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Konservative Maßnahmen ausreizen

Obstruktive Schlafapnoe bei Kindern und Jugendlichen

lustiger Gesichtsausdruck mit offenem Mund eines blonden, kaukasischen dreijährigen Kindes, das auf einem Kingsize-Bett schläft

Wenn Kinder und Jugendliche schnarchen, sollte man das ernst nehmen. Denn eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe erhöht das Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schlafbezogene Atemstörungen – da kommen einem vor allem übergewichtige ältere Erwachsene in den Sinn. Das ist aber zu kurz gegriffen. Auch bei Kindern und Jugendlichen treten im Schlaf Atemstörungen bis hin zur obstruktiven Schlafapnoe auf. Und sie tragen ähnliche Risiken wie die Großen: spätere Hypertonie, Rhythmusstörungen und KHK, schreiben die Kinderkardiologin Dr. Clarissa Baker-Smith vom Nemours Children’s Hospital in Wilmington und ihre Kollegen in einem Statement der American Heart Association (AHA).

Man sollte sich nicht
auf Scores verlassen

Auch die Symptome ähneln denen im Erwachsenenalter, zum Beispiel Schnarchen, offensichtlich angestrengtes Atmen, Nach-Luft-Schnappen, Kopfschmerzen beim Aufwachen und Tagesschläfrigkeit. Untersucht man das Kind, fallen häufig vergrößerte Mandeln (meist adenotonsilläre Hypertrophie) auf. In manchen Fällen besteht eine Assoziation mit Gedeihstörungen und angeborenen Syndromen wie Trisomie 21, Mukopolysaccharidose, kraniofaziale Fehlbildungen und neuromuskuläre Erkrankungen.

Auf Scores, die anhand anatomischer Kriterien die Wahrscheinlichkeit einer obstruktiven Schlafapnoe einschätzen, sollte man sich nicht verlassen, ebenso wenig auf Screening-Fragebogen. Sie können zwar das Risiko für nächtliche Atemstörungen feststellen, liefern aber keine Diagnose.

Als diagnostischer Goldstandard gilt die Polysomnografie im Schlaflabor. Empfohlen wird die Untersuchung in jedem Fall vor einer Tonsillektomie bei Kindern mit schlafbezogenen Atemstörungen und Faktoren, die das operative Risiko erhöhen, wie Übergewicht und/oder die bereits erwähnten angeborenen Syndrome.

Kriterien, die für eine obstruktive Schlafapnoe sprechen, umfassen:

  • den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) – je höher, desto schwerer die OSA, allerdings liegt der Wert bei Kindern generell niedriger als bei Erwachsenen
  • Störungen im Gasaustausch (Hyperkapnie, Hypoxie)
  • Schlaffragmentierung

Dazu empfehlen die US-Kollegen, kardiovaskuläre Erkrankungen und ein metabolisches Syndrom auszuschließen. „Starkes Übergewicht ist ein wesentlicher Risikofaktor für eine obstruktive Schlafapnoe“, warnt Dr. Baker-Smith in einer Pressemitteilung der American Heart Association. Ärzte müssen wissen, wie die zunehmende Zahl übergewichtiger Kinder die Schlafqualität in dieser Altersgruppe beeinträchtigt. Den Medizinern sollte klar sein, dass diese schlafbezogenen Atemstörungen den Weg für Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen bahnen.

Gewichtsreduktion ist immer eine gute Idee

Leichte Formen muss man nicht zwingend direkt behandeln, eine engmaschige Überwachung kann zunächst reichen. Einheitliche Kriterien, ab welchen Werten eine Therapie beginnen sollte, existieren allerdings nicht. Wer eine Therapie startet, sollte den Fokus erst einmal auf konservative Maßnahmen legen. Eine Gewichtsreduktion ist bei Bedarf immer eine gute Idee. Vielen Kindern könnte es auch helfen, wenn die Schule generell zu einer späteren Uhrzeit beginnen würde (nach 8.30 Uhr), da sich so die Schlafzeiten verlängern. Dies ist allerdings nicht ohne Weiteres umsetzbar. Auf alle Fälle sollten Eltern bei jüngeren Kindern eine Schlafroutine einführen – mit regelmäßigen Zu-Bett-Geh- und Aufsteh-Zeiten. Jugendliche machen da nicht mehr so einfach mit, ihnen können Textnachrichten mit entsprechenden Informationen auf dem Smartphone helfen.

Reicht das alles nicht aus, geht es an die Mandeln – bei einer vergrößerten Rachenmandel kommt auch eine Adenotonsillektomie infrage. Der Eingriff ist mittlerweile zu einem Standard geworden. Man muss aber bedenken, dass viele Patienten ein erhöhtes Anästhesie- und OP-Risiko tragen, so die Experten der AHA – sie sollten deshalb frühzeitig dem Anästhesisten vorgestellt werden.

Auch die Kleinen sind
keine CPAP-Fans

Wie bei Erwachsenen kann auch eine CPAP-Therapie die Obstruktion der Atemwege verhindern und so den Schlaf normalisieren – z.B. bei Kindern, die für eine OP nicht infrage kommen. Doch genau wie viele Erwachsene sind die Kinder davon wenig begeistert. Eventuell helfen Methoden aus der Verhaltenstherapie bei der Akzeptanz. Können Adenotonsillektomie und CPAP nichts ausrichten, ist es möglich, über diffizilere chirurgische Maßnahmen an evtl. weiterhin vorliegenden anatomischen Fehlbildungen anzugreifen.

Was bis jetzt aber noch nicht klar ist: Wie wirken sich diese Behandlungen auf das künftige kardiovaskuläre Risiko im Erwachsenenalter aus? Hier sind Langzeitstudien mit regelmäßigen Untersuchungen von Blutdruck, metabolischem Syndrom sowie von Fett- und Zuckerstoffwechsel überfällig, so die Autoren abschließend.

  1. Baker-Smith C et al. J Am Heart Assoc 2021; 10: e022427
  2. Pressemitteilung American Heart Association (AHA)
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