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ESC 2022

Was lässt sich von negativen Studienergebnissen lernen?

Negative Studienergebnisse bereiten zwar den präsentierenden Autoren zuweilen sichtliches Unbehagen auf dem Podium, leisten aber dennoch einen wichtigen Beitrag zum wissenschaftlichen und klinischen Fortschritt. Daher werden negative oder „neutrale“ Studien nicht mehr in Poster-Sessions versteckt, sondern beispielsweise im Rahmen des ESC-Kongresses prominent in den Hotline-Sitzungen präsentiert. Auch in diesem Jahr zeigen wieder zahlreiche Arbeiten, was nicht funktioniert. Hier eine Auswahl:

In der PERSPECTIVE-Studie wurde die Wirkung von Neprilysin-Inhibition auf die kognitive Funktion untersucht. Hintergrund des Forschungsinteresses an dieser Frage waren einerseits die mit 30–80 Prozent sehr hohe Inzidenz kognitiver Einschränkung bei Patienten mit Herzinsuffizienz, daneben aber auch theoretische Überlegungen, dass Neprilysin-Inhibition die Amyloid-β-Ablagerung begünstigen könnte. PERSPECTIVE zeigte einerseits, dass die Behandlung der Herzinsuffizienz mit dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril/Valsartan im Vergleich zu Valsartan allein keinen Effekt auf die Kognition von Patienten mit Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter oder erhaltener linksventrikulärer Auswurffraktion hat. Hinsichtlich der Ablagerung von Amyloid β sorgte die Studie jedoch für eine Überraschung: Über drei Jahre wurde in den Gehirnen der Patienten unter Neprilysin-Inhibition weniger Amyloid β abgelagert als in der Kontrollgruppe. Es könne sich dabei durchaus um einen Zufallsbefund handeln, kommentierte Studienautor Prof. Dr. John McMurray von der University of Glasgow. Allerdings wisse man jetzt aus einer randomisierten, kontrollierten Studie, dass die Sorge, Neprilysin-Inhibition könne über längere Zeit die Amyloid-β-Deposition fördern, rein hypothetisch war.

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