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ACE2-Aerosol als mögliches Medikament; US-Studie: Die Ärmsten traf es am härtesten

Coronavirus Warnung

+++ Erste klinische Studie mit ACE2-Aerosol läuft – US-Studie: verringerte Lebenserwartung vor allem bei den Ärmsten – Impfstoffhersteller schließen Zulassungslücken – WHO Europa empfiehlt neue Auffrischimpfung für Risikogruppen – EU empfiehlt vierte Impfung für Über-60-Jährige – 15.149 Neuinfektionen: höchster Wert der vergangenen Wochen – Ministerium prüft Quarantäne-Aus oder Bescheid-Automatik – Corona-Pandemie laut WHO weiter internationale Gesundheitsnotlage – Lauterbach: Long Covid ist großes Problem für Arbeitsmarkt +++

Erste klinische Studie mit ACE2-Aerosol läuft

Schon bald nach Beginn der Covid-19-Pandemie hatte der österreichische Biotechnologe Josef Penninger die Idee, rekombinant hergestelltes ACE2 (Angiotensin Converting Enzyme 2) als Medikament einzusetzen. Das Enzym bildet auf Zellen den Rezeptor für SARS-CoV-2. Die Gabe des Proteins soll Covid-19-Erreger binden und unschädlich machen. Jetzt publizierten Wissenschafter Daten aus Tierversuchen mit einem ACE2-Aerosol, eine erste klinische Studie an gesunden Probanden ist im Laufen.

Robert Shoemaker vom National Cancer Institute und die Co-Autoren, unter ihnen Penninger, ehemals Leiter des Instituts für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und seit 2018 in Kanada tätig, berichteten am 11.7. in der Fachzeitschrift "PlosOne" (doi: 10.1371/journal.pone.0271066) über ihre Ergebnisse an Versuchstieren zur Verträglichkeit von rekombinantem ACE2. "Nachdem wir in vitro die Neutralisierung von SARS-CoV-2 durch APN01 (rekombinantes humanes ACE2 von Apeiron) gezeigt hatten und nachdem wir vorläufige Hinweise auf seine Verträglichkeit und auf eine präventive Wirkung in einem Maus-Modell gesammelt hatten, gingen wir an die Entwicklung einer Formulierung als (inhalierbares; Anm.) Aerosol", schrieben die Wissenschafter. Penninger hat vor Jahren das Wiener Biotech-Unternehmen Apeiron mitbegründet, das diese Substanz entwickelt.

Der Hintergrund: ACE2 soll schwerste Krankheitsverläufe von Covid-19 verhindern. In einer klinischen Studie der Phase II von Ende April bis Ende Dezember 2020 und der Infusion von ACE2 bei 178 Covid-19-Patienten mit schneller Verschlechterung ihres Zustandsbildes (etwa die Hälfte erhielt ein Placebo) konnte bezüglich der Gesamtmortalität und der Notwendigkeit mechanischer Beatmung in einem Zeitraum von 28 Tagen ein Trend zu einem besseren Abschneiden der mit ACE2 Behandelten gezeigt werden. Vor allem wegen der relativ geringen Anzahl von Probanden erreichte das Ergebnis aber keine statistische Signifikanz (www.technologynetworks.com). Signifikant hingegen war die Verringerung der Tage, an denen die Kranken maschinell beatmet werden mussten. Von einer weiteren Phase-II-Studie mit der intravenösen Gabe von ACE2 gegen Covid-19 in den USA mit rund 1.600 Probanden gibt es bisher noch keine Ergebnisse.

Vor allem zur Verhinderung der bei schweren Krankheitsverläufen oft fatalen Lungenschäden durch Covid-19 ist hingegen eine Anwendung von ACE2 über die Atemwege (Inhalation) eventuell eine Alternative. Der Wirkstoff wäre sofort und ohne Umwege lokal in der Lunge verfügbar. Die Konzentration des gentechnisch hergestellten ACE2 dürfte dann am Wirkort auch größer sein. Genau darauf zielt die Entwicklung des Aerosols ab. In der nun in PlosOne publizierten Studie wurde es gesunden Hunden zweimal täglich über einen Zeitraum von zwei Wochen verabreicht. Wie die Wissenschafter berichten, gab es keine Anzeichen für Toxizität.

