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Ö: Aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen; seltener Infektions-Rebound nach Paxlovid-Therapie

Coronavirus Warnung

+++ 1.281 Covid-Spitalspatienten bei fast 6.000 NeuinfektionenSeltener Auftreten von Covid-Rebounds nach Behandlung mit Paxlovid – Großbritannien genehmigte Moderna-Impfstoff gegen Omikron – Adaptierter Corona-Impfstoff sollte BA.2-Antigen enthalten – Klimek: Infektionszahlen deutlich höher als ausgewiesen – Sieben Entschädigungen für Impfschäden bewilligt – Lebenserwartung in Deutschland während Pandemie deutlich gesunken – China meldet höchste Corona-Zahlen seit über drei Monaten +++

1.281 Covid-Spitalspatienten bei fast 6.000 Neuinfektionen

Am Mittwochvormittag (17.8.) sind österreichweit 1.281 Personen mit einer Corona-Infektion im Spital gelegen. Das sind 47 mehr als am Vortag, aber 139 weniger als vor einer Woche. Auf den Intensivstationen waren 69 Betten mit Infizierten belegt. Diese Zahl ging innerhalb einer Woche um zwölf Betten zurückgegangen. Das Covid-Prognosekonsortium erwartet insgesamt weiterhin einen Rückgang beim Spitalsbelag. Innerhalb von 24 Stunden kamen 17 Todesfälle und 5.930 Neuinfektionen hinzu.

Die fast 6.000 positiven Testergebnisse bedeuten rund 1.000 Fälle mehr als im Schnitt der vergangenen sieben Tage (4.937). Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 383 Fälle je 100.000 Einwohner. Seit Pandemiebeginn wurden in Österreich 4.838.241 bestätigte Fälle registriert. Eine oder mehrere Infektionen hinter sich haben 4.747.623 Personen, innerhalb der vergangenen 24 Stunden galten 8.131 als wieder frei vom Virus. Damit gab es 71.322 aktive Fälle im Land, 2.218 weniger aktuell Infizierte als am Tag zuvor.

Von den 68.024 jüngsten PCR-Tests waren österreichweit 8,7 Prozent positiv. Im Burgenland kamen 166 Neuinfektionen hinzu, in Kärnten 229 und in Niederösterreich 1.109. Oberösterreich meldete 601 weitere Ansteckungen, Salzburg 371 und die Steiermark 639. In Tirol gab es 450 positive Testergebnisse, in Vorarlberg 135 und in Wien 2.230.

Das Covid-Prognosekonsortium im Auftrag des Gesundheitsministeriums geht unterdessen allmählich von einer "Stagnation des Infektionsgeschehens" aus. Zudem gehe der durch Impfungen und Infektionen erworbene Immunschutz in der Bevölkerung kontinuierlich zurück und liegt laut AGES bei derzeit knapp über 70 Prozent, nach etwa 90 Prozent im April. Dadurch werde mittelfristig "eine Beschleunigung der Infektionsdynamik erwartet", warnen die Modellrechner von TU Wien, MedUni Wien und Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).

Die Prognose für den Bettenbelag geht österreichweit von einem weiteren leichten Rückgang in der Normal- und Intensivpflege aus. In einzelnen Bundesländern sind auch leichte Anstiege möglich, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Vorschau. Auf den Normalstationen wird mit Ende der Prognoseperiode am 31. August österreichweit ein Belagsstand von 819 bis 1.355 belegten Betten erwartet, mit einem Mittelwert von 1.053 Betten. Auf den Intensivstationen dürfte die Auslastung im gleichen Zeitraum auf 39 bis 68 (Mittelwert 52) zurückgehen. (APA)

Seltenes Auftreten von Covid-Rebounds nach Behandlung mit Paxlovid

Nach der Covid-Behandlung mit Paxlovid kann es selten kurz nach Ende der Symptome zu deren Wiederaufflammen kommen. "Ein Covid-Rebound tritt gewöhnlich zwei bis acht Tage nach dem Abklingen der Ersterkrankung auf. Mit Paxlovid behandelte Personen können also länger als üblich Covid-positiv und damit infektiös bleiben", informierte der Infektiologe Herwig Kollaritsch. Die Krisenkoordination GECKO kritisierte indes die niedrigen Medikamenten-Abrufzahlen in den Bundesländern.

