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Austrian Health Report 2022

IFES-Umfrage: Vorarlberger am gesündesten, doch Corona drückte Werte deutlich

Ein kranker Mensch inmitten vieler gesunder Menschen

Während jeder Vierte in Vorarlberg seine Gesundheit als „sehr gut“ bezeichnet, ist es im Burgenland nur jeder Zehnte. Das ergab eine repräsentative IFES-Umfrage im Auftrag von Sandoz. Aber auch bei Alter und Geschlecht zeigt der „Austrian Health Report 2022“ erhebliche Schwankungen – Ältere und Männer sind zufriedener als Jüngere und Frauen. Und die Corona-Pandemie hat deutliche Spuren hinterlassen, knapp die Hälfte der Befragten hatten selbst Corona, acht Prozent mehrmals. Rund ein Fünftel gab Long Covid an, davon neun Prozent ärztlich diagnostiziert. Die allgemeine Zufriedenheit steigt aber wieder – zumindest bei den über 30-Jährigen.

Die Stichprobe umfasste österreichweit 1.006 erwachsene Personen, die Ende Mai bis Mitte Juni 2022 Fragen zu ihrem Gesundheitszustand beantwortet haben. Das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) erhob u.a. auch Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bis hin zu gesundheitlichen Langzeitfolgen (Long Covid), das Vertrauen in Arzneimittel und die Belastung des Gesundheitssystems. Aus den Ergebnissen und der Einbindung von Expert:innen sei ein Gesundheitsreport entstanden – der Austrian Health Report 2022, hieß es Mitte August in einer Aussendung des Auftraggebers Sandoz. Dabei zeigen sich erhebliche Unterschiede in der Bevölkerung.

Im Burgenland geben sich die meisten ein „Gut“, aber die wenigsten ein „Sehr gut“

Österreichweit schätzen zwar fast drei Viertel der Befragten (71 Prozent) ihren eigenen allgemeinen Gesundheitszustand mindestens als „gut“ (52 Prozent) oder „sehr gut“ (19 Prozent) ein. Aber im Burgenland kreuzen nur elf Prozent „sehr gut“ an. Am buchstäblich anderen Ende liegt das westlichste Bundesland: In Vorarlberg sind es mit einem Viertel gleich mehr als doppelt so viele, die ihre Gesundheit mit „sehr gut“ beurteilen. Die anderen Bundesländer liegen mit 18 (Steiermark und Niederösterreich), 20 (Tirol, Oberösterreich und Wien), 21 (Salzburg) und 22 Prozent (Kärnten) im Bundesschnitt von rund einem Fünftel.

Allerdings ist das Burgenland mit 59 Prozent österreichweit Spitzenreiter bei der Bewertung mit „gut“. Hier hat Kärnten den niedrigsten Wert: Nur 44 Prozent beurteilen im südlichsten Bundesland ihre Gesundheit mit „gut“, knapp ein Viertel mit „mittelmäßig“ und zehn Prozent sogar mit „schlecht“ (bundesweit nur vier Prozent). Auffällig: Obwohl Vorarlberg wie erwähnt den höchsten Anteil an Personen hat, die sich „sehr gesund“ fühlen, gibt es im Ländle auch die meisten, die ihre Gesundheit als „sehr schlecht“ einschätzen, nämlich gleich drei Prozent (bundesweit ein Prozent). An den Mittelwerten ändert dies aber nichts: Burgenland steigt mit 2,3 am schlechtesten aus, Vorarlberg gehört mit Tirol, Salzburg, Steiermark und Wien zu den besten und liegt im bundesweiten Mittelwert von 2,1. Die restlichen Bundesländer weisen den Mittelwert 2,2 auf.