Am 19.10.2021 startete an der MedUni Wien bereits eine Studie der Phase I mit dem Aerosol in verschiedenen Dosierungen an 40 gesunden Probanden (placebokontrolliert). Wie bei allen Phase-I-Studien geht es speziell um die Sicherheit und Verträglichkeit. Geplant war der Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchung mit Studienleiter Markus Zeitlinger (Univ.-Klinik für Klinische Pharmakologie) für Juni dieses Jahres, wie dem US-Studienregister zu entnehmen ist. "Vorläufige Daten aus aktuellen Studien zur Inhalation von ACE2-basierten Therapeutika zeigen eine hohe Wirksamkeit in präklinischen SARS-CoV-2-Modellen", sagte Zeitlinger anlässlich des Starts dieser Untersuchung. "Insbesondere könnte APN01 auch gegen Infektionen mit Varianten von SARS-CoV-2 geeignet sein." In einer nachfolgenden Phase-II-Untersuchung soll das potenzielle Behandlungsprinzip dann an Covid-19-Patienten erprobt werden.

Wissenschafter der MedUni Wien hatten bereits Anfang 2021 gezeigt, dass im Rahmen schwerer Covid-19-Erkrankungen die ACE2-Konzentration im Blut stark ansteigt. Das erfolgt aber möglicherweise zu langsam, um als Gegenregulation den Krankheitsverlauf zu dämpfen. Laut Manfred Hecking und Roman Reindl-Schwaighofer von der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse der MedUni Wien könnte eine frühzeitige Verabreichung von hohen Dosen an ACE2 vor allem deshalb sinnvoll sein, da der Körper einige Zeit braucht, bis das ACE2 erhöht wird. (APA)

US-Studie: verringerte Lebenserwartung vor allem bei den Ärmsten

Die Corona-Pandemie hat praktisch weltweit zu einer verringerten Lebenserwartung geführt. Am ärgsten traf es jeweils die ärmsten Menschen. Das zeigt sich auch in einer erst vor wenigen Tagen in der Zeitschrift des amerikanischen Ärzteverbandes (JAMA) erschienenen Studie aus Kalifornien: Drei Jahre Verlust an Lebenserwartung und ein drastisches Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich. In den USA wurde Covid-19 zur dritthäufigsten Todesursache.

Die aktuellen Zahlen aus Österreich: Die Lebenserwartung lag bei Frauen im Jahr 2020 bei 83,6 und bei Männern bei 78,9 Jahren. Im Vergleich zum Vor-Covid-19-Jahr (2019) sank sie bei den Frauen um 0,6 Jahre und bei den Männern um 0,8 Jahre. Etwas geringer war der Rückgang der Lebenserwartung in Deutschland, mehr als doppelt so hoch (etwa zwei Jahre) in Ungarn und Tschechien.

Hannes Schwandt (Northwestern University in Evanston im US-Bundesstaat Illinois) und seine Co-Autoren haben in ihrer Studie (doi:10.1001/jama.2022.10952) die umfassenden epidemiologischen, demografischen und sozioökonomischen Daten aus dem US-Bundesstaat Kalifornien ausgewertet. Insgesamt wurden dazu Informationen über 1.988.606 Verstorbene der Jahre 2015 bis 2021 herangezogen.

Die Auswirkungen von Covid-19 waren gravierend, was die Lebenserwartung betraf, so die Wissenschafter: "Die durchschnittliche Lebenserwartung verringerte sich von 81,4 Jahre im Jahr 2019 auf 79,2 Jahre im Jahr 2020 und schließlich auf 78,37 Jahre im Jahr 2021."

Für knapp 1,9 Millionen in Kalifornien lebende Menschen waren auch die sozioökonomischen Daten auswertbar. So konnten beispielsweise die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung (232.300 US-Dollar Jahreseinkommen) mit den ärmsten zehn Prozent (21.300 US-Dollar Jahreseinkommen) verglichen werden. Begüterte Menschen haben de facto in allen Ländern eine höhere Lebenserwartung als weniger begüterte, was auch in Österreich zu bemerken ist. In Wien war die Lebenserwartung, wie Statistiker vor einigen Jahren feststellten, in "ärmeren" Bezirken bspw. um rund sieben Jahre niedriger als in Bezirken mit mehr Besserverdienenden.