Paxlovid ist derzeit die einzige zugelassene orale antivirale Therapie gegen schwere Verläufe von Covid-19 und sollte rasch nach Symptombeginn bzw. einem positivem Testergebnis eingenommen werden. "Das Auftreten von Rebounds schmälert die Bedeutung des Medikaments in der Covid-Behandlung nicht", betonte Kollaritsch in der GECKO-Aussendung vom Freitag, 12.8. "Paxlovid hat eine hohe Wertigkeit in der Therapie von Covid-19. Der klare Nutzen von Paxlovid: Viruslast und Hospitalisierungsrate werden drastisch reduziert", berichtete der Mediziner und GECKO-Experte.

Die Bundesregierung hatte zuvor die GECKO-Mitglieder sowie die Fachgruppe Therapieboard des Obersten Sanitätsrates um ihre wissenschaftliche Einschätzung zu den sehr seltenen Rebounds nach der Behandlung mit Paxlovid-Tabletten gebeten. Sowohl Geimpfte, Ungeimpfte als auch zuvor schon einmal Genesene können von dem Effekt betroffen sein.

Paxlovid und andere verfügbare Medikamente für Covid-19-Risikogruppen wurden bisher in Österreich noch eher verhalten abgerufen, sie sind aber ausreichend vorhanden, bemängelt die im Bundeskanzleramt angesiedelte gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination (GECKO). Auf Seite der Nachfrage könnten eine mittelmäßige Informiertheit der Risikogruppen sowie das veränderte Testverhalten eine Rolle spielen, wird in dem aktuellen Report erläutert. Auf der Angebotsseite sei zudem festzustellen, dass vor allem in Wien mehr Medikamente abgerufen werden. Dies deute darauf hin, dass die Verfahren für den Medikamentenzugang in den Bundesländern ein relevanter Faktor sind.

"GECKO hat sich bereits im letzten Bericht vom 25. Juli 2022 dafür ausgesprochen, die Verfahren für den Medikamentenzugang in den Bundesländern zu erleichtern", erinnerte Generalmajor Rudolf Striedinger als GECKO-Vorsitzender. "Wir haben akut und voraussichtlich auch in Zukunft hohe Infektions- und Fallzahlen", warnte er, daher sollten diese wirksamen Medikamente zur Behandlung von Covid-19 auch dringend genutzt werden, um schwere Verläufe und Hospitalisierungen zu verhindern.

Ein Grund, warum Paxlovid noch relativ zurückhaltend angewendet wird, besteht darin, dass es viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen kann. Im aktuellen Covid-19-Info-Talk der ÖGAM (Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin) spricht Dr. Oliver Lammel anhand von konkreten Beispielen über den Einsatz von Paxlovid im niedergelassenen Bereich (https://covid-19.infotalk.eu/20220810_paxlovid_einsatz) und erklärt dabei u.a., wie man durch Anwendung von elektronischen Programmen wie dem Liverpool Covid Interactions Checker (www.covid19-druginteractions.org) diese Wechselwirkungen prüfen und somit vermeiden kann. (APA/red)

Großbritannien genehmigte Moderna-Impfstoff gegen Omikron

Die britische Arzneimittelbehörde hat grünes Licht für den an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoff von Moderna gegeben. Das Vakzin des US-Biotechnologie-Unternehmens sei für die Auffrischung von Erwachsenen zugelassen worden, teilte die MHRA am Montag, 15.8., mit. Eine klinische Studie habe ergeben, dass der Impfstoff eine "starke Immunreaktion" sowohl gegen den ursprünglichen Virusstamm als auch gegen die Omikron-Variante auslöse. In der EU läuft die Prüfung noch.

