnahrungsmittel ist ein Thema, das schon lange vor Covid bekannt war", meinte Bildungsaktivist Daniel Landau. Er frage sich, warum weder in den vergangenen Jahren noch zumindest nach Corona etwas getan worden sei. "Niemand käme auch auf den Gedanken, wissentlich verschmutztes Wasser zu trinken."

Kein Verständnis hat Landau dafür, dass Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) den Einsatz etwa von CO2-Messgeräten evaluieren wolle. "Gar nix wäre zu evaluieren – das ist alles wissenschaftlich abgesichert." Außerdem: "Welches halbwegs zeitgemäße Großraumbüro mit 25, 30 Personen setzt denn noch auf Stoßlüften, welches Ministerium oder andere öffentliche Gebäude?" Mittlerweile gebe es relativ simple Abluftfilteranlagen, so Hottenroth – so habe etwa die Technische Universität (TU) Graz ein Lüftungssystem entwickelt, dessen Einzelteile kostengünstig im Baumarkt besorgt und sehr niederschwellig ohne Umbauten installiert werden könnten.

Außerdem brauche es das Verständnis der Lehrkräfte: An einer Schule hätten etwa Pädagogen die CO2-Messgeräte wieder abgeschaltet, weil sie zu oft angeschlagen haben. Luftreiniger wiederum hätten bei ihnen aufgrund es Lärms und der Zugluft keinen guten Ruf. (APA/red)

Einheitliche Infektions-Statistik seit Dienstag

Anstatt der bisherigen drei veröffentlicht das Gesundheitsministerium seit Dienstag, 13.9., nur noch eine einheitliche Zahl zu den täglichen Corona-Neuinfektionen. In der aktuellen Phase der Pandemie sei die Beobachtung der längerfristigen Trends wichtiger als die kurzfristigen, tagesaktuellen Änderungen, heißt es dazu vom Ministerium. Dafür reiche eine einheitliche Meldung pro Tag aus. Diese nimmt seit Dienstag die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vor.

Die Existenz unterschiedlicher Datenquellen hatte besonders in der Anfangsphase der Pandemie immer wieder für Verwirrung gesorgt. Bis zuletzt wurden drei teils voneinander abweichende Werte für Neuinfektionen und Todesfälle veröffentlicht: die im Krisenstab von Ländern und Bund (SKKM) gemeldeten Zahlen, die im Epidemiologischen Meldesystem (EMS) registrierten Daten sowie die im Lauf des Tages von der AGES bereinigten EMS-Zahlen.

Die Datenmeldung des Krisenstabes wird nun gestrichen und die EMS-Zahlen werden nur noch in der von der AGES bereinigten Version veröffentlicht. Damit wird die Infektions- und Todesfallstatistik zwar vereinheitlicht, aber etwas später als bisher zur Verfügung stehen, nämlich um 14.00 Uhr auf der AGES-Homepage. Die Morgenmeldungen von SKKM und EMS werden gestrichen. "Mit dem Schritt wird die Kritik des Rechnungshofes am bisherigen Corona-Datenmanagement umgesetzt", hieß es in einer Aussendung des Gesundheitsministeriums am Montag, 12.9. Die Gesamtzahl der Infektionen wird den Angaben zufolge durch die Umstellung um rund 18.000 geringer ausfallen als bisher auf der AGES-Homepage ausgewiesen (5.003.286).

Zu beachten ist allerdings, dass die offizielle Statistik das Infektionsgeschehen immer unzuverlässiger abbildet, weil Bund und Länder die Anzahl der durchgeführten Tests deutlich reduziert haben. So wurden im August 2021 noch fast zwei Millionen PCR-Tests durchgeführt (davon 1,5 Prozent positiv). Heuer waren es trotz deutlich höherer Inzidenzen nur 634.000 Tests (davon fast zehn Prozent positiv). Der Komplexitätsforscher Peter Klimek hatte daher im August gewarnt, dass die EMS-Zahlen kaum noch aussagekräftig sein dürften und die Dunkelziffer deutlich über den offiziellen Infektionszahlen liegen dürfte. (APA/red)

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