Im Zeitvergleich mit 2019 deutliche Änderungen

Im Zeitvergleich zeigen sich übrigens deutliche Änderungen. 2019 betrug der Anteil der Personen, die ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“ eingestuft hatten, noch 36 Prozent. Jetzt sind es wie oben ausgeführt nur mehr 19 Prozent. Die Bewertung hat sich in die mittleren Kategorien verschoben: 52 Prozent „gut“ (2019: 39 Prozent) und 23 Prozent „mittelmäßig“ (2019: 19 Prozent). Stabil blieb hingegen der Anteil bei „schlecht“ mit vier Prozent (2019: fünf Prozent) und „sehr schlecht“ mit jeweils ein Prozent. „Der subjektive Gesundheitszustand wird somit in Summe verhaltener beurteilt als vor der Corona-Pandemie“, analysieren die Autoren im „Management Summary“.

Unterscheidet man nach Alter, spricht der Austrian Health Report von einem „paradoxen“ Ergebnis: Demnach ist es wenig überraschend, dass neun Prozent der über 60-Jährigen ihren körperlichen Gesundheitszustand als „schlecht/sehr schlecht“ bezeichnen. Was jedoch erstaunlich sei: Auch sieben Prozent der 18- bis 29-Jährigen kommen zur gleichen Beurteilung. Noch überraschender war der seelische Zustandsbefund: Nur sieben Prozent der über 60-Jährigen schätzen ihre psychische Gesundheit als „schlecht/sehr schlecht“ ein, während es bei den 18- bis 29-Jährigen sogar 17 Prozent sind.

Bestätigt werde das scheinbar paradoxe Ergebnis durch die „Sehr gut“-Nennungen mit 32 Prozent bei über 60-Jährigen versus 19 Prozent bei 18- bis 29-Jährigen. Dem Bericht zufolge liegt daher der Schluss nahe, dass die Corona-Pandemie Jugendliche in Österreich psychisch mehr belastet habe als ältere Personen. Auch interessant: Deutlich mehr Männer (31 Prozent) sind mit ihrer psychischen Gesundheit sehr zufrieden – bei Frauen ist es nur rund ein Fünftel (21 Prozent).

Fast jeder Zehnte von verschobener OP betroffen

Was Vorsorgeuntersuchungen bzw. Gesundenuntersuchungen betrifft, liegen Männer und Frauen gleichauf. Insgesamt haben in den letzten zwölf Monaten 42 Prozent eine „allgemeine Vorsorgeuntersuchung/Gesundenuntersuchung“ gemacht. Jedoch gaben auch 28 Prozent an, aufgrund der Pandemie weniger Vorsorge- oder Routineuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Alarmierend: Jeder fünfte Befragte konnte eine notwendige Behandlung nicht oder seltener durchführen lassen und neun Prozent waren von einer verschobenen Operation betroffen.

Auch die direkten Auswirkungen von Corona kennt knapp die Hälfte der Befragten: 46 Prozent gaben an, selbst Corona gehabt zu haben, acht Prozent sogar mehrmals. Bei den unter 30-Jährigen liege der „Anteil an Genesenen“ sogar bei 60 Prozent. Nach der Erkrankung leiden oder litten dem Report zufolge 22 Prozent an Long Covid, davon 13 Prozent ohne ärztliche Diagnose. Bei den abgefragten Beschwerden zeigen sich ebenfalls starke Altersunterschiede: Unter 30-Jährige berichten im Vergleich zu Älteren besonders häufig von „erhöhter Müdigkeit/Schwächegefühl/Erschöpfung, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Depressionen/Angst- und Beunruhigungszuständen“.

Allgemeine Zufriedenheit steigt aber wieder

Der Bericht zeigt aber auch positive Entwicklungen auf: Die Befragten sind mit der Lebenssituation insgesamt nach einem deutlichen Rückgang im ersten Corona-Jahr 2020 wieder „annähernd“ so zufrieden wie vor der Pandemie. Auch bei der finanziellen und familiären Situation, der Tätigkeit und den sozialen Kontakten stieg die Zufriedenheit wieder. Dies spreche für eine „Normalisierung bzw. ein Sich-Arrangieren mit bzw. trotz Pandemie“, heißt es in der Zusammenfassung. Auch hier ein Wermutstropfen: In allen abgefragten Lebensbereichen zeigen sich die unter 30-Jährigen am unzufriedensten.

Mehr auf: www.austrianhealthreport.at

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