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Chikungunya, Dengue & Zika

Asiatische Tigermücke in fünf Bundesländern nachgewiesen – OÖ ruft zu Monitoring auf

„Gebietsfremde“ Gelsen können auch exotische Krankheitserreger übertragen, wie etwa das Chikungunya-, Dengue- oder Zika-Virus. Deren möglicher Vektor, die Asiatische Tigermücke, wurde bis jetzt vor allem in Wien und Graz nachgewiesen, aber auch in Niederösterreich. Doch im Vorjahr kamen auch noch Vorarlberg und Linz dazu. Das Land Oberösterreich setzt nun das (erweiterte) Stechmücken-Monitoring fort und ruft zu Maßnahmen in puncto Spielsachen, Blumentöpfe, Autoreifen & Co auf, um eine eventuelle Verbreitung einzudämmen.

Als „wirksamstes“ Mittel, um das Übertragungsrisiko von Krankheitserregern durch Gelsen auf den Menschen vorherzusagen, bezeichnet LH-Stv. Mag. Christine Haberlander (VP) die andauernde Stechmückenüberwachung. „2020 haben wir in Oberösterreich ein eigenes Überwachungsprogramm für Stechmücken gestartet“, informiert die Gesundheitslandesrätin kürzlich in einer Aussendung. Heuer werde sich das Land OÖ „zusätzlich“ an einem österreichweiten Monitoring der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) beteiligen.

Zu den Hintergründen holt sie weiter aus: In Österreich sind bisher die Japanische Buschmücke (Aedes japonicus), die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus) nachgewiesen worden. Während erstere Mückenart, Ae. japonicus, schon in vielen Teilen Österreich zu finden ist, konnten Ae. albopictus und Ae. koreicus nur vereinzelt nachgewiesen werden.

„Aktive“ Überwachung, um im Bedarfsfall Maßnehmen setzen zu können

Gerade die Asiatische Tigermücke spiele eine besondere Rolle unter den gebietsfremden Gelsen, betont Haberlander. Diese Mückenart könnte nämlich Krankheitserreger wie das Chikungunya-, das Dengue- oder das Zika-Virus übertragen. Bisher sei Ae. albopictus hauptsächlich in Wien und Graz nachgewiesen worden, einen Einzelfund habe es aber auch schon in Linz gegeben – und zwar 2021. Oberösterreich setzt daher heuer das erweiterte Stechmückenmonitoring fort. Denn durch diese „aktive Form der Überwachung“ sei man in der Lage, bei Bedarf „rasch gezielte Maßnahmen“ zur Bekämpfung der Stechmücken setzen zu können.

„Verhindern wir gemeinsam, dass sich Tigermücken bei uns ausbreiten“, appelliert Haberlander außerdem, „mit ganz einfachen Maßnahmen kann jede und jeder Einzelne dazu beitragen.“ Als Beispiele für potenzielle Brutstätten der Tigermücken führt sie Wasseransammlungen in Eimern, Blumentöpfen, Werkzeug, Vogeltränken, Spielsachen, alten Autoreifen in Vorgärten, auf Grundstücken, in Schrebergärten, aber auch auf dem Balkon an. Ebenso Gullys oder Bodendellen, in denen das Wasser mindestens eine Woche stehen bleibt.

Wasser zumindest einmal pro Woche entleeren

Es wird daher empfohlen, solche Wasseransammlungen regelmäßig – mindestens einmal pro Woche – trockenzulegen bzw. Untersetzer etc. zu entleeren und Regentonnen abzudecken. Haberlander bittet auch um Mithilfe bei der Erkennung von neuen Tigermückenbeständen. Diese sind leicht zu erkennen: Kleiner als eine Cent-Münze und grundlegend schwarz (nicht bräunlich). Das auffälligste Merkmal sind jedoch – wie der Name schon sagt – die weißen, prägnanten Streifen auf Körper und Beinen, wobei das letzte Glied der Hinterbeine immer weiß ist.

Die Tigermücke sticht außerdem auch tagsüber aggressiv – nicht nur in der Dämmerung wie viele andere Mückenarten. Wer eine Ae. albopictus sichtet (bzw. den Verdacht hat, dass es sich um eine handeln könnte), soll diese fotografieren und über die kostenlose „Mosquito-Alert App“ melden. Nationale und internationale Expertinnen und Experten würden die Fotos begutachten, informiert die Gesundheitslandesrätin, und die Funde dann anonym auf einer öffentlich zugänglichen Karte (unter https://www.ages.at/mensch/krankheit/infos-zu-gelsen-krankheiten#c7630) anzeigen.

Auf dieser Karte ist auch der Linzer Fund aus dem Vorjahr zu sehen sowie alle anderen Funde von Tigermücken bzw. deren Eiern in Österreich, gegliedert nach Bezirken (beim Filter das Jahr und die Mückenart eingeben). Wie ein Blick in den Jahresbericht 2021* – "Ovitrap-Monitoring gebietsfremder Gelsenarten in Österreich" zeigt, konnte die Asiatische Tigermücke bisher an neun Standorten aus fünf Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und Vorarlberg) im Zeitraum vom 15. Juli bis 4. Oktober 2021 nachgewiesen werden.

Funde an Autobahnraststätten, in Klein- und Schrebergärten: Lokale Ausbreitung?

In Wien waren es gleich drei Standorte, wobei in einer Kleingartenanlage (Bezirk Leopoldstadt) sogar in rund 46 Prozent der Proben Eier von Ae. Albopictus gefunden wurden. Auch an zwei Standorten in Graz wurde man fündig, ebenfalls besonders häufig in einer Kleingartenanlage (Bezirk Liebenau).

In Niederösterreich wurde sie wie bereits im Jahr davor mehrfach an der Autobahnraststation Hochleithen entdeckt sowie erstmals am Flughafen Wien-Schwechat. Unklar ist dem Bericht zufolge, ob diese Funde auf eine lokale Ausbreitung oder durch eine Einschleppung über den Flugverkehr zurückzuführen sind. Denn schon 2020 wies man die Asiatische Tigermücke in Wien und Niederösterreich nach.

In Vorarlberg und Oberösterreich hingegen wurde im letzten Untersuchungsjahr die auffällige Tigermücke zum ersten Mal nachgewiesen: am Grenzübergang Hörbranz (Bezirk Bregenz) und wie bereits erwähnt in Linz.

AGES geht davon aus, dass Tigermücken in Wien und Graz überwintern

Wenn in manchen Bundesländern noch keine exotischen Mücken entdeckt wurden, heißt das nicht, dass sie dort nicht sein könnten. Die sogenannten Ovitraps („Eigelegefallen“) wurden zwar an 50 Standorten in ganz Österreich aufgestellt, aber vor allem in urbanen oder suburbanen Gebieten sowie an Orten, wo gebietsfremde Arten eingeschleppt werden können (z.B. Autobahnraststätten). Die Asiatische Tigermücke komme besonders in Wien und Graz „in großer Zahl“ vor, wird in einer begleitenden Aussendung zum Bericht betont, und es sei davon auszugehen, dass diese Populationen hier auch überwintern werden.

Ae. albopictus sei ein potenzieller Vektor für mehr als 20 verschiedene Krankheitserreger, informiert die AGES am 23. Mai 2022 in einer weiteren Aussendung, darunter Chikungunya-Virus, Dengue-Virus oder Dirofilaria.

*Bericht abrufbar unter https://www.ages.at/forschung/projekte/ovitrap-monitoring-gebietsfremder-gelsenarten-in-oesterreich

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