Es ist der erste sogenannte bivalente Corona-Impfstoff, der in Großbritannien zugelassen wurde. Die bisher verfügbaren Impfstoffe haben dazu beigetragen, die Zahl der coronabedingten Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle zu reduzieren. Allerdings zielen sie überwiegend auf frühere Stämme des Coronavirus ab.

Der Moderna-Impfstoff mit dem Namen "Spikevax bivalent Original/Omicron" richtet sich sowohl gegen den ursprünglichen, erstmals 2020 aufgetretenen Coronavirus-Stamm als auch gegen die Omikron-Variante BA.1. Auch für die Subtypen BA.4 und BA.5 der Omikron-Variante seien "gute" Ergebnisse erzielt worden, teilte die MHRA mit.

Der angepasste Moderna-Impfstoff wird derzeit auch von der EU-Arzneimittelbehörde EMA geprüft. Parallel befasst sich die EMA mit der Prüfung eines angepassten Vakzins von Biontech/Pfizer. Dessen Zulassung ist für Herbst angestrebt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im Juli vor dem Hintergrund der sich rasch ausbreitenden Omikron-Subtypen gewarnt, die Pandemie sei "alles andere als vorbei". (APA/AFP)

Adaptierter Corona-Impfstoff sollte BA.2-Antigen enthalten

Ein gegen SARS-CoV-2/Omikron effektiver wirkender Impfstoff gegen Covid-19 sollte – neben den ursprünglich verwendeten Antigenen (Wild-Typ/Wuhan) – am besten ein Antigen des Omikron-Subtyps BA.2 enthalten. Damit kann nämlich auch ein Schutz gegen BA.4 und BA.5-Subtypen der Covid-19-Erreger erreicht werden. Das haben Wissenschafter des mRNA-Vakzine-Entwicklers BioNTech (Mainz) jetzt in einer wissenschaftlichen Arbeit geklärt.

Alexander Muik und die Co-Autoren des deutschen Biotech-Unternehmens, das zusammen mit dem US-Konzern Pfizer durch die Entwicklung der ersten mRNA-Vakzine gegen Covid-19 den Durchbruch geschafft haben, veröffentlichten ihre Arbeit als Preprint (DOI:10.1101/2022.08.02.502461) noch vor der Peer-Review-Begutachtung durch Fachkollegen.

Die Wissenschafter führten umfangreiche Tests auf das Virus-Neutralisationspotenzial von Plasmaproben (Antikörper) nach Impfung und/oder Durchbruchsinfektionen durch. Eine Haupterkenntnis, wie die deutsche Pharmazeutische Zeitung online berichtete: "Wer mit dem mRNA-basierten Coronaimpfstoff 'Comirnaty' (BioNTech/Pfizer) grundimmunisiert ist und danach an einer Omikron-BA.1-Durchbruchinfektion erkrankt, entwickelt in der Folge eine starke Serumneutralisierungsaktivität gegen die Omikron-Varianten BA.1 und BA.2 sowie gegen frühere besorgniserregende SARS-CoV-2-Varianten (VOC). Gegen die hochansteckenden Omikron-Sublinien BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 schützt eine Omikron-BA.1-Durchbruchinfektion jedoch kaum."

Dies sei verständlich, weil BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 bezüglich ihrer Proteine (Antigene) nur eine geringe Nähe zu BA.1 hätten. Die drei Virusvarianten seien offenbar aus BA.2-Viren durch Mutation entstanden. Dies lege nahe, dass Patienten, die eine BA.2-Durchbruchinfektion durchgemacht hätten, auch einen gewissen Schutz gegen die Omikron-Varianten BA.2.12.1 und BA.4/BA.5 aufbauen. Die Wissenschafter testeten diese Hypothese, die sich schließlich als richtig herausstellte.

Der Grund für die bessere Kreuzreaktivität nach einer Infektion mit BA.2 liegt offenbar darin, dass die Betroffenen speziell Antikörper gegen ein Ende des Spike-Proteins (N-terminale Domäne) bilden, die bei BA2, BA.4 und BA.5 ähnlich aufgebaut, also "konserviert" ist. Eine BA.1-Durchbruchinfektion nach Impfung hingegen führt hauptsächlich zu Antikörpern gegen die Rezeptor-Bindungsteile des Spike-Proteins. Diese aber unterscheiden sich stark zwischen BA.1, BA.4 und BA.5, was kaum zu einer Kreuzimmunität führt.