In Kalifornien schlug jedenfalls Covid-19 voll auf diese sozialen Unterschiede durch, wodurch die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufging. Die Wissenschafter: "Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen den reichsten und den ärmsten zehn Prozent erhöhte sich von 11,52 Jahren (2019) auf 14,67 Jahre (2020) und schließlich auf 15,51 Jahre (2021)." Während die durchschnittliche Lebenserwartung mit der Covid-19-Pandemie bei den Hispano-Amerikanern um 5,74 Jahre zurückging, lag die Reduktion in der weißen Bevölkerung bei 1,9 Jahren. In den USA ist die Gesundheitsversorgung extrem von den Einkommensverhältnissen abhängig.

Eine ebenfalls im JAMA-Verlagshaus erschienene Studie von Meredith Shiels vom Nationalen US-Krebsinstitut (doi:10.1001/jamainternmed.2022.2476) zeigt die Auswirkungen von Covid-19 auf die Todesursachenstatistik der gesamten USA: Von März 2020 bis Oktober 2021 lag Covid-19 bei den häufigsten Todesursachen (Anteil: 12,2% an allen Sterbefällen) an dritter Stelle nach den Herzkrankheiten (20,1%) und Krebs (17,5%) sowie vor Unfällen (6,2%) und Schlaganfällen (4,2%). (APA)

Impfstoffhersteller schließen Zulassungslücken

Die Covid-19-Impfungen dürften mit der aktuellen "Sommerwelle" und dem bevorstehenden Herbst samt Schulbeginn wieder mehr gefragt sein. Die Impfstoffhersteller versuchen mittlerweile, die vorhandenen Zulassungslücken möglichst zu schließen, was die Altersgruppen betrifft. Das vorerst letzte Beispiel war die von der EU vor einigen Tagen ausgesprochene bedingte Zulassung des Protein-Vakzins Nuvaxovid (Hersteller: Novavax) für Zwölf- bis 17-Jährige.

Für Kinder und Jugendliche sieht die Situation bei den SARS-CoV-2-Vakzinen derzeit so aus: Der Biontech/Pfizer-Impfstoff (Corminaty) ist für Erwachsene, für die Zwölf- bis 17-Jährigen und mittlerweile (in geringerer Dosis) für die Fünf- bis Elfjährigen in der EU zugelassen. "Für jüngere Kinder noch keine Zulassung, aber positive Ergebnisse", heißt es in einer aktuellen Zusammenstellung des deutschen Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen. Moderna (Spikevax) hat eine Freigabe seines mRNA-Impfstoffes für Kinder ab sechs Monaten bereits beantragt. Er war zunächst für Erwachsene erhältlich, dann gab es die Zulassung für die Zwölf- bis 17-Jährigen, schließlich auch eine Freigabe für Kinder ab sechs Jahren (geringere Dosis).

Novavax reihte sich mit seinem Protein-Impfstoff etwas später in die Entwicklungsphase ein. Die Europäische Kommission erteilte die bedingte Zulassung für "Nuvaxovid" zur Prävention von Covid-19 bei Personen ab 18 Jahren im Dezember 2021. Zusätzlich zur erweiterten Marktzulassung der Europäischen Kommission hat Indien eine Notfallzulassung für die zwölf- bis 17-jährige Bevölkerung erteilt. Erst vor wenigen Tagen erfolgte dies bedingt – in der EU erfolgen bei den Vakzinen keine "Notfallzulassungen" – für diese Altersgruppe auch in der EU. Für Jüngere gibt es noch keine Freigabe durch die Arzneimittelbehörden, in der EU eben die EMA.

"Die Zulassung (Nuvaxovid; Anm.) basiert auf den Daten der laufenden pädiatrischen Erweiterung von PREVENT-19, einer (...) Phase-III-Studie mit 2.247 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren an 73 Prüfzentren in den USA zur Beurteilung der Sicherheit, Wirksamkeit (Immunogenität) und Effektivität von Nuvaxovid. In der Studie erreichte Nuvaxovid den primären Wirksamkeitsendpunkt und erzielte eine klinische Wirksamkeit von insgesamt 80 Prozent zu einem Zeitpunkt, als die Delta-Variante der vorherrschende zirkulierende SARS-CoV-2-Stamm in den USA war", schrieb dazu das Unternehmen.