"Diese Ergebnisse sind von großer Bedeutung für die Entwicklung von an Omikron angepassten Impfstoffen und legen nahe, dass ein angepasster Impfstoff eventuell besser eine BA.2- als eine BA.1-Komponente enthalten sollte", hieß es in der deutschen Apothekerzeitschrift. Die in den kommenden Monaten wahrscheinlich auf den Markt kommenden adaptierten Covid-19-Vakzine werden wohl alle zumindest zwei Antigenkomponenten enthalten: eine gegen den ursprünglichen SARS-CoV-2-Wild-Typ und eine, welche gegen die aktuell zirkulierenden Varianten schützen.

Erst vor wenigen Tagen haben Wissenschafter des Zentrums für Virologie der MedUni Wien in einer Publikation in "Frontiers of Immunology" gezeigt, dass eine alleinige Infektion mit BA.1 oder BA.2 jeweils nur eine sehr "enge" Immunreaktion gegen den jeweils für die Erkrankung verantwortlichen Virus-Subtyp hervorruft. Im Endeffekt unterstützten auch diese Forschungsergebnisse den Plan, in zukünftigen Vakzinen sowohl SARS-CoV-2-Wild-Typ-Antigene als auch solche von Omikron aufzunehmen. Laut den BioNTech-Wissenschaftern offenbar am ehesten Antigene des BA.2-Subtyps. (APA)

Klimek: Infektionszahlen deutlich höher als ausgewiesen

Aktuell gibt es eine hohe Dunkelziffer bei den Corona-Erkrankungen. Mit dem starken Rückgang bei den Testungen sind die Zahlen aus dem epidemiologischen Meldesystem (EMS) "kaum noch aussagekräftig", betonte Komplexitätsforscher Peter Klimek am letzten Mittwoch (10.8.) in der "ZiB2". An diesem Tag wurden 7.000 Neuinfektionen gemeldet. Betrachte man die Spitalszahlen und die Abwasseranalyse-Daten dürften die Zahl "um den Faktor 2 bis 3 höher sein".

"Wir haben wir das Signal verloren", konstatierte der Komplexitätsforscher angesichts der mangelhaften Datenlage. Prognosen, welche Corona-Belastung im Herbst und Winter zu erwarten ist, seien kaum möglich, man könne nur noch grobe Trends angeben.

"Natürlich" sei zu erwarten, dass mit dem Ferienende, wenn sich Schulen und Büros wieder füllen, die Dynamik wieder anzieht. Da gehe man dann wegen den heuer wesentlich höheren Infektionszahlen im Sommer mit relativ hohem Niveau hinein. Für die Spitäler könne das wieder eine starke Belastung bedeuten, allerdings mit der jetzigen Omikron-Variante wohl nicht für die Intensivstationen.

Prinzipiell liege man in der Corona-Pandemie jetzt – mit der hohen Immunisierung in der Bevölkerung und den neuen Varianten –, was das individuelle Risiko betrifft "ungefähr" bei der Grippe. Allerdings gibt es, unterstrich Klimek, einen großen Unterschied: Grippewellen gibt es einmal im Jahr, Corona-Wellen wesentlich häufiger – allein heuer schon drei. In der Frage allfällig nötiger Schutzmaßnahmen für den Herbst war der Komplexitätsforscher zurückhaltend: Es werde wohl auf lange Sicht alternativlos sein, mehr auf Eigenverantwortung – auch bei der Maske – zu setzen, meinte er. (APA)

Sieben Entschädigungen für Impfschäden bewilligt

Fast 19 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus sind bisher verabreicht worden. Im Falle von Nebenwirkungen kann jede/r, der bzw. die in Österreich geimpft wurde, einen Antrag nach dem Impfschadengesetz stellen. 1.400 Menschen haben dies bisher gemacht. Nun wurde sieben Betroffenen im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens mittels Bescheid Ansprüche bewilligt, bestätigte das Gesundheitsministerium am Freitag dementsprechende Medienberichte.

Fünf Personen wurde eine einmalige pauschalierte Geldleistung in der Höhe von durchschnittlich 1.580 Euro zuerkannt, zwei Personen erhielten eine befristete Rente in durchschnittlicher Höhe von 900 Euro. Sie entwickelten deutliche Gesundheitsprobleme etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine Thrombose. Das Verfahren ist laut Ministerium für betroffene Personen kostenlos und es gelten erleichterte Beweisregeln. So genügt die Wahrscheinlichkeit, dass die Gesundheitsschädigung durch die erfolgte Impfung verursacht wurde. Zur Beurteilung der Kausalität der geltend gemachten Gesundheitsschädigungen werden medizinische Sachverständige beigezogen.

Bei einem anerkannten Impfschaden können etwa die Kosten für Krankenbehandlung, Rehabilitation oder orthopädische Maßnahmen übernommen werden. Kommt es nach einer Impfung zu einer mehr als drei Monate andauernden Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 Prozent, so besteht ein Anspruch auf eine Rentenleistung, die 14 Mal jährlich gebührt. Sollte darüber hinaus durch die Impfung sogar ein Pflegebedarf aufgetreten sein, so werden zur Rentenleistung auch Pflegezulagen gewährt, ebenfalls 14 Mal jährlich. Hat die Impfung keine Dauerfolgen, aber eine schwere Körperverletzung bewirkt, wird eine pauschalierte Geldleistung erbracht. Leistungen nach dem Impfschadengesetz werden aus Budgetmitteln des Bundes finanziert.

Seit den ersten Corona-Impfungen am 27. Dezember 2020 bis zum Stichtag 22. Juli hat das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), das Impfnebenwirkungen registriert, 51.026 Meldungen von vermuteten Nebenwirkungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung erhalten. Der Großteil dieser Meldungen betraf Impfreaktionen, wie sie in den klinischen Studien der Zulassungsverfahren der Impfstoffe beschrieben wurden, etwa Kopfweh, Fieber, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle. Die meisten Meldungen betraf den Impfstoff von AstraZeneca (12,01 pro 1.000 Verabreichungen), die wenigsten von BioNTech/Pfizer (1,67 pro 1.000 Stiche). Das war vermutlich darauf zurückzuführen, dass dieser insbesondere jüngeren Menschen verabreicht wurde, die zu stärkeren Impfreaktionen neigen, so das BASG.

Dem BASG wurden 290 Todesfälle in zeitlicher Nähe zu einer Corona-Impfung gemeldet (224 BioNTech/Pfizer, 26 Moderna, 36 AstraZeneca und 4 Janssen). Bei sieben Patientinnen bzw. Patienten konnte aufgrund des Obduktionsberichts ein Zusammenhang mit der Impfung ausgeschlossen werden. Bei 20 Personen fiel die Impfung in die Inkubationszeit einer Covid-19-Erkrankung im Rahmen derer die Patienten verstarben. Bei 34 weiteren bestanden schwerwiegende Vorerkrankungen, die vermutlich todesursächlich waren.
Bereits vor der Corona-Schutzimpfung hat der Staat in bestimmten Situationen die Haftung für Impfschäden übernommen. Das Gesundheitsministerium betonte in einer Stellungnahme, dass der Nutzen der Corona-Schutzimpfung das Risiko um ein Vielfaches übersteige. Wenn ein Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA und der Europäischen Kommission zugelassen werde, sei sichergestellt, dass es sich dabei um einen sicheren und effektiven Impfstoff handle. (APA)

Lebenserwartung in Deutschland während Pandemie deutlich gesunken

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist während der Corona-Pandemie in einigen deutschen Bundesländern deutlich stärker gesunken als in anderen Teilen des Landes. In den besonders von Coronawellen betroffenen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen lag nach Expertenberechnungen die durchschnittliche Lebenserwartung von neugeborenen Buben 2021 im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie eineinhalb Jahre niedriger, bei neugeborenen Mädchen etwas mehr als ein Jahr.

"In der Betrachtung zwischen 2019 und 2021 haben die südlichen Regionen Ostdeutschlands die stärksten Rückgänge verzeichnet", sagte Markus Sauerberg vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung am Mittwoch, 17.8., in Wiesbaden. Die ermittelte Lebenserwartung bezieht sich jeweils auf die im entsprechenden Jahr geborenen Menschen.

Am anderen Ende der Skala stehe Schleswig-Holstein. Dort kletterte die Lebenserwartung den Angaben zufolge zwischen 2019 und 2021 bei den neugeborenen Buben sogar um 0,2 Jahre, während es bei den Prognosen für die neugeborenen Mädchen mit einem Minus von 0,2 einen vergleichsweise geringen Rückgang gab.

Deutschlandweit sank die Lebenserwartung im Verlauf des ersten Corona-Jahres 2020 bei Buben um 0,2 Jahre auf 78,49 Jahre und bei Mädchen um 0,1 Jahr auf 83,36 Jahre, wie aus den Berechnungen hervorgeht. Als 2021 die Alpha- und Deltavarianten dominierten, sei sie bei Buben um weitere 0,4 und bei Mädchen um 0,3 Jahre gesunken. Vor dem Beginn der Pandemie war die Lebenserwartung in Deutschland jährlich um etwa 0,1 Jahr gestiegen.

Eine sinkende Lebenserwartung von mehr als einem Jahr ist nach Einschätzung der Experten außerhalb von Kriegszeiten sehr ungewöhnlich. "Rückgänge in dieser Größenordnung wurden letztmals zum Ende der DDR verzeichnet", erklärte der Forschungsdirektor am Bundesinstitut, Sebastian Klüsener. Die starken regionalen Unterschiede seien unter anderem mit der Infektionslage, den ergriffenen Corona-Maßnahmen und dem Verhalten der Bevölkerung zu erklären. Auch die Nähe zu stark betroffenen Nachbarländern wie etwa Tschechien und Polen spiele eine Rolle.

Für die Lebenserwartung wird ermittelt, welche durchschnittliche Lebenslänge Neugeborene erreichen würden, wenn die in einem Jahr verzeichneten altersspezifischen Sterblichkeitsraten über die nächsten 115 Jahre konstant gehalten würden. (APA/dpa)

China meldet höchste Corona-Zahlen seit über drei Monaten

China hat die höchsten Corona-Infektionszahlen seit über drei Monaten gemeldet. Wie die nationale Gesundheitskommission am Sonntag, 14.8., mitteilte, seien mehr als 2.400 Neuansteckungen im Land registriert worden. Das ist der höchste Wert seit dem 12. Mai. Bei drei Viertel der Fälle handle es sich um Infektionen, bei denen die Betroffenen keine Symptome zeigten.

Nach wie vor hält die chinesische Regierung an ihrer rigiden "Null Covid"-Strategie fest, bei der selbst kleine Ausbrüche mit Massentests und Lockdowns eingedämmt werden sollen. Die Maßnahmen sorgten zwar seit dem zweiten Halbjahr 2020 dafür, dass das Virus vorübergehend unter Kontrolle gebracht und sich die Volkswirtschaft rasch erholen konnte, doch spätestens mit Verbreitung der hochinfektiösen Omikron-Variante stößt die chinesische Strategie an ihre Grenzen. Regelmäßige Lockdowns lähmen die zweitgrößte Volkswirtschaft und haben insbesondere den Binnentourismus regelrecht einbrechen lassen. Auf der südchinesischen Ferieninsel Hainan, wo derzeit landesweit die meisten Corona-Infektionen gezählt werden, sitzen weiterhin Zehntausende Touristen fest, nachdem die Lokalbehörden einen flächendeckenden Lockdown angeordnet haben. (APA/dpa)

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