Das Vakzin bietet jedenfalls eine Alternative zu den mRNA-Impfstoffen. Es handelt sich um ein sogenanntes Spaltvakzin (auch: Teilpartikelimpfstoff) des in Insektenzellen produzierten SARS-CoV-2 Spike-Protein-Antigens. Von Relevanz ist hier sowohl die biotechnologische Herstellung des Antigen-Proteins als auch die Tatsache, dass sich die Spike-Proteine im Produktions- und Reinigungsprozess spontan zusammenlagern. Dadurch bilden sich Partikel, die in ihrer Struktur Viren ähneln (Virus-like Particles, VLPs) und damit den Eigenschaften des eigentlichen SARS-CoV-2-Virus nahekommen.

Die zeitlichen Abläufe bei der Zulassung der Covid-19-Impfstoffe für die einzelnen Altersgruppen hängen eng mit dem Vorhandensein der Studiendaten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit (Phase III) zusammen. Da Covid-19 schwere Verläufe am ehesten bei älteren Menschen zeigt, lag die Priorität in den Studien zunächst bei den Erwachsenen. Einen Sonderfall bezüglich der altersmäßigen Freigabe stellt derzeit der Totimpfstoff des österreichisch-französischen Unternehmens Valneva dar: Das Vakzin aus inaktivierten Coronaviren plus Adjuvans wurde vor Kurzem vorerst nur für die Altersgruppe von 18 bis 50 Jahren freigegeben. Auch hier ist in der Zukunft mit einer Erweiterung zu rechnen, wenn die entsprechenden Studiendaten vorliegen.

"Der Erprobung der Impfstoffe, für die eine Zulassungserweiterung für Minderjährige in der EU vorgesehen ist, erfolgt auf der Grundlage von mit der EMA abgestimmten ‚pädiatrischen Entwicklungsplänen‘ (sogenannte Paediatric Investigation Plans; PIPs)", schrieb der deutsche Pharmaverband. Bisher lägen solche Pläne von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Janssen-Cilag und Novavax vor. Die Einbeziehung von Minderjährigen in klinische Studien ist wichtig, weil Kinder eben keine "kleinen Erwachsenen" sind. Vor der Studienteilnahme eines Minderjährigen müssen sowohl der potenzielle Teilnehmer als auch beide Elternteile über die Studie aufgeklärt werden und alle müssen zustimmen. (APA/red)

WHO Europa empfiehlt neue Auffrischimpfung für Risikogruppen

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO rät dazu, immungeschwächten und anderen gefährdeten Menschen eine 2. Corona-Auffrischimpfung zu verabreichen. Um zusätzlichen Schutz zu liefern sowie das Risiko schwerer Krankheitsverläufe, Krankenhauseinweisungen und von Todesfällen zu minimieren, sollten mittel bis schwer immungeschwächte Personen im Alter von über fünf Jahren und ihre Kontaktpersonen eine 2. Booster-Impfung erhalten, empfahl die WHO Europa am Dienstag, 12.7.

Die Länder der Region sollten zudem erwägen, eine solche weitere Impfung auch bestimmten Risikogruppen wie Älteren, Mitarbeitern des Gesundheitswesens und Schwangeren anzubieten, hieß es in Kopenhagen. Zugrunde liegen dem Ganzen aktualisierte Empfehlungen für die Herbstzeit, für die eine Expertengruppe auf den aktuellen Stand beim Impfen, die epidemiologische Lage in Europa und Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Omikron-Variante des Coronavirus geschaut hat. Die Experten raten den 53 Mitgliedstaaten der Region darin, ihre Anstrengungen zu erhöhen, damit sich alle Grund- und ersten Auffrischimpfungen auf dem jeweils im Land geltenden aktuellsten Stand befinden.

Diese vorläufigen Empfehlungen kämen zu einem Zeitpunkt, an dem die Fallzahlen in Europa stiegen, erklärte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge. Die Impfung aller infrage kommenden Menschen mit der empfohlenen Anzahl an Grundimmunisierungen und der ersten Booster-Dosis müsse eine Priorität bleiben. Aber auch eine zweite Auffrischimpfung sollte Immungeschwächten verabreicht und auch bei anderen Gefährdeten in Betracht gezogen werden. (APA/dpa)

EU empfiehlt vierte Impfung für Über-60-Jährige

Die EU empfiehlt Menschen über 60 Jahren eine vierte Corona-Impfung. "Angesichts des erneuten Anstiegs der Fälle und Krankenhauseinweisungen mit Beginn des Sommers fordere ich alle auf, sich so schnell wie möglich impfen und boostern zu lassen", erklärte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides laut einer Mitteilung der EU-Gesundheitsbehörden am Montag, 11.7. In Österreich hatte das Nationale Impfgremium zuletzt den vierten Stich ab 65 Jahren und für Risikopersonen empfohlen. (APA/AFP)

15.149 Neuinfektionen: höchster Wert der vergangenen Wochen

Am Mittwoch, 13.7., sind in Österreich 15.149 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 gemeldet worden. Das ist ein neuer Höchstwert in der BA.4/BA.5-Welle und der höchste Tageswert seit 7.4. mit über 16.000 Ansteckungen, als die Omikron-Varianten BA.2/BA.3 vorherrschend waren. Der Wochenschnitt stieg auf 10.648 Fälle pro Tag und die Sieben-Tage-Inzidenz auf 830 je 100.000 Einwohner. Deutlicher ist das Plus weiter in den Spitälern, 1.151 Infizierte sind 20 Prozent mehr als vor einer Woche.

28 belegte Betten kamen seit dem Vortag hinzu, seit dem vergangenen Mittwoch sind es 193 Covid-Betroffene mehr in den Krankenhäusern. 66 Infizierte werden auf Intensivstationen betreut. Diese Zahl schwankt bei der geringen Belegung im Tagesvergleich teils recht deutlich, innerhalb von 24 Stunden waren es zehn Betten mehr, seit der Vorwoche aber insgesamt acht.

Neun Covid-Todesfälle wurden seit dem Vortag gemeldet, in der vergangenen Woche waren es insgesamt 93 und damit 13 pro Tag. Laut den Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium hat die Pandemie seit ihrem Ausbruch 18.909 Menschenleben in Österreich gefordert. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weist jedoch bereits 20.152 Todesopfer aus.

Im Burgenland kamen innerhalb von 24 Stunden 501 Neuinfektionen hinzu, in Kärnten 471 und in NÖ 3.083. In OÖ wurden 2.593 positive Tests eingemeldet, in Salzburg 917 und in der Steiermark 1.720. In Tirol gab es 1.352 weitere Fälle, in Vorarlberg 559 und in Wien 3.953. Die Positivrate der 96.260 PCR-Tests lag bei hohen 15,7 Prozent. Im Schnitt der vergangenen Woche waren 10,4 Prozent der PCR-Tests positiv.

Seit Pandemiebeginn hat es in Österreich 4.562.210 bestätigte Fälle gegeben. Eine oder mehrere Infektionen hinter sich haben 4.424.590 Personen. Damit stieg die Zahl der aktiven Fälle erstmals seit Mitte April auf über 118.000.

Allein in den vergangenen sieben Tagen kamen fast 75.000 Neuinfektionen hinzu. In der Kalenderwoche 25 Ende Juni hatten die Omikron-Varianten BA.4/BA.5 laut AGES-Daten erstmals den größten Anteil in der Sequenzierung der Mutationen ausgemacht. "Begünstigt durch die hohen Infektionszahlen entstehen sukzessive neue Subvarianten, die die Immunität stärker unterlaufen - neuerliche Infektionswellen sind die Folge", erläuterte die Virologin Judith Aberle von der MedUni Wien am Mittwoch auf Twitter. (APA)

Ministerium prüft Quarantäne-Aus oder Bescheid-Automatik

Trotz lauter werdender Rufe nach der Abschaffung der Corona-Quarantäne gibt es noch kein Datum dafür. Dass kommende Woche (KW 29) ein Verordnungsentwurf vorliegen soll, wie die "Presse" am Mittwoch, 13.7., berichtete, wurde im Gesundheitsministerium auf APA-Anfrage nicht bestätigt. Man bereite sich seit Monaten auf verschiedene Szenarien vor, hieß es lediglich. Geprüft werde auch die Möglichkeit, Bescheide automatisiert zu erstellen.

Teil der Vorbereitungen seien verschiedene Möglichkeiten für Absonderung und Quarantäne von Infizierten und Kontaktpersonen, die je nach Virusvariante und weiterer Entwicklung zum Einsatz kommen könnten. Eine Möglichkeit sei dabei, die bestehenden Regelungen zu Absonderung und Quarantäne durch eine sogenannte Verkehrsbeschränkung zu ersetzen.

Die gesetzliche Grundlage hierfür besteht seit dem 1.7.2022 mit einer Verordnungsermächtigung im Epidemiegesetz. Das Gesundheitsministerium arbeitet derzeit an einem Verordnungsentwurf. Man kläre dafür juristische Detailfragen (z.B. arbeitsrechtlicher Natur) unter Einbindung anderer Ministerien und der Sozialpartner, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Natürlich würden hierzu auch die Bundesländer frühestmöglich eingebunden.

Parallel prüfe man auch die Möglichkeit, Bescheide automatisiert zu erstellen. "Damit können Absonderung und Quarantäne bestehen bleiben und gleichzeitig werden die Behörden massiv entlastet", wurde erklärt: "Eine Entscheidung über die künftige Regelung für Absonderung und Quarantäne ist noch offen." Klar sei, dass eine Coronainfektion eine meldepflichtige Krankheit nach dem Epidemiegesetz bleibe. (APA)

Corona-Pandemie laut WHO weiter internationale Gesundheitsnotlage

Die Corona-Pandemie ist nach wie vor eine "Gesundheitsnotlage internationaler Tragweite". Das befand die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag, 12.7., und folgte damit dem unabhängigen Notfallausschuss, der die aktuelle Gefahrenlage bei einer Tagung vergangene Woche untersucht hatte. Obwohl in vielen Ländern deutlich weniger getestet wird, steigen die Infektionszahlen weltweit.

Laut der WHO wurden seit Beginn der Pandemie Anfang 2020 mehr als eine halbe Milliarde Infektionen gemeldet. Die wahre Zahl dürfte weitaus höher liegen, weil längst nicht alle Fälle erfasst werden.

Die WHO hatte die Notlage Ende Jänner 2020 erklärt. Es ist die höchste Gefahrenstufe für Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit, die die WHO ausrufen kann. Die Ausrufung hat keine unmittelbaren praktischen Folgen, soll aber Länder in aller Welt alarmieren, damit sie sich mit den Gefahren auseinandersetzen und gegebenenfalls Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerung ergreifen.

Die WHO hatte Ende Juni einen weiteren Notfallausschuss zu dem Affenpockenausbruch einberufen. Die Krankheit ist seit Mitte Mai in Österreich und Dutzenden anderen Ländern entdeckt worden, die sie vorher praktisch nicht kannten. Der damit befasste Ausschuss sah noch keine Notlage von internationaler Tragweite. Die WHO hat den Ausschuss aber zu einer zweiten Sitzung am 18.7. einberufen.

Notfallausschüsse werden je nach Krankheit aus einem Pool von unabhängigen Experten aus aller Welt zusammengestellt. Die WHO beruft jeweils Spezialisten in den Ausschuss, die sich mit einer Krankheit besonders gut auskennen. (APA/dpa)

Lauterbach: Long Covid ist großes Problem für Arbeitsmarkt

Die bei manchen Corona-Infektionen auftretenden gesundheitlichen Langzeitfolgen sind nach Einschätzung des deutschen Gesundheitsministers Karl Lauterbach nicht nur für die Betroffenen ein Problem, sondern auch für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft insgesamt. "Wir haben nicht im Ansatz die Kapazität, die vielen Fälle zu versorgen", sagte er im Interview mit "Zeit Online"
Anfang Juli. "Es gibt nicht genügend spezialisierte Ärzte, nicht genügend Behandlungsplätze, wir haben noch keine Medikamente. Hier kommt wirklich etwas auf uns zu." Die mit Long Covid verbundenen Probleme würden allgemein unterschätzt.

Der SPD-Politiker erklärte: "Das wird auch für den Arbeitsmarkt relevant sein, weil viele leider nicht mehr zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zurückkehren werden." Er hoffe auch deshalb auf einen Impfstoff, der auch gegen eine Ansteckung mit der Omikron-Variante helfe. "Denn dieser schützt hoffentlich nicht nur vor einem schweren Verlauf, sondern auch vor einer Infektion und damit auch vor Long Covid", führte der Minister weiter aus. Jede Corona-Infektion berge das Risiko von Long Covid, hatte Lauterbach am Samstag, 9.7., bei Twitter gewarnt.

Laut einer am Mittwoch, 6.7., veröffentlichten deutschen Auswertung von Versichertendaten der Techniker Krankenkasse waren von Erwerbstätigen, die 2020 eine Corona-Diagnose mit PCR-Test bekommen hatten, 2021 knapp ein Prozent mit der Diagnose Long Covid krankgeschrieben. Die Krankschreibungen dauerten demnach relativ lange – im Schnitt 105 Tage. (APA/dpa